ÄrztInnen für eine gesunde Umwelt und GLOBAL 2000 fordern Schutz vor EDC

Geleakte österreichische Position wirft Fragen auf. BM Rupprechter muss Umwelt und Gesundheit vor Wirtschaftsinteressen stellen.

Wien/Brüssel (OTS) - Am Mittwoch, den 21. September, steht im Brüsseler Ständigen Ausschuss für Pestizide ein umstrittener Entwurf der EU-Kommission für die Einstufung hormonschädigender Chemikalien (EDC, Endocrine Disrupting Chemicals) auf der Tagesordnung. Das große Ziel ist ein verbesserter Schutz der menschlichen Gesundheit und der Umwelt durch die Regulierung von Chemikalien, die den Hormonhaushalt von Mensch und Tier beeinträchtigen und dadurch Erkrankungen hervorrufen und zum Rückgang der Artenvielfalt beitragen. Im unmittelbaren Visier dieser Regulierung sind Pestizide und Biozide sowie mittelfristig Körperpflegeprodukte, Lebensmittelverpackungen, Textilien und andere Produkten des täglichen Gebrauchs.

Nach massiven Interventionen, unter anderem durch Chemiekonzerne wie BASF und Bayer sowie US-amerikanische Regulierungsbehörden, präsentierte die EU-Kommission im Juni 2016 einen Kriterienvorschlag, der das Ziel, die Gesundheit der Menschen und die Umwelt vor den Auswirkungen von EDC zu schützen, klar verfehlt (GLOBAL 2000 berichtete http://bit.ly/2cha2H6). Österreich reagierte auf den skandalösen Entwurf der EU-Kommission mit einer kritischen Stellungnahme, die von Umweltbundesamt und AGES ausgearbeitet worden war, und die Defizite des Kommissionsentwurfs punktgenau benannte:
http://www.umweltbundesamt.at/chemikalien/ed/

Doch nun liegt der österreichischen Umweltschutzorganisation GLOBAL 2000 ein geleaktes Dokument aus Brüssel vor, welches für sich in Anspruch nimmt, die „offizielle“ österreichische Position zu sein und die ursprüngliche kritische Position klar konterkariert. Dazu DI Dr. Helmut Burtscher, Umweltchemiker von GLOBAL 2000: „Die Stellungnahme von AGES und Umweltbundesamt identifiziert die entscheidenden Schlupflöcher im Kommissionsvorschlag und schlägt konkrete Verbesserungen vor. Dass diese Position nun durch ein österreichisches Loblied auf den Kommissionsvorschlag verdrängt wurde, ist beschämend und aufklärungsbedürftig. Der Schutz der Menschen vor lebensbedrohlichen Erkrankungen muss Vorrang haben vor den kurzfristigen ökonomischen Interessen der Chemieindustrie.“

Prof. Dr. Hans-Peter Hutter, Sprecher der ÄrztInnen für eine gesunde Umwelt, ergänzt: „Der unzureichende Schutz vor hormonschädigenden Chemikalien verursacht seriösen Schätzungen zufolge jährliche Gesundheitskosten in der EU zwischen 46 bis 288 Milliarden Euro pro Jahr.“ Eine effiziente Regulierung hingegen könnte den Anstieg hormon-assoziierter Erkrankungen wie Brust-, Prostata- und Hodenkrebs, Fruchtbarkeitsstörungen oder Diabetes eindämmen und langfristig sogar zu ihrem Rückgang führen.

Daher appellieren die ÄrztInnen für eine gesunde Umwelt gemeinsam mit GLOBAL 2000 an den zuständigen Landwirtschafts- und Umweltminister Andrä Rupprechter: Österreich möge in Brüssel die wissenschaftsbasierte Position der AGES und des Umweltbundesamts vertreten und gemeinsam mit Frankreich, Dänemark, Schweden und anderen vorsorgeorientierten Mitgliedsstaaten für eine effiziente Regulierung von EDC kämpfen. Der Schutz von Mensch und Umwelt hat Vorrang vor Industrie-Interessen!

Die geleakte Österreichische Position und andere Hintergrundinfos finden Sie hier: http://bit.ly/2cSmZLT

Rückfragen & Kontakt:

Prof. Dr. Hans-Peter Hutter, Sprecher der ÄrztInnen für eine gesunde Umwelt, 01 401 603 4930, hans-peter.hutter@meduniwien.ac.at
DI Dr. Helmut Burtscher, GLOBAL 2000 Umweltchemiker, 0699 14 2000 34, helmut.burtscher@global2000.at
Mag. Lydia Matzka-Saboi, GLOBAL 2000 Pressesprecherin, 0699 14 2000 26, presse@global2000.at

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