3. Viktor Frankl Weltkongress in Wien

Gesellschaftliche Verunsicherung, Sinnverlust und seelische Gesundheit - Die Herausforderung der Gegenwart

Wien (OTS) - Vom 22.-25. September 2016 findet an der Universität Wien der dritte Weltkongress des Viktor Frankl Instituts statt.

Rund 450 Forscher aus 35 Ländern, vorwiegend Psychologen und Psychiater, kommen auf dem Campus der Universität Wien zusammen, um die gesellschaftlichen und psychologischen Herausforderungen der Gegenwart zu diskutieren. Am Samstag, den 23.9., findet auf Einladung des Wiener Bürgermeisters, Dr. Michael Häupl, im Rahmen des Kongresses ein Empfang im Wiener Rathaus statt.

Zentrales Thema des diesjährigen Kongresses sind die psychologischen und sozialen Herausforderungen der Gegenwart, insbesondere des sich laut mehreren internationalen Studien zunehmend verbreitende und generationsübergreifende Gefühls der Verunsicherung, der Resignation und des Werteverlusts insbesondere angesichts sozialer Krisenbereiche.

Hierzu Univ.-Prof. Dr. Alexander Batthyany, Vorstand des Viktor Frankl Instituts und Organisator des Kongresses: „Psychiater und Psychologen beobachten weltweit ein Ausmaß an Entmutigung, Verzweiflung und unbestimmter Wut in der Bevölkerung, wie es zuletzt im Zuge der großen Krisen und Einbrüche des 20. Jahrhunderts beschrieben wurde. Die psychologischen und damit auch volkswirtschaftlichen Kosten dieser Entwicklung sind enorm. Denn zahlreiche Forschungsarbeiten bestätigen heute, was Viktor Frankl schon am Anfang des vergangenen Jahrhunderts vermutete: Sinn- und Wertkrisen haben nicht nur soziale, sondern auch gesundheitliche Auswirkungen, psychologisch und langfristig auch körperlich.“

Auf dem Kongress werden mehrere groß angelegte internationale Forschungsergebnisse u.a. aus den USA, Russland, Israel, Österreich, Deutschland, Finnland, Brasilien und Kolumbien vorgestellt, die einen starken Zusammenhang zwischen Sinngefühl und seelischer Gesundheit belegen. Diese Studien und Beobachtungen an mehreren tausend Patienten zeigen, dass die Anfälligkeit für seelische Krankheiten stark mit dem zugrundeliegenden Lebensgefühl zusammenhängt. Sie zeigen aber auch, dass eine sinnorientierte Neuausrichtung einen ausgeprägten positiven therapeutischen Effekt sowohl in der Vorbeugung als auch in der Behandlung psychischer Störungen hat."

Batthyany weiter: „Das Sprechen vom Werteverlust und der Verunsicherung wird schnell zum Schlagwort, wenn man es nicht mit konkreten Daten und auch therapeutischen Hilfsangeboten unterfüttert. Unser Kongress hat sich genau das zur Aufgabe gestellt: Konkrete Auswirkungen und ebenso konkrete Auswege zu diskutieren und Initiativen vorzustellen, die zeigen, dass und wie es auch anders geht. Während des Kongresses werden etwa einige äußerst erfolgreiche sinnorientierte Modellversuche in Europa und Lateinamerika vorgestellt, die einen signifikanten Rückgang von Depression, Aggression und Drogenmissbrauch durch kurze und gezielte Interventionsprogramme bewirken. In Kolumbien etwa ist einer dieser Modellversuche letzten Monat etwa als bestwirksames Präventionsprogramm des Landes prämiert worden. Die Tatsache, dass solche Initiativen so viel Gutes bewirken, ist natürlich auch ein Appell, noch viel mehr zu tun. Erst recht, wenn man sich das heutige psychologische Klima betrachtet.“

Batthyany: „Wir sehen eine interessante aktuelle Entwicklung. Die psychologischen Probleme der Wohlstandsgesellschaft haben sich in vielen Ländern innerhalb kurzer Zeit gewandelt: Wo wir noch vor wenigen Jahren ein Lebensgefühl der Resignation sahen, finden wir heute zusätzlich ein erstaunlich hohes Maß an Unmut, Unzufriedenheit und diffuser Ablehnung. Das sind alarmierende Zeichen – zumal, wenn sie so weitflächig in beinahe allen Gesellschaftsschichten, vor allem aber auch unter jungen Menschen auftreten. Das müssen wir ernstnehmen, denn hier geht es nicht mehr nur um die psychische Gesundheit des Einzelnen, sondern auch um das gesellschaftliche Klima im Allgemeinen.“

Batthyany weiter: „Schon Frankl sagte: Sowohl Resignation als auch Aggression hängen eng mit Verunsicherung und Sinndefizit zusammen. Sie sind Anzeichen einer tiefen Verunsicherung, eines wirklichen oder anscheinenden Werteverlusts der Gegenwart. In der Resignation etwa zieht sich der Mensch in die Unverbindlichkeit zurück – alles scheint ihm gleichgültig, nichts spricht ihn an. Alles ist provisorisch, beiläufig. Die Folge ist eine tiefe innere Leere und Unzufriedenheit.“

Frankl bezeichnete dieses Lebensgefühl als existentielles Vakuum – ein nagendes Gefühl der Entmutigung und Sinnlosigkeit. Und Frankl mahnte schon in der Mitte des vergangenen Jahrhunderts: In diese innere Leere wuchern schnell negative psychische und soziale Entwicklungen.

Batthyany dazu: „Psychologen stellen heute tatsächlich vermehrt eine in diesem Ausmaß neue soziale und psychologische Bewegung fest – Wut und Ablehnung als Lebenshaltung. Die Forschung zeigt: Davon versprechen sich Menschen eine Überwindung der eigenen Gleichgültigkeit. Und die Rechnung geht kurzfristig sogar auf: Sie fühlen sich vielleicht wieder stärker, wenn sie ihre Kräfte gegen etwas einsetzen. Es ist daher auch oft ziemlich beliebig, gegen was sich die Ablehnung richtet.

Hier sollte die Psychologie aber hellhörig werden. Denn gelingendes Leben hängt nicht so sehr davon ab, dass ich weiß, was und wen ich nicht will. Es hängt vielmehr davon ab, dass ich weiß, wozu ich gut bin – wo ich gebraucht werde, wo ich meinen persönlichen positiven und konstruktiven Beitrag leisten kann, wofür ich Verantwortung trage. Dass ich weiß, dass es gut ist, dass ich da bin. Nicht, weil ich gegen etwas bin, sondern, weil ich für etwas gut bin. Mit anderen Worten – wenn ich mir eines persönlichen Sinnaufrufs bewusst bin. Ist das einmal gegeben, setzen sich, wie wir heute wissen, eine ganze Reihe heilsamer Prozesse in Gang."

Wie vielfältig diese heilsamen Prozesse wirken, zeigt ein Querschnitt aus dem Kongressprogramm: Japanische Krebsforscher berichten während des Kongresses von einer groß angelegten Studie, der zufolge sich die Immunwerte im Rahmen einer sinnorientierten Beratung stark und nachhaltig verbessern. Andere zeigen einen signifikanten Rückgang von depressiven Erkrankungen in Folge von logotherapeutischen Gemeinschaftsprogrammen insbesondere in der Selbstmordberatung. Wieder andere Arbeiten belegen eine Entspannung sozialer Konflikte, bzw. eine gesteigerte konstruktive Konfliktfähigkeit im Zuge sinnorientierter Intervention. Insgesamt 70 Forschungsarbeiten werden vorgestellt.

Batthyany: "Sie alle sagen im Grunde eines: Das, was Viktor Frankl dem verunsicherten Menschen des vergangenen Jahrhunderts zu sagen hatte, ist nicht nur aktuell – es ist sogar aktueller denn je. Und es ist wirksam.“

Während des dreitägigen Kongresses diskutieren die 450 Wissenschaftler die vielfältigen Zusammenhänge zwischen Lebenshaltung, Sinngefühl, gesellschaftlicher Entwicklung und seelischer Gesundheit. Die Themen sind breit gefächert, das Grundthema: „Die Bedeutung des Sinnbewusstseins für Leben, Gesundheit und Gesellschaft“ zieht sich, ganz im Sinne des Lebenswerks des berühmten Namensgebers des Kongresses, wie ein roter Faden durch das ganze Programm. Der Kongress findet vom 22.-25. September 2016 im Hörsaalzentrum auf dem Campus der Universität Wien statt.

3. Viktor Frankl Kongress, Universität Wien

Datum: 23.9.2016, 09:00 - 22:00 Uhr

Ort:
Campus der Universität Wien
Spitalgasse 2, 1090 Wien

Url: www.viktorfrankl.info

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Univ.-Prof. Dr. Alexander Batthyany
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