Flammhemmende Chemikalien in Diskussion: Mehr Schaden als Nutzen?

Wien (OTS) - Für Möbel in Europa gibt es eine Vielzahl unterschiedlicher, nationaler Brandschutznormen. Einige Normen können nur unter extensiver Verwendung von Flammschutzchemikalien erfüllt werden. Die wissenschaftliche Community ist überzeugt, dass viele dieser Chemikalien sowohl für die menschliche Gesundheit als auch für die Umwelt gefährlich sind, obwohl eine Verbesserung der Brandsicherheit in Frage gestellt wird.

Auf europäischer Ebene hat sich jetzt eine Allianz gebildet, zu denen sowohl betroffene Industrieverbände, Gesundheits- und Umweltorganisationen als auch Feuerwehrverbände und Gewerkschaften gehören, die auf die Risiken und Bedenken beim Einsatz von Flammschutz-chemikalien in Möbeln hinweisen.***

Negative Auswirkungen auf die menschliche Gesundheit

Schon im San Antonio Statement (2009) wiesen mehr als 150 Wissenschaftler auf die negativen Wirkungen dieser Chemikalien hin. In einer schwedischen Studie (2015) wurden Brand-schutzchemikalien in Muttermilch festgestellt. Nicht nur Konsumenten, auch Produktionsarbeiter und Feuerwehrleute sind davon betroffen.

Wenn wir die Möglichkeit haben, den Brandschutz ohne schwere Schäden für Mensch und Natur zu verbessern, sollten wir das tun! In den USA haben die Bundesstaaten Kalifornien und Washington bereits die Brandschutznormen ersetzt, die dazu führten, dass Haushaltmöbeln gefährliche Chemikalien zugesetzt wurden. Europa sollte sich unverzüglich anschließen und diesen Wahnsinn sofort beenden. Tatiana Santos, verantwortliche Fachreferentin für Chemikalien des Europäischen Umweltbüros (EEB).

Bei Feuerwehrleuten besteht gegenüber der Allgemeinbevölkerung ein höheres Krebsrisiko für verschiedene Krebsarten, und man vermutet, dass Flammschutzmittel zu diesem höheren Risiko beitragen. Die Brandsicherheit kann auch ohne potenziell gefährliche Chemikalien gewährleistet werden: am effektivsten sind Sprinkleranlagen und Rauchdetektoren. Mikael Svanberg, European Fire Fighter Unions Alliance (EFFUA).

Negative Auswirkungen auf die Umwelt

Flammschutzchemikalien treten aus den Produkten aus und sammeln sich in der Umwelt. Sie erzeugen eine Belastung mit toxischen Stoffen, die nicht im Laufe der Zeit verschwinden, sondern sich wegen ihrer hohen Persistenz in der gesamten Umwelt ausbreiten und letztendlich in den Nahrungsmitteln landen, die wir zu uns nehmen. Eine Skandinavische Studie (2009) wies beispielsweise hohe Konzentrationen bromierter Flammschutzchemikalien in der Arktis nach.

Der Einsatz von Flammschutzmitteln widerspricht den Zielen der Kreislaufwirtschaft

Die EU Kommission arbeitet mit hoher Priorität an einem Aktionsplan zur Umsetzung der Kreislaufwirtschaft. Aus Sicht von Umweltexperten ist die Verwendung von Flammschutzchemikalien für Wiederverwendung, Recycling aber auch Abfallbehandlung kontraproduktiv.

Eine echte Kreislaufwirtschaft ist solange unmöglich, wie toxische Chemikalien in den Kreislauf eingebracht und im Rahmen des Recyclings zu neuen Produkten verarbeitet werden. Wir kennen bereits Küchenutensilien und Kunststoffbestecke mit Flammschutzmittelzusätzen. Joan Marc Simon, Executive Director, Zero Waste Europe

Hohe Kostenbelastung für Möbelindustrie

Die unüberschaubare Zahl verschiedener Brandschutznormen in Europa ist für exportorientierte Hersteller nur mit hohem bürokratischen Aufwand und signifikanten Kosten zu bewältigen. Flammschutzmittel erhöhen die Produktionskosten, verschlechtern die Qualität der Produkte und reduzieren die Haltbarkeit. Dies ist eine ernste Herausforderung für den Möbelmarkt in Europa, da Arbeitsplätze und Wachstum gefährdet werden.

Für Hersteller ist es nicht nur kostenintensiv und komplex, so viele unterschiedliche Normen zu erfüllen. Viele Hersteller verzichten einfach darauf, bestimmte Länder zu beliefern. Dieses Normenchaos ist eine Barriere und verhindert effektiv den freien Handel im Binnenmarkt. Markus Wiesner, Vorsitzender der Europäischen Möbelindustrie (EFIC)

Welche Erwartungen bestehen?

Durch REACH wurden in den letzten Jahren einige gefährliche Chemikalien eliminiert. Aber es sind weitere Schritte notwendig. Selbst in Kalifornien wurden aufgrund der veränderten Sichtweise die Regulierungsvorschriften so verändert, um einen hohen Grad der Brandsicherheit auch ohne Verwendung von Flammschutzchemikalien zu gewährleisten.

Es gibt effektivere und weniger gefährliche Möglichkeiten zur Gewährleistung des Brandschutzes, ohne möglicherweise die gesamte Bevölkerung und die Umwelt zu gefährden. Rauchverbote in öffentlichen Gebäuden, selbstverlöschende Zigaretten und Kerzen, vieles hat zu einer signifikanten Risikoreduzierung geführt. Eine Möglichkeit zur Verlängerung der Fluchtzeit sind Rauchdetektoren, da ein Brand frühzeitiger erkannt wird, ohne dass potenzielle Schäden durch Kontakt mit Chemikalien auftreten.

Aus Sicht der Möbelindustrie wird es Zeit, einen weiteren Schritt zu gehen und harmonisierte Brandschutzvorschriften für Möbel zu verabschieden, die ohne die Verwendung von Flammschutzchemikalien auskommen.

Allianz für „Flame Retardant Free Furniture“

  • European Fire Fighter Unions Alliance (EFFUA)
  • European Furniture Industries Confederation (EFIC)
  • European Environmental Bureau (EEB)
  • European Federation of Building and Woodworkers (EFBWW)
  • European Bedding Industries Association (EBIA)
  • Zero Waste Europe (ZWE)
  • CHEM Trust
  • The Cancer Prevention and Education Society (Cancer Prevention)
  • European Environmental Citizens Organisation for Standardisation (ECOS)
  • Health and Environment Alliance (HEAL)

Das Positionspapier steht hier zum Donlaod bereit:
http://www.ots.at/redirect/moebel9

Rückfragen & Kontakt:

Die Österreichische Möbelindustrie
DI Andrea Steinegger, MAS
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