ÖAMTC warnt vor Wildunfällen im Herbst

Im Vorjahr passierten 274 Wildunfälle mit über 300 Verletzten

Wien (OTS) - Mit dem Herbst steigt die Gefahr von Wildunfällen. Am häufigsten passieren Zusammenstöße mit Rehen – das birgt auch für Kraftfahrer Risiken. "Trifft man mit 50 km/h auf einen 20 kg schweren Rehbock, wirkt eine halbe Tonne auf Fahrzeug und Fahrer, bei 100 km/h beträgt die Aufprallwucht zwei Tonnen", erklärt Roland Frisch, Pkw-Chefinstruktor der ÖAMTC Fahrtechnik. Die größte Gefahr droht Autofahrern durch riskante Ausweichmanöver. "Wenn man z. B. mit dem Auto im Gegenverkehr landet oder einen Baum am Straßenrand touchiert, sind die Folgen dramatischer als bei einem Zusammenstoß mit einem Wildtier" so Frisch. Wenn der Fahrer richtig reagiert, ist die Verletzungsgefahr bei einem Crash mit einem Wildtier für Autoinsassen relativ gering.

Im Jahr 2015 ereigneten sich auf Österreichs Straßen 274 Wildunfälle, bei denen auch Personen zu Schaden gekommen sind. Es wurden 303 Menschen verletzt und eine Person getötet. Die meisten Wildunfälle passierten in Niederösterreich (102) vor Oberösterreich (65), Steiermark (40), Kärnten (26), Tirol (17), dem Burgenland (12) und Salzburg (11). Hier nicht einberechnet sind Unfälle, die nur zu Sachschäden geführt haben, da diese in der Unfallstatistik nicht erfasst sind. Auch für viele Tiere gingen die Unfälle dramatisch aus. In der Jagdsaison 2015/16 verendeten im Straßenverkehr unter anderem 37.900 Rehe, 23.200 Hasen und 7.200 Fasane (Quelle: Statistik Austria, Bearbeitung: ÖAMTC-Unfallforschung).

Wildunfälle vermeiden – Vorsicht bei Warnschildern, Fernlicht aus, hupen

Um Unfälle mit Wildtieren zu vermeiden, sollte man im Bereich von Wildwechsel-Warnschildern besonders aufmerksam fahren und den Abstand zum Vorderfahrzeug möglichst groß halten. Am häufigsten passieren Wildunfälle in der Dämmerung, dichter Bewuchs am Straßenrand erhöht die Unfallgefahr. Entscheidend ist nicht nur die Sicht nach vorne, sondern auch die Sicht seitlich neben dem Fahrzeug. "Ist ein Wildtier in Sicht, muss man die Geschwindigkeit reduzieren, das Fernlicht ausschalten und hupen. Hat das Tier die Fahrbahn überquert oder läuft es davon, heißt es weiter vorsichtig sein, da Wildtiere meist in Gruppen unterwegs sind", erklärt Frisch.

Achtung – wer unerwartet bremst, riskiert Mitverschulden

Laut Straßenverkehrsordnung (StVO) darf ein Fahrzeuglenker nicht plötzlich und für den Nachfolgeverkehr überraschend bremsen. "Wer also wegen eines Tieres bremst, riskiert bei einem Auffahrunfall unter Umständen ein Mitverschulden", erklärt ÖAMTC-Jurist Nikolaus Authried die rechtliche Situation. "Die Judikatur hat sich allerdings dahingehend entwickelt, dass bei einem Zusammenstoß mit einem großen und schweren Tier wie einem Wildschwein, Reh oder Hirsch die Gefahr einer Verletzung des Lenkers als so groß gilt, dass nach einem Unfall aufgrund einer Vollbremsung dem Vordermann kein Mitverschulden angelastet wird."

Nach dem Wildunfall – Unfallstelle absichern, Polizei verständigen

Nach einem Unfall mit einem Wildtier ist Folgendes zu tun: nach Möglichkeit sofort an sicherer Stelle halten, Warnblinkanlage einschalten, Warnweste anziehen, Unfallstelle mit dem Pannendreieck absichern, eventuell verletzte Personen versorgen und so schnell wie möglich Polizei (oder wenn bekannt, den Jagdaufseher) verständigen, auch wenn das (verletzte) Tier weiterläuft. Die so genannte "Blaulichtsteuer" fällt in der Regel nicht an. Verletzte Tiere nicht berühren oder mitnehmen. Wer ein verletztes oder getötetes Wild mitnimmt, macht sich wegen Diebstahls strafbar.

Wildschadenhilfe durch Kaskoversicherung & ÖAMTC-Schutzbrief

Bei Wildunfällen bekommt man den Schaden am eigenen Auto nur von der Kaskoversicherung ersetzt. Ist man nur haftpflichtversichert, muss man für den gesamten Schaden selbst aufkommen, außer es kann jemand anderer dafür verantwortlich gemacht werden. Derartiges wäre etwa bei schadhaften Wildzäunen entlang mautpflichtiger Autobahnen denkbar. Fahrzeugschäden infolge eines Wildunfalls werden von einer Kasko-Versicherung übernommen. Für die Kasko-Versicherung wird eine polizeiliche Meldebestätigung des Unfalls benötigt.

Versicherungsschutz bietet auch der ÖAMTC-Schutzbrief. Wurde ein Fahrzeug, das auf eine schutzbriefgeschützte Person zugelassen ist, durch einen Wildunfall in Österreich (oder im Gültigkeitsgebiet des Schutzbriefes im Ausland) beschädigt, werden 80 Prozent der Reparaturkosten bzw. des Selbstbehaltes bis zu 600 Euro rückvergütet.

Weitere Informationen online unter www.oeamtc.at.

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