• 16.09.2016, 10:56:32
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Ärztekammer: Kärnten gehen die Landärzte aus

Absageflut in Greifenburg für Ärztekammerpräsident Dr. Josef Huber Warnzeichen für Versorgungsengpass

Utl.: Absageflut in Greifenburg für Ärztekammerpräsident Dr. Josef
Huber Warnzeichen für Versorgungsengpass =

Klagenfurt (OTS) - Alle 13 Ärztinnen und Ärzte, die in Greifenburg
gereiht waren, haben die ausgeschriebene Kassenplanstelle nicht
angenommen. Für den Präsidenten der Kärntner Ärztekammer Dr. Josef
Huber ist dieser Fall einmal mehr ein deutlicher Hinweis auf einen
Versorgungsengpass, der auf die Kärntner Landgemeinden zukommt. „Man
fühlt sich wie ein einsamer Rufer in der Wüste. Seit Jahren warnt die
Kärntner Ärztekammer davor, dass uns die Allgemeinmediziner ausgehen.
Aber es scheint niemanden in der Politik zu interessieren“, stellt
Dr. Huber fest.

Trotz deutlicher Fakten, wie z.B. das hohe Durchschnittsalter der
Kärntner Ärzte für Allgemeinmedizin und die dramatisch sinkende Zahl
nachfolgender Allgemeinmediziner, scheint für die Politik die
Mangelsituation noch weit weg zu sein, Gegenmaßnahmen wurden bisher
keine ergriffen. „Doch die Unterversorgung rückt immer näher.
Greifenburg und Bad Eisenkappel sind erste Brennpunkte“, betont Dr.
Huber.

Derzeit arbeiten 150 praktische Ärzte in Gemeinden bis zu 3.000
Einwohnern. Etwa die Hälfte erreicht in den nächsten 5 Jahren das
Pensionsalter. „Für viele von ihnen wird man keine Nachfolger
finden“, fürchtet Dr. Huber. Immer weniger Medizinabsolventen machen
die Ausbildung zum Allgemeinmediziner. Es bleibe zu hoffen, dass Land
und Sozialversicherung ihre Ankündigung einer Finanzierung der
verpflichtenden Lehrpraxis bald in die Tat umsetzen, damit sich
wieder mehr Jungärzte für die Ausbildung zum Arzt für
Allgemeinmedizin entscheiden.

Für die Bevölkerung werden sonst erhebliche Probleme entstehen. „Wer
wird die Menschen versorgen, zumal der Bedarf nach hausärztlicher
Hilfe aufgrund der demographischen Entwicklung eher zu- als
abnimmt?“, fragt Dr. Huber. 40 Jahre lang habe Herr Dr. Peter
Unterkreuter seine Patienten in Greifenburg Tag und Nacht mit größtem
Engagement betreut. Aber wenn er in den nächsten Monaten seinen wohl
verdienten Ruhestand antrete, bleibe seine Praxis zu. „Dasselbe
Szenario droht vielen Kärntner Gemeinden“, fürchtet Präs. Dr. Huber.

Seit Jahren habe man es verabsäumt, den Beruf des Landarztes
attraktiver zu machen. Viele noch Aktive seien aufgrund der
wachsenden Bürokratie und der leistungshemmenden
Verrechnungsbeschränkungen frustriert. „Es gibt für sie keinen
Anreiz, übers Pensionsalter hinaus zu arbeiten. Die Jungen haben
angesichts dieser Bedingungen keine Motivation, eine Ordination am
Land zu übernehmen“, beschreibt Dr. Huber die Situation.

Es ist höchst an der Zeit, Gegenmaßnahmen zu ergreifen:

„Ein Leistungs- und Tarifsystem, das die hohe Arbeitsbelastung
entsprechend berücksichtigt, ist das Gebot der Stunde“, so Dr. Huber
und er fordert auch die Beseitigung rechtlicher Hürden für
Hausapotheken: Landärzte sollen das uneingeschränkte und zeitlich
unbegrenzte Recht auf das Führen einer Hausapotheke haben.

Notwendig sind neue flexible Formen der ärztlichen Zusammenarbeit,
die geregeltere Arbeitszeiten und damit eine bessere Vereinbarkeit
von Familie und Beruf erlauben.

Die Finanzierung der Ausbildung von jungen Ärzten bei erfahrenen
Allgemeinmedizinern (Lehrpraxis) muss endlich sichergestellt werden.
„Die Probleme bei der hausärztlichen Versorgung müssen endlich zu
einem Kernthema der Gesundheitspolitik werden“, fordert Präs. Dr.
Josef Huber abschließend.

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