- 19.09.2016, 09:42:32
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ÄrztInnen für eine gesunde Umwelt und GLOBAL 2000 fordern Schutz vor EDC
Geleakte österreichische Position wirft Fragen auf. BM Rupprechter muss Umwelt und Gesundheit vor Wirtschaftsinteressen stellen.
Utl.: Geleakte österreichische Position wirft Fragen auf. BM
Rupprechter muss Umwelt und Gesundheit vor
Wirtschaftsinteressen stellen. =
Wien/Brüssel (OTS) - Am Mittwoch, den 21. September, steht im
Brüsseler Ständigen Ausschuss für Pestizide ein umstrittener Entwurf
der EU-Kommission für die Einstufung hormonschädigender Chemikalien
(EDC, Endocrine Disrupting Chemicals) auf der Tagesordnung. Das große
Ziel ist ein verbesserter Schutz der menschlichen Gesundheit und der
Umwelt durch die Regulierung von Chemikalien, die den Hormonhaushalt
von Mensch und Tier beeinträchtigen und dadurch Erkrankungen
hervorrufen und zum Rückgang der Artenvielfalt beitragen. Im
unmittelbaren Visier dieser Regulierung sind Pestizide und Biozide
sowie mittelfristig Körperpflegeprodukte, Lebensmittelverpackungen,
Textilien und andere Produkten des täglichen Gebrauchs.
Nach massiven Interventionen, unter anderem durch Chemiekonzerne wie
BASF und Bayer sowie US-amerikanische Regulierungsbehörden,
präsentierte die EU-Kommission im Juni 2016 einen Kriterienvorschlag,
der das Ziel, die Gesundheit der Menschen und die Umwelt vor den
Auswirkungen von EDC zu schützen, klar verfehlt (GLOBAL 2000
berichtete http://bit.ly/2cha2H6). Österreich reagierte auf den
skandalösen Entwurf der EU-Kommission mit einer kritischen
Stellungnahme, die von Umweltbundesamt und AGES ausgearbeitet worden
war, und die Defizite des Kommissionsentwurfs punktgenau benannte:
http://www.umweltbundesamt.at/chemikalien/ed/
Doch nun liegt der österreichischen Umweltschutzorganisation GLOBAL
2000 ein geleaktes Dokument aus Brüssel vor, welches für sich in
Anspruch nimmt, die „offizielle“ österreichische Position zu sein und
die ursprüngliche kritische Position klar konterkariert. Dazu DI Dr.
Helmut Burtscher, Umweltchemiker von GLOBAL 2000: „Die Stellungnahme
von AGES und Umweltbundesamt identifiziert die entscheidenden
Schlupflöcher im Kommissionsvorschlag und schlägt konkrete
Verbesserungen vor. Dass diese Position nun durch ein
österreichisches Loblied auf den Kommissionsvorschlag verdrängt
wurde, ist beschämend und aufklärungsbedürftig. Der Schutz der
Menschen vor lebensbedrohlichen Erkrankungen muss Vorrang haben vor
den kurzfristigen ökonomischen Interessen der Chemieindustrie.“
Prof. Dr. Hans-Peter Hutter, Sprecher der ÄrztInnen für eine gesunde
Umwelt, ergänzt: „Der unzureichende Schutz vor hormonschädigenden
Chemikalien verursacht seriösen Schätzungen zufolge jährliche
Gesundheitskosten in der EU zwischen 46 bis 288 Milliarden Euro pro
Jahr.“ Eine effiziente Regulierung hingegen könnte den Anstieg
hormon-assoziierter Erkrankungen wie Brust-, Prostata- und
Hodenkrebs, Fruchtbarkeitsstörungen oder Diabetes eindämmen und
langfristig sogar zu ihrem Rückgang führen.
Daher appellieren die ÄrztInnen für eine gesunde Umwelt gemeinsam mit
GLOBAL 2000 an den zuständigen Landwirtschafts- und Umweltminister
Andrä Rupprechter: Österreich möge in Brüssel die
wissenschaftsbasierte Position der AGES und des Umweltbundesamts
vertreten und gemeinsam mit Frankreich, Dänemark, Schweden und
anderen vorsorgeorientierten Mitgliedsstaaten für eine effiziente
Regulierung von EDC kämpfen. Der Schutz von Mensch und Umwelt hat
Vorrang vor Industrie-Interessen!
Die geleakte Österreichische Position und andere Hintergrundinfos
finden Sie hier: http://bit.ly/2cSmZLT
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