• 10.10.2016, 10:00:01
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Ö1-Schwerpunkt zum 70. Geburtstag von Elfriede Jelinek

Wien (OTS) - Am 20. Oktober begeht Literaturnobelpreisträgerin
Elfriede Jelinek ihren 70. Geburtstag. Ö1 widmet der Schriftstellerin
einen Programmschwerpunkt mit elf Sendungen. Im ORF-TV ist Michael
Hanekes vielfach preisgekrönte Verfilmung von Jelineks 2004 mit dem
Literaturnobelpreis ausgezeichneten Werk „Die Klavierspielerin“ zu
sehen.

Elfriede Jelineks „Jackie“ steht auf dem Programm der
„Hörspiel-Galerie“ am Samstag, den 15. Oktober ab 14.00 Uhr in Ö1. Es
spielt Marion Breckwoldt, Regie führt Karl Bruckmaier (BR 2003). Das
Theaterstück „Jackie“ ist Teil des „Prinzessinnen-Zyklus“ von
Elfriede Jelinek. In der 2004 mit dem Hörspielpreis der Kriegsblinden
ausgezeichneten Hörspiel-Version ruft die ehemalige Heroine Amerikas,
ein längst verstorbenes Idol, aus dem Jenseits die Toten an. Dabei
erschafft sie ein Bild von sich selbst, inszeniert sich als
Kunstwerk. Mit biografischen Fakten und einem permanenten Vergleich
mit Marilyn Monroe, Jackies stärkster Gegenspielerin, umkreist
Jelinek in ihrem Hörspielmonolog Jacqueline Bouvier (1929 - 1994),
die Witwe des US-Präsidenten John F. Kennedy und des griechischen
Milliardärs Aristoteles Onassis. Ab 17.05 Uhr begibt sich dann ein
„Diagonal: zur Person Elfriede Jelinek“ auf die Spuren der großen
österreichischen Sprachkünstlerin, die sich zurückgezogen hat, um den
zudringlichen Blicken der Öffentlichkeit zu entrinnen. Gespenster
gehen um in den Texten Jelineks, Untote, Zombies, Vampire bevölkern
seit den Anfängen die sprachgewaltigen Textplateaus der Autorin. Die
österreichische Geschichte gerät unter dem kritischen Blick Elfriede
Jelineks zum Gespensterszenario, ihre Untoten sind das Sinnbild einer
Vergangenheit, „die nie ganz tot ist und aus der immer die Hand aus
dem Grabe wächst“. Seitdem Elfriede Jelinek 2004 mit dem Nobelpreis
ausgezeichnet worden ist, ist sie selbst eine körperlose Stimme, eine
Art Gespenst geworden. Denn auf die große Ehrung folgte der große
Rückzug. Jelinek, die in den 1980er- und 1990er-Jahren als engagierte
Autorin in medialen Debatten äußerst präsent gewesen ist, meidet
öffentliche Auftritte und gibt so gut wie keine Interviews mehr. Das
Gros ihrer Texte erscheint im Netz. Den Literaturbetrieb brandmarkt
die Nobelpreisträgerin als korrupt. Verstummt ist sie deshalb aber
längst nicht. Als Medienfigur hat sich Elfriede Jelinek
verabschiedet, als Autorin mischt sie sich weiter ein. Sie hat ein
Stück über die Flüchtlingstragödie geschrieben („Die
Schutzbefohlenen“) und sich mit Terroristen, Pegida-Anhängern und
geifernden Hass-Postern („Wut“) auseinandergesetzt.

Am Sonntag, den 16. Oktober ist im „Kunstradio“ (23.03 Uhr) eine
Produktion aus dem Jahr 2003 zu hören. Jelineks Text „Das Schweigen“
wird in der radiophonen Arbeit von Ernst M. Binder und Josef Klammer
konfrontiert mit einem biografischen Text der Autorin, den sie ihrem
Orgellehrer Leopold Marksteiner gewidmet hat. Dieser Text „Die Zeit
flieht“ wird von Jelinek selbst gelesen und ist rhythmische,
klangliche und melodische Grundlage der kontrapunktierenden
Komposition. Kurze Sequenzen aus Silben, Konsonanten und Vokalen
ergeben ein Klanggebilde, welches „Das Schweigen“ zum Klingen bringt,
trägt und stützt. Essenzen aus dem „Klavierkonzert in a moll“ von
Clara Schumann sind der akustische Gegenpol, nicht nur in
musikalischer Hinsicht.

Auch die „Radiogeschichten“ (11.40 Uhr) stehen von Montag, den 17.
bis Freitag, den 21. Oktober ganz im Zeichen der Schriftstellerin: Am
17. Oktober dreht sich alles um die Jungautorin Elfriede Jelinek.
Weitere Themen sind „Die Liebhaberinnen“ (18.10.), „Die
Klavierspielerin“ und „Lust“ (19.10.), Elfriede Jelinek und das
Theater: „Wolken.Heim.“ und „Die Schutzbefohlenen“ (20.10.) und
„Elfriede Jelinek und das Abseits“ (21.10.).

„Musikalische Sprache, versprachlichte Musik“ - Elfriede Jelineks
vielfältige Beziehungen zum zeitgenössischen Komponieren sind Thema
von „Zeit-Ton“ am Montag, den 17. Oktober ab 23.03 Uhr in Ö1.
Jelineks jahrelange Beschäftigung mit der Musik, die in den
1960er-Jahren in einem Orgel-, Klavier- und Blockflötenstudium am
Konservatorium der Stadt Wien und sogar in einigen Kompositionen
kulminierte, schlug sich enorm produktiv auf ihr literarisches
Schaffen nieder. Die enge Beziehung zwischen Wort und Musik ist ein
Schlüssel zu ihren in ständigem Fluss befindlichen Texten. Durch
Jelineks langjährige Beziehung zu der gleichfalls aus der Steiermark
stammenden Komponistin Olga Neuwirth wurde dieses Ineinander von
Sprache und Musik noch intensiver reflektiert. Unter anderem in
gemeinsam entstandenen Hörstücken wie „Todesraten“ (1997) oder „Der
Tod und das Mädchen II“ (2000). Auch als Librettistin zu Neuwirths
Musiktheatern „Bählamms Fest“ (1997/'99) und „Lost Highway“
(2002/'03), um nur die zwei wichtigsten Libretti zu nennen, ist
Jelinek in die Geschichte der Musik eingegangen. „Elfriede Jelinek
und die Musik“ ist auch Thema des „Pasticcio“ am Donnerstag, den 20.
Oktober (Ö1, 8.20 Uhr).

Das Ö1-„Hörspiel-Studio“ (21.00 Uhr) bringt am Dienstag, den 18.
Oktober Jelineks Stück „Rechnitz“, in dem neben der Autorin Isabelle
Menke und Stefan Wilkening mitwirken, Bearbeitung und Regie: Leonhard
Koppelmann (BR 2011). 1994 haben sich die Dokumentarfilmer Margareta
Heinrich und Eduard Erne nach Rechnitz begeben, um vor Ort über das
Massaker vom 24. März 1945 zu recherchieren. Ihr Film erhielt
bezeichnender Weise den Titel „Totschweigen“ und genau hier setzen
die Sprachoperationen von Jelinek an. Sie schickt in der Tradition
des antiken Theaters Boten vor, von den totgeschwiegenen Ereignissen
zu berichten, doch diese verstricken sich fortwährend in
Widersprüche, verhaspeln sich, verlieren den Faden, lenken ab,
täuschen darüber hinweg, reden sich heraus - es entsteht ein beredtes
Schweigen und doch reden sich die Boten um Kopf und Kragen. Das
Programm im Detail ist abrufbar unter
http://oe1.orf.at/elfriedejelinek70.

Jelinek im TV

Am 17. Oktober um 23.10 Uhr in ORF 2 würdigt der „Kulturmontag“
Elfriede Jelinek zum 70. Geburtstag. Michael Hanekes vielfach
preisgekrönte Verfilmung ihres 2004 mit dem Literaturnobelpreis
ausgezeichneten Werks „Die Klavierspielerin“ ist anschließend, um
0.05 Uhr in ORF 2 zu sehen, außerdem am Freitag, den 21. Oktober ab
23.35 Uhr in ORF III. Die Hauptrollen in dieser vom ORF im Rahmen des
Film/Fernseh-Abkommens kofinanzierten Produktion sind mit Isabelle
Huppert, Annie Girardot und Benoit Magimel hochkarätig besetzt. Zum
Inhalt: Erika Kohut (Huppert), Ende 30, Klavierlehrerin am Wiener
Konservatorium, lebt mit ihrer tyrannischen, alten Mutter (Girardot)
in einer hermetisch abgeschotteten Welt von Hassliebe und
Abhängigkeit. Für Männer ist da kein Platz. Ihr Sexleben besteht aus
Voyeurismus und masochistischer Selbstverletzung. Da beschließt der
junge Walter (Magimel), einer von Erikas Schülern, seine Lehrerin zu
verführen.

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