Ärztekammer: Kärnten gehen die Landärzte aus

Absageflut in Greifenburg für Ärztekammerpräsident Dr. Josef Huber Warnzeichen für Versorgungsengpass

Klagenfurt (OTS) - Alle 13 Ärztinnen und Ärzte, die in Greifenburg gereiht waren, haben die ausgeschriebene Kassenplanstelle nicht angenommen. Für den Präsidenten der Kärntner Ärztekammer Dr. Josef Huber ist dieser Fall einmal mehr ein deutlicher Hinweis auf einen Versorgungsengpass, der auf die Kärntner Landgemeinden zukommt. „Man fühlt sich wie ein einsamer Rufer in der Wüste. Seit Jahren warnt die Kärntner Ärztekammer davor, dass uns die Allgemeinmediziner ausgehen. Aber es scheint niemanden in der Politik zu interessieren“, stellt Dr. Huber fest.

Trotz deutlicher Fakten, wie z.B. das hohe Durchschnittsalter der Kärntner Ärzte für Allgemeinmedizin und die dramatisch sinkende Zahl nachfolgender Allgemeinmediziner, scheint für die Politik die Mangelsituation noch weit weg zu sein, Gegenmaßnahmen wurden bisher keine ergriffen. „Doch die Unterversorgung rückt immer näher. Greifenburg und Bad Eisenkappel sind erste Brennpunkte“, betont Dr. Huber.

Derzeit arbeiten 150 praktische Ärzte in Gemeinden bis zu 3.000 Einwohnern. Etwa die Hälfte erreicht in den nächsten 5 Jahren das Pensionsalter. „Für viele von ihnen wird man keine Nachfolger finden“, fürchtet Dr. Huber. Immer weniger Medizinabsolventen machen die Ausbildung zum Allgemeinmediziner. Es bleibe zu hoffen, dass Land und Sozialversicherung ihre Ankündigung einer Finanzierung der verpflichtenden Lehrpraxis bald in die Tat umsetzen, damit sich wieder mehr Jungärzte für die Ausbildung zum Arzt für Allgemeinmedizin entscheiden.

Für die Bevölkerung werden sonst erhebliche Probleme entstehen. „Wer wird die Menschen versorgen, zumal der Bedarf nach hausärztlicher Hilfe aufgrund der demographischen Entwicklung eher zu- als abnimmt?“, fragt Dr. Huber. 40 Jahre lang habe Herr Dr. Peter Unterkreuter seine Patienten in Greifenburg Tag und Nacht mit größtem Engagement betreut. Aber wenn er in den nächsten Monaten seinen wohl verdienten Ruhestand antrete, bleibe seine Praxis zu. „Dasselbe Szenario droht vielen Kärntner Gemeinden“, fürchtet Präs. Dr. Huber.

Seit Jahren habe man es verabsäumt, den Beruf des Landarztes attraktiver zu machen. Viele noch Aktive seien aufgrund der wachsenden Bürokratie und der leistungshemmenden Verrechnungsbeschränkungen frustriert. „Es gibt für sie keinen Anreiz, übers Pensionsalter hinaus zu arbeiten. Die Jungen haben angesichts dieser Bedingungen keine Motivation, eine Ordination am Land zu übernehmen“, beschreibt Dr. Huber die Situation.

Es ist höchst an der Zeit, Gegenmaßnahmen zu ergreifen:

„Ein Leistungs- und Tarifsystem, das die hohe Arbeitsbelastung entsprechend berücksichtigt, ist das Gebot der Stunde“, so Dr. Huber und er fordert auch die Beseitigung rechtlicher Hürden für Hausapotheken: Landärzte sollen das uneingeschränkte und zeitlich unbegrenzte Recht auf das Führen einer Hausapotheke haben.

Notwendig sind neue flexible Formen der ärztlichen Zusammenarbeit, die geregeltere Arbeitszeiten und damit eine bessere Vereinbarkeit von Familie und Beruf erlauben.

Die Finanzierung der Ausbildung von jungen Ärzten bei erfahrenen Allgemeinmedizinern (Lehrpraxis) muss endlich sichergestellt werden. „Die Probleme bei der hausärztlichen Versorgung müssen endlich zu einem Kernthema der Gesundheitspolitik werden“, fordert Präs. Dr. Josef Huber abschließend.

Rückfragen & Kontakt:

Ärztekammer für Kärnten - Präsidialbüro
Tel.: +43(0)463 5856 -13
praes@aekktn.at
www.aekktn.at
http://wirsindeswert.at

OTS-ORIGINALTEXT PRESSEAUSSENDUNG UNTER AUSSCHLIESSLICHER INHALTLICHER VERANTWORTUNG DES AUSSENDERS | AEK0001