• 15.09.2016, 12:02:41
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Neu! Besser! Billiger! Soziale Innovation als leeres Versprechen?

Heute erschienenes Buch setzt sich mit Bedeutung, Wirkung und Ideologie „sozialer Innovation“ auseinander.

Utl.: Heute erschienenes Buch setzt sich mit Bedeutung, Wirkung und
Ideologie „sozialer Innovation“ auseinander. =

Wien (OTS) - Alte Menschen pflegen, Flüchtlinge betreuen oder Kinder
unterrichten: „soziale Innovation“ ist mittlerweile unverzichtbar –
zumindest am Etikett. Der Begriff „soziale Innovation“ ist mit der
Finanzkrise auf der öffentlichen Bühne Europas erschienen. „Doch was
verbirgt sich hinter diesem Modewort?“, fragen Michaela Neumayr,
Assistenz-Professorin an der Wirtschaftsuniversität Wien, Ökonomin
Katharina Meichenitsch und Sozialexperte Martin Schenk in ihrem heute
erschienen Buch. Wer definiert „soziale Innovation“ im Bereich
sozialer Dienstleistungen, wer bringt sie hervor und wer profitiert
davon? Reformieren, retten, verbessern „soziale Innovationen“ den
Sozialstaat? Oder wird das Konzept verwendet, um die
Kommerzialisierung und Vermarktlichung von Pflege und Sozialarbeit
voranzutreiben?

„Die Konjunktur der sozialen Innovation ist ein Krisenphänomen“,
argumentieren die drei HerausgeberInnen des Buches. Ausgehend von der
Finanzkrise waren die sozialen Verwerfungen in Europa Wegbereiter für
den Höhenflug des Konzeptes. Die Idee, sozial zu sein, ohne
Verteilungs- und Machtfragen zu stellen, das Ansinnen, sozial zu
sein, ohne die Kürzungen des Sozialstaats stoppen zu müssen, das
Vorhaben, sozial zu sein, ohne Austerität in Frage zu stellen – all
das machte das Konzept attraktiv. Die Vagheit und Unbestimmtheit des
Begriffs ermöglicht gleichzeitig mit sozialer Tarnkappe in
Dienstleistungsbereiche vorzudringen, in denen Kommerzialisierung
bislang – aus guten Gründen – nicht Platz gegriffen hat.

Die insgesamt 20 AutorInnen aus Wissenschaft und Praxis machen auf
die verschwiegenen Probleme aufmerksam: Hinter der Verwendung des
Etiketts der sozialen Innovation verbirgt sich auch ein gerütteltes
Maß an Ideologie: Was unter der Fahne der „Innovation” segelt, bietet
bei näherer Betrachtung oft nichts Neues unter der Sonne.

„In diesem Neuigkeitswahn werden Gegenwartskrisen nicht aus
begangenen Irrtümern, Fehlentwicklungen oder Fehlentscheidungen
erklärt“, argumentiert in seinem Beitrag der Philosoph K.P.
Liessmann. „Krisen sind in einer solchen Lesart immer und
ausschließlich Resultate eines Neuigkeitsmankos.“ Es war zu wenig
Neu. Die Frage nach dem Neuen hat hier die alten Fragen nach der
Wirklichkeit und die Fragen nach dem guten Leben abgelöst. Was nicht
neu ist, oder nicht als neu präsentiert werden kann, hat keinen Wert
– und sei es auch noch so gut oder noch so funktional. „Für gute
soziale Dienstleistungen und den konkreten Menschen sollte aber
gelten: Es geht um das Bessere“, rufen Neumayr, Meichenitsch und
Schenk in Erinnerung.

„Verbessern soziale Leistungen durch ihren Gebrauch das Leben der
Menschen, so ist es unerheblich, ob diese im Nachhinein als innovativ
tituliert werden“, fassen die HerausgeberInnen zusammen. „Das Neue
allein ist jedenfalls nicht gut genug. Für Obdachlosenbetreuung,
Flüchtlingsarbeit, Pflege oder Bildung ist nicht das Neue, sondern
das Bessere entscheidend.“

Im Band gibt es Beiträge von: Jens Aderhold, Gudrun Bauer, Gotthard
Bechmann, Nikolaus Dimmel, Georg Feigl, Marcel Fink, August Gächter,
Franka Godina, Philipp Hammer, Karin Heitzmann, Konrad Paul
Liessmann, Michaela Moser, Andreas Novy, Astrid Pennerstorfer, Oliver
Prausmüller, Judith Pühringer, Martin Schenk, Alice Wagner, Thomas
Wagner und Carla Weinzierl.

Neu! Besser! Billiger! Soziale Innovation als leeres Versprechen?
http://www.mandelbaum.at/books/764/7685
Leseprobe und Editorial hier:
http://www.mandelbaum.at/documents/381444004.pdf

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