Mobbing an MedUnis: Minister erklärt sich für unzuständig

Rektoren antworten zurückhaltend. 3 Selbstmorde an MedUni Innsbruck wg. Mobbing

Wien (OTS) - Mobbing an MedUnis wird offensichtlich nach wie vor vertuscht, obwohl das Problem massiv ist und sogar bis zum Selbstmord führt. Dieser Eindruck drängt sich nach einer parlamentarischen Anfragebeantwortung auf. Die Grünen (NR-Abg. Sigi Maurer und Eva Mückstein) hatten beim zuständigen Bundesminister Reinhold Mitterlehner nach Ausmaß und Häufigkeit von Mobbing gegen ÄrztInnen an den Medizinischen Universitäten gefragt. Die Beantwortung delegierte Mitterlehner an die Rektoren (wegen „Uni-Autonomie“), sie fielen teils sehr unpräzise aus. Längst aus den Medien bekannte Fakten wurden negiert.

MedUni Wien: Mobbing heruntergespielt oder verschwiegen

Die Frage nach der Anzahl der bekanntgewordenen Mobbing-Fälle wird von der MedUni Wien ebenso wenig beantwortet wie jene, ob im Rahmen der Dienstaufsicht die Entwicklung der Anzahl der Mobbing-Fälle monitiert wird. 14 Mobbing-Beschwerden sollen jedenfalls seit 2004 an den Arbeitskreis für Gleichbehandlungsfragen gegangen sein und zwei an die Schiedskommission der MedUni Wien. Es gäbe drei laufende einschlägige Amtshaftungsklagen, weiters habe es seit 2004 30 arbeitsrechtliche Verfahren gegeben, zwölf habe die MedUni gewonnen, sechs dürfte sie verloren haben und in zwölf Fällen sei ein Vergleich geschlossen worden, wie in der parlamentarischen Anfragebeantwortung zu erfahren ist.

Zwei zugegebene Verfahren wegen Mobbing bzw. Diskriminierung

Abgesehen von den Amtshaftungsverfahren hätten zwei Verfahren Diskriminierung bzw. Mobbing betroffen: eine Klage wurde rechtskräftig abgewiesen, und im anderen Fall ein Vergleich geschlossen. Eine Analyse der Krankenstandsursachen sei in Wien aus “datenschutzrechtlichen” Gründen nicht möglich, Zahlen zu entsprechenden Frühpensionierungen wurden nicht bekannt gegeben.

Wenige Infos von der MedUni Graz

Laut Rektor der MedUni Graz seien zwölf Beschwerden wegen Diskriminierung (“ohne Zusammenhang mit Mobbing”) an die Schiedskommission eingebracht worden. In Graz würde eine Analyse der Ursachen von Krankenständen (in Hinblick auf Mobbing) durchgeführt. Es gäbe keine Frühpensionierung wegen eines durch Mobbing bedingten Leidens; psychische Fehlbelastungen würden evaluiert.

Selbstmorde an MedUni Innsbruck

Laut Rektorin der MedUni Innsbruck gäbe es zwei Fälle von Mobbing an Kliniken sowie fünf Beschwerden an die Schiedskommission. Auch drei Fälle von Selbstmord wurden in der Beantwortung angegeben (2 Ärzte, 1 nichtärztlich). Die MedUni Wien könne dazu aus „datenschutzrechtlichen Gründen“ keine Angabe machen; in Graz seien keine Selbstmordfälle bekannt.

Mobbing ist Tabuthema

An keiner MedUni wurde – laut Angaben der Rektoren – ein Disziplinarverfahren in Zusammenhang mit Mobbing-Verbot bei Beamten (§ 43a BDG) und der Diskriminierungsverbote (§ 7b Abs. 6 BEinstG u.a.) eingeleitet. „Das zeigt, dass es noch viel zu wenig Problembewusstsein gibt“, sagt Franz Karl Juraczka, Rechtsanwalt der IG Faire Medizin. Das Thema sei nach wie vor tabu. „Wir glauben, dass die Dunkelziffer weitaus höher ist. Wichtig wäre jedenfalls die Evaluierung der Krankenstände als Teil des Qualitätsmanagements“, ergänzt sein Anwaltskollege Christoph Gottesmann.

Anlaufstelle für Mobbing-Betroffene

Die Interessensgemeinschaft „Faire Medizin“ ist eine unabhängige, überparteiliche Plattform und setzt sich für einen fairen Umgang zwischen allen im Spital tätigen Berufsgruppen und für einen respektvollen Umgang mit PatientInnen ein. Tel. 0677/617 58 149, office@faire-medizin.at

Parlamentarische Anfrage:
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