- 30.09.2016, 12:27:19
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Neues „ORF-TVthek goes school“-Videoarchiv: „Österreichs Zeitzeugen“
Von ORF und MKÖ mit Unterstützung des Bundeskanzleramts und des Zukunftsfonds gestaltetes Online-Videoarchiv mit 102 Zeitzeugen-Gesprächen präsentiert
Utl.: Von ORF und MKÖ mit Unterstützung des Bundeskanzleramts und
des Zukunftsfonds gestaltetes Online-Videoarchiv mit 102
Zeitzeugen-Gesprächen präsentiert =
Wien (OTS) - Die persönlichen Erinnerungen österreichischer und
internationaler Zeitzeuginnen und Zeitzeugen bieten einen
einzigartigen Zugang zur Zeitgeschichte Österreichs. 102 Interviews
und Gespräche mit „Österreichs Zeitzeugen“ stehen im Mittelpunkt
eines neuen Videoarchivs auf der ORF-TVthek, das der ORF gemeinsam
mit dem Mauthausen Komitee Österreich und mit Unterstützung des
Österreichischen Bundeskanzleramts und des Zukunftsfonds der Republik
Österreich gestaltet hat.
Kunst- und Kulturminister Mag. Thomas Drozda, ORF-Generaldirektor Dr.
Alexander Wrabetz und der Vorsitzende des Mauthausen Komitees
Österreich Willi Mernyi stellten das neue Online-Videoarchiv
„Österreichs Zeitzeugen“ am Freitag, dem 30. September 2016, im
Bundekanzleramt gemeinsam mit ORF-Onlinechef Thomas Prantner und den
Leitern des Projektteams Mag. Eva Reiter (Leiterin ORF-TVthek) und
Christa Bauer (Geschäftsführerin MKÖ) vor. Als Gäste waren bei der
Präsentation auch zahlreiche Zeitzeuginnen und Zeitzeugen wie Käthe
Sasso, Aba Lewit, Richard Wadani und Rudolf Gelbard, deren Interviews
auch im Archiv abrufbar sind, sowie Erich Finsches und Karl Pfeifer
ebenso wie Theodor Maier (Vorsitzender der Lagergemeinschaft
Flossenbürg) anwesend. Weiters war als unterstützender Partner des
Projekts der Zukunftsfonds der Republik Österreich durch
Generalsekretär Prof. Herwig Hösele vertreten. Rudolf Altersberger
(Amtsführender Präsident des Landesschulrates für Kärnten) war
ebenfalls anwesend.
Das neue Angebot ist Teil der Aktion „ORF-TVthek goes school“, die
Videoarchive in einer speziell für die Integration in den Unterricht
geeigneten Form bereitstellt, und ist auf der Videoplattform des ORF
unter http://TVthek.ORF.at/archive uneingeschränkt und unbefristet
verfügbar.
Das Videoarchiv ist in die vier Rubriken „Monarchie und Erster
Weltkrieg“, „Zwischenkriegszeit und Austrofaschismus“,
„Nationalsozialismus und Zweiter Weltkrieg“ und „Nachkriegszeit“
unterteilt, insgesamt kommen 89 Zeitzeuginnen und Zeitzeugen zu Wort.
So berichten zum Beispiel der Regisseur Otto Preminger, der
Psychiater Viktor Frankl oder die Politikerin Rosa Jochmann über ihre
Erinnerungen an die letzten Jahre der Monarchie und den Ersten
Weltkrieg. Die Erste Republik und den Austrofaschismus hat u.a. ein
Interview mit der Sozialwissenschafterin Marie Jahoda im Rahmen der
Rubrik „Zwischenkriegszeit und Austrofaschismus“ zum Thema. Im
Kapitel „Nationalsozialismus und Zweiter Weltkrieg“ erzählen
Zeitzeuginnen und Zeitzeugen wie Käthe Sasso, Aba Lewit, Rudolf
Gelbard, Richard Wadani, Margarete Schütte-Lihotzky, Anna Hackl, Hans
Máršálek und Franz Trampusch über die Verbrechen während des
Nationalsozialismus und wie diese Erfahrungen danach ihr Leben
prägten. Persönlichkeiten wie Bruno Kreisky, Simon Wiesenthal oder
Alfred Maleta rufen schließlich auch die Nachkriegszeit und die
Staatsvertragsverhandlungen ins Gedächtnis.
Die Interviews und Gespräche wurden in den vergangenen Jahrzehnten
größtenteils im ORF-Fernsehen gezeigt, einige wurden von der
Redaktion des Senders ORF III Kultur und Information auch neu
aufgenommen und gesendet.
Mag. Thomas Drozda, Kunst- und Kulturminister: „Wenn wir ein ‚Nie
wieder‘ ernst nehmen, müssen wir Wege finden, um zu erinnern. Mit
Projekten wie dem Videoarchiv ‚Österreichs Zeitzeugen‘ ist es
gelungen, Zeitgeschichte innovativ und leicht zugänglich zu
vermitteln. Persönliche Geschichten und Erlebnisse eignen sich dafür
am besten. Denn Werte wie Demokratie, Menschenrechte und
Meinungsfreiheit dürfen wir niemals als selbstverständlich erachten,
sondern müssen dafür kämpfen.“
Dr. Alexander Wrabetz, ORF-Generaldirektor: „Die persönlichen
Erfahrungen und Erinnerungen von Zeitzeuginnen und Zeitzeugen zu
sammeln, zu erhalten und der Öffentlichkeit – vor allem jungen
Menschen – zugänglich zu machen, ist eine der zentralen Aufgaben des
ORF als Rundfunk der Gesellschaft und elektronisches Gedächtnis des
Landes. Denn kein Buch und kein dokumentarisches Filmmaterial kann
uns Vergangenes und besonders die mit Schrecken behafteten Ereignisse
und Zeiten wie Krieg oder Holocaust so nahe bringen wie Menschen, die
dies selbst durchleben mussten und davon auf sehr persönliche und
emotionale Weise erzählen. Daher ist es ein großer Gewinn für uns
alle, dass es dem ORF gemeinsam mit dem Mauthausen Komitee und mit
Unterstützung des Bundeskanzleramts und des Zukunftsfonds gelungen
ist, das ‚ORF-TVthek goes school‘-Archiv mit seinen mehr als 100
Interviews und Gesprächen mit ‚Österreichs Zeitzeugen‘ aufzubauen und
online zu stellen.“
Willi Mernyi, Vorsitzender Mauthausen Komitee Österreich: „Über 100
Berichte von Zeitzeuginnen und Zeitzeugen verdeutlichen einmal mehr
die Entwicklungen, die zum Austrofaschismus oder zum
Nationalsozialismus führten. Diese persönlichen Erzählungen sollen
Jugendlichen näherbringen, was in diesen höllischen Zeiten alles
passiert ist. Aus der Arbeit des Mauthausen Komitee Österreich mit
Zeitzeuginnen, Zeitzeugen und Jugendlichen sehen wir, dass dadurch
eine Verbindung der Lebenswelten – vor allem mit jenen der
Jugendlichen – möglich ist. Daher freut es uns, dass diese Berichte
online für alle einzusehen sind. Ein wichtiger Beitrag für ein
‚Niemals wieder‘.“
Ing. Michael Götzhaber, ORF-Direktor für Technik, Online und neue
Medien: „Das Internet und die Videoplattform des ORF im Speziellen
sind ideale Multiplikatoren für die Zeitzeugen-Interviews, die im
Rahmen des neuen ‚ORF-TVthek goes school‘-Videoarchivs
zusammengestellt wurden. Es ist von großer Bedeutung für das
Verständnis unserer Vergangenheit, dass diese so wichtigen
persönlichen und berührenden Zeitdokumente nunmehr uneingeschränkt
und langfristig bereitgestellt werden, und somit beispielsweise auch
in den Unterricht integriert werden können.“
Thomas Prantner, stv. ORF-Direktor für Technik, Online und neue
Medien: „Es ist zentrale Aufgabe des ORF, nicht nur Österreichs
Gegenwart, sondern auch entscheidende Epochen und Ereignisse aus der
Vergangenheit medial darzustellen. Die sehr persönlichen und
bewegenden Erinnerungen von Zeitzeuginnen und Zeitzeugen im Rahmen
eines ‚ORF-TVthek goes school‘-Videoarchivs online zu stellen und
damit vor allem Jugendlichen verfügbar zu machen, ist daher ein
wertvoller, neuartiger, multimedialer Weg zur Erfüllung unseres
öffentlich-rechtlichen Bildungsauftrags. Ich danke speziell LAbg. Dr.
Gerhard Schmid, der ganz wesentlich zur Entstehung dieses Projekts
beigetragen hat.“
Prof. Herwig Hösele, Generalsekretär des Zukunftsfonds der Republik
Österreich: „Je besser das Wissen um die Zeitgeschichte, umso größer
das Bewusstsein für die fundamentalen Werte der liberalen Demokratie
und die unteilbaren Menschenrechte. Zu diesem Bewusstsein
beizutragen, ist Auftrag des Zukunftsfonds der Republik Österreich.
Oral-History- und pädagogischen Projekten kommt dabei eine besondere
Bedeutung zu. Die Zeit der beiden Weltkriege und des Staatsvertrages
ist für Jugendliche heute sehr weit entfernt, kaum werden sie noch
Menschen kennen, die aus eigener Erfahrung berichten können. Es ist
daher umso wichtiger, die Erlebnisse und Erzählungen von
Zeitzeuginnen und Zeitzeugen in einer leicht zugänglichen Form zur
Verfügung zu stellen. Das Videoarchiv ,ORF-TVthek goes school‘ ist
ein gelungenes Beispiel dafür und ich freue mich, dass der
Zukunftsfonds dieses Projekt unterstützen kann.“
Das Projekt „ORF-TVthek goes school“
„ORF-TVthek goes school“ ist Teil des Angebots der ORF-TVthek, der
Videoplattform des ORF. Ziel von „ORF-TVthek goes school“ ist es,
Online-Themenschwerpunkte mit herausragendem und einzigartigem
Videomaterial aus dem ORF-Archiv zu den Bereichen Zeit- und
Kulturgeschichte dauerhaft und unbefristet online abrufbar
anzubieten. Die Inhalte der Archive sollen dabei vor allem
Lehrer/innen und Schüler/innen ansprechen und sind speziell als
multimediales Bildungsangebot für den Unterricht an Schulen und
weiteren Bildungseinrichtungen geeignet. Vom ORF gestaltete
Fernsehsendungen und -beiträge zu zeit- und kulturhistorischen Events
und Entwicklungen können somit dabei behilflich sein, v. a.
Jugendlichen Bildungsinhalte mittels moderner Kommunikationsmedien
näherzubringen.
Insgesamt stehen derzeit auf der ORF-TVthek – inklusive des neuen
Archivs „Österreichs Zeitzeugen“ – 27 zeit- und kulturhistorische
Videoarchive mit rund 2.300 Beiträgen (Stand Ende September 2016) zur
Verfügung. Die Themenpalette reicht von der „Geschichte der EU“ über
die Medienarchive Christentum und Judentum bis zu Videoarchiven zur
Geschichte der einzelnen Bundesländer. Laufend werden sowohl die
bestehenden Archive erweitert als auch neue bereitgestellt. Bisher
erzielten die Videoarchive bereits mehr als 3,37 Millionen
Videoabrufe (Quelle: interne Statistik).
Mauthausen Komitee Österreich (MKÖ)
Im Jahr 2000 bestimmte die Österreichische Lagergemeinschaft
Mauthausen, die Organisation der Überlebenden des
Konzentrationslagers Mauthausen, das MKÖ zu ihrer offiziellen
Nachfolgeorganisation. Das MKÖ verpflichtete sich damit, das
Vermächtnis der ehemaligen KZ-Häftlinge zu bewahren und
weiterzutragen. Die engagierte antifaschistische und antirassistische
Arbeit vor allem mit jungen Menschen bildet einen der Schwerpunkte
der Aktivitäten des Mauthausen Komitee Österreich (MKÖ).
In den letzten Jahren führte das MKÖ mit mehr als 82.000 Jugendlichen
Zivilcourage-Trainings, Begleitungen durch die KZ-Gedenkstätte
Mauthausen sowie an Orten ehemaliger Außenlager, die Vor- und
Nachbereitung der KZ-Gedenkstättenbesuche, Anti-Rassismus-Workshops
wie den neuen Workshop „Wir sind alle“, das Anti-Rassismusplanspiel
„Miramix“ sowie diverse anlass- und themenbezogene Jugendprojekte
durch. Die Rundgänge des neuesten Jugendprojekts „denk mal wien“
beschäftigen sich mit vier verschiedenen Themen: „Wir sind
HeldInnen“, „Republik und Demokratie“, „‚Wir‘ und die ‚anderen‘“ und
„Was ist Österreich?“. Der historische Fokus wird auf die
Republiksgeschichte sowie die Zeit des Nationalsozialismus mit einem
ständigen Gegenwartsbezug gesetzt. In den bisher durchgeführten
Projekten mit Jugendlichen zeigt sich die erfolgreiche Einbindung von
Zeitzeugen-/Zeitzeuginnen-Biografien durch verschiedene Methoden und
ihre Notwendigkeit für ein „Niemals wieder“.
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