• 13.09.2016, 09:16:23
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Dolmetschen im Asylbereich: Lösungsansätze für komplexe Situation

Berufsverband für Dolmetschen und Übersetzen zur Aufhebung von Einreiseverweigerungen durch das Landesverwaltungsgericht Steiermark

Utl.: Berufsverband für Dolmetschen und Übersetzen zur Aufhebung von
Einreiseverweigerungen durch das Landesverwaltungsgericht
Steiermark =

Wien (OTS) - Das Landesverwaltungsgericht Steiermark hat vergangenen
Freitag mehrere Einreiseverweigerungen für Flüchtlinge in Spielfeld
für rechtswidrig erklärt. Als Grund werden „nicht immer geeignete“
Dolmetschungen, durchgeführt von LaiendolmetscherInnen, angeführt.
UNIVERSITAS Austria, der Berufsverband für Dolmetschen und
Übersetzen, beobachtet diese Entwicklung seit langem und versucht in
Zusammenarbeit mit Universitäten und dem UNHCR mittelfristig Abhilfe
zu schaffen. „Beim Thema Dolmetschen im Asylbereich handelt es sich
um eine komplexe Situation, bei der vorsichtig differenziert werden
muss“, so Alexandra Jantscher-Karlhuber, die Präsidentin des
Verbandes. Die Rahmenbedingungen im Asylbereich sind aufgrund der
Bedarfssituation derzeit besonders heikel (Stichwort: enormer
Dolmetschbedarf in den unterschiedlichsten, bei uns nicht gängigen
Sprachen) und erfordern damit eine sorgfältige Auswahl der zum
Einsatz kommenden DolmetscherInnen.

Zur Erläuterung: Es gibt in Österreich nur eine einzige Möglichkeit,
ein vollwertiges Dolmetschstudium mit Arabisch zu betreiben, wobei
die Mindeststudienzeit für den Masterabschluss 10 Semester beträgt.
Andere seit letztem Herbst dringend benötigte Sprachen wie etwa Dari
werden in Österreich von professionell ausgebildeten DolmetscherInnen
so gut wie nicht angeboten. Während es begrüßenswert ist, dass seit
Beginn der Flüchtlingskrise tausende Sprachkundige wertvolle Hilfe
anboten, kann gut gemeint oft das Gegenteil von gut sein, wie die
Entscheidung des Landesverwaltungsgerichts Steiermark eindrucksvoll
zeigt. „Es ist klar, dass hochqualifizierte DolmetscherInnen für bis
dato in Österreich wenig nachgefragte Sprachen nicht von heute auf
morgen universitär ausgebildet werden können“, erklärt Florika
Griessner, die stellvertretende Leiterin des Instituts für
Translationswissenschaft der Universität Graz. Besonders bedauerlich
ist, dass die sprachliche Not der Flüchtlinge findige Vermittler auf
den Plan ruft, die Sprachkundige als „LaiendolmetscherInnen“
rekrutieren, diese Dolmetschsituationen aussetzen, die sie gar nicht
bewältigen können und damit die Branche insgesamt diskreditieren.

Teilweise Abhilfe schaffen Qualifizierungsprogramme, die derzeit in
Graz, Innsbruck, Wels und Wien angeboten werden. Das Zielpublikum
sind jene Sprachkundigen, deren Leistungen dringend gebraucht werden
und die durch ein Mindestmaß an Qualifizierung dabei unterstützt
werden, ihre Aufgabe professioneller zu bewältigen. „Unser Fazit: Die
viel zitierten ‚LaiendolmetscherInnen‘ sind oft schlicht hilfsbereite
Menschen, die mehr oder weniger gute Sprachkenntnisse haben. Es wird
nicht unterschieden zwischen den Einsatzbereichen, also z.B. der
Dolmetschung eines existenziell folgenreichen Erstaufnahmegesprächs
einerseits und der Weitergabe von Informationen über
Weiterreisemöglichkeiten etc. andererseits (gerade so, als ob wir
alle weitreichend einsetzbare LaienmedizinerInnen wären, nur weil wir
unseren Kindern blutende Schürfwunden verbinden und ihnen einen
Hustentee zubereiten). Gerade im juristischen Bereich stoßen
Helferinnen und Helfer rasch an ihre Grenzen und sollten diese im
Sinne dessen, was auf dem Spiel steht, auch kennen und anerkennen“,
fasst Präsidentin Jantscher-Karlhuber zusammen.

„Insgesamt zeigt die aktuelle Situation auch einen der großen
Nachteile eines freien Gewerbes auf, das grundsätzlich so gut wie
allen ohne Qualifizierungsnachweis offensteht. Ohne Berufsschutz
können wir nur immer wieder auf Missstände hinweisen und versuchen,
uns als professionell agierende TranslatorInnen durch besondere
Qualitätsmerkmale abzuheben“, erklärt die Präsidentin. Eine Ausnahme
sind lediglich allgemein beeidete und gerichtlich zertifizierte
DolmetscherInnen, die zusätzlich zu ihrer (zumeist) akademischen
Ausbildung eine rigorose Prüfung absolvieren und dadurch einen
Berufsschutz genießen. „Aber auch hier gibt es für die Weltsprache
Arabisch in ganz Österreich nur 15 Personen und für Dari eine.“

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