- 12.09.2016, 12:28:22
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Internet und NGOs
Beim ISA 2016 des Providerverbands ISPA diskutierten Expertinnen und Experten nichtstaatlicher Organisationen über die Auswirkungen der Digitalisierung auf ihre Arbeit.

Utl.: Beim ISA 2016 des Providerverbands ISPA diskutierten
Expertinnen und Experten nichtstaatlicher Organisationen über
die Auswirkungen der Digitalisierung auf ihre Arbeit. =
Währinger Straße 3/18, 1090 Wien (OTS) - Seit über zehn Jahren lädt
die ISPA im September zum Internet Summit Austria, der sich als
zentrales Forum der Internet-Community und der digitalen Wirtschaft
in Österreich und über die Grenzen hinaus etabliert hat. Ziel der
Veranstaltung ist es, dem Spannungsverhältnis zwischen den Interessen
von Privatpersonen, Wirtschaft und Politik auf den Grund zu gehen und
über mögliche Zukunftsszenarien zu diskutieren. Der diesjährige
Summit am 8. September im Kuppelsaal der TU Wien war ganz dem
Zusammenspiel zwischen NGOs und Internet gewidmet.
Eröffnung durch Staatssekretärin Muna Duzdar
Nach der Begrüßung durch ISPA Präsident Andreas Koman, der auf die
rasante Entwicklung des Internets, aber auch darauf, dass noch immer
50% der Weltbevölkerung offline sind, hinwies, hob Staatssekretärin
Muna Duzdar in ihrer Eröffnungsrede die positiven Auswirkungen und
die Chancen der Digitalisierung hervor: „Das Internet hat auch die
Welt der NGOs verändert. Durch die zunehmende Digitalisierung der
Gesellschaft bietet sich für NGOs eine Vielzahl von – kostengünstigen
- Möglichkeiten. Inhalte können besser und zielgerichteter
vermittelt, besser vernetzt werden und Meinungsbildung kann einfacher
gelingen.“ Die Staatssekretärin erinnerte sich an den vergangenen
September, als sie am Westbahnhof die Bedeutung digitaler Medien zum
Austausch und zur Vernetzung mit eigenen Augen erfahren durfte. „Mit
Hilfe der NGOs kann die Partizipation der Bevölkerung verbessert
werden. Damit die Digitalisierung und auch die neuen
Partizipationsmöglichkeiten von möglichst allen genutzt werden
können, muss die Politik gemeinsam mit den NGOs daran arbeiten,
digitale Bildung zu stärken und die digitale Kluft, die auch in
Österreich noch besteht, zu schließen“, zeigte Duzdar die Bereiche
auf, in denen Handlungsbedarf bestehe.
Rückblick auf 25 Jahre Internet und NGOs
Mit seiner Keynote „Humanitäre Hilfe vom Laptop - Gefahren und
Chancen der Digitalisierung und Vernetzung“ spannte Kilian
Kleinschmidt von Switxboard einen Bogen von vor 20 Jahren bis heute.
Die Arbeit habe sich stark verändert in dieser Zeit. So seien die
Mitarbeiter früher kommunikationstechnisch oft wochenlang von ihren
Vorgesetzten abgeschnitten gewesen und mussten daher selbst
Entscheidungen treffen. Heute wäre dies durch die neuen
Kommunikationsmöglichkeiten nicht mehr notwendig und die Aufgaben
bestünden zu einem großen Teil aus Sammeln und Bearbeiten von Daten
und ähnlichem. Auch wenn Kleinschmidt die Digitalisierung teilweise
durchaus kritisch betrachtete, wies er auch auf die Chancen hin.
„Eine App hat noch kein Leben gerettet, aber intelligente Vernetzung
kann die Welt gerechter machen“, brachte er seine Sichtweise auf den
Punkt.
In der anschließenden Podiumsdiskussion, moderiert von Franz Zeller
von Ö1, sprachen - neben Kleinschmidt - Thomas Gradel von
Transparency International, Rubina Möhring von Reporter ohne Grenzen
Thomas Rubatscher von SOS Kinderdorf International und Mario Thaler
von Ärzte ohne Grenzen über ihre Erfahrungen mit der Digitalisierung
und erläuterten wie ihre Organisationen die neuen Technologien
einsetzen und mit ihnen umgehen. Für Möhring ist die
Internetkommunikation durchaus vergleichbar mit der Gutenbergschen
Kommunikationsrevolution. „Mehr noch: Sie sprengt in weitaus größerem
Ausmaß den bisherigen Rahmen und erfordert angesichts ihrer
Strukturen eine neue Form medialer Ethik", weist sie auch auf
Herausforderungen hin. Auf die Arbeit von Ärzte ohne Grenzen haben
Internet und Social Media laut Thaler enorme Auswirkungen: „Die
beiden wichtigsten für uns als humanitäre Hilfsorganisation sind
einerseits die Möglichkeit der verstärkten Transparenz dem Spender
aber vor allem auch unseren Patienten gegenüber, andererseits
ermöglichen die neuen Kanäle ein um ein Vielfaches besseres und
effektiveres Arbeiten in manchen der schwierigsten Gebiete dieser
Welt, wie beispielsweise in Syrien." Thomas Gradel geht auf die
möglichen Zeit- und Kosteneinsparungen ein, die sich aus seiner Sicht
allerdings nicht automatisch durch die Digitalisierung einstellen.
„Die Nutzung des Internets und entsprechender Tools ist kein
Selbstzweck – diese stellen lediglich Instrumente dar, deren
effektive und effiziente Verwendung ebenso erlernt und erprobt werden
muss wie jene traditioneller Kommunikationskanäle“, so der Vertreter
von Transparency International. Thomas Rubatscher sieht unter anderem
durch die zusätzlichen Fundraising- oder auch Bildungs- und
Erziehungsmöglichkeiten sehr positive Aspekte. „Wenn es das Internet
nicht gäbe, dann hätten es wir NGOs erfinden müssen“, outete er sich
als richtiger Digitalisierungs-Fan. Auch Kleinschmidt merkte an, dass
Vernetzung die einzige Möglichkeit für das Überleben der Menschheit
sei, kritisierte aber, dass Apps – z. B. bei der Flüchtlingswelle –
wenig geändert hätten, weil die damit gelieferten Lösungen oftmals am
Bedarf vorbeigingen.
Digitale Zukunft der NGOs
Den zweiten Teil der Veranstaltung leitete Carolin Silbernagl von
betterplace lab mit ihrer Keynote „Gestalten statt hinterher rennen:
NGOs und die digitale Transformation“ ein. Dabei zeigte sie – anhand
von Beispielen wie „Alle Lieben Schmidt – Brunos ALS Challenge“
(http://alleliebenschmidt.de) oder „acre Africa“
(http://acreafrica.com) – die Chance der Vielen, die Chance der Daten
und die Chance der sozial-digitalen Innovation auf. Sie forderte aber
auch eine Veränderung der Zivilgesellschaft weg vom Konsument hin zum
Akteur. „NGOs und die Zivilgesellschaft als Ganzes haben ihre
Gestaltungsmöglichkeiten und ihre Gestaltungsverantwortung in der
digitalen Transformation noch nicht voll angenommen. Ob Big Data,
Interaktion in der Breite oder die Entwicklung von technologischen
Lösungen für soziale Probleme: NGOs können und sollen Vordenker und
Vorreiter für eine gemeinwohlorientierte digitale Gesellschaft sein“,
so Silbernagl.
Im Anschluss diskutierten - wieder moderiert von Franz Zeller und mit
reger Publikumsbeteiligung - Helmut Berg von Oikocredit, Helge
Fahrnberger von Laafi, Claudia Garád von Wikimedia Österreich und
Silbernagl über die Möglichkeiten, aber auch die Herausforderungen,
die in puncto Digitalisierung auf die NGOs zukommen. So sieht Claudia
Garád einen zentralen Punkt in der aktiven Einbringung, speziell im
Bereich der Grundrechte. „Digitale Bürgerrechte gehen uns alle an -
wenn wir das Internet als ernstzunehmendes Wissensmedium erhalten
wollen, müssen wir es entsprechend mitgestalten.
Zivilgesellschaftliche Institutionen spielen dabei eine wichtige
Rolle“, deutete sie die Mitverantwortung der Organisationen an. Die
Grundgedanken von Helmut Berg rankten sich um die Thematik Inklusion,
die durch die einkommensgenerierenden Anschubfinanzierungen seiner
Entwicklungsgenossenschaft stark gefördert wird. „Oikocredit bietet
nicht nur Inclusive Finance für Menschen, die am Rande der
Gesellschaft stehen, sondern erreicht damit auch soziale Inklusion.
Das Internet und digitale Innovationen tragen in den sogenannten
Entwicklungsländern viel zur Ermöglichung dieser Inklusion bei“,
verweist Berg darauf, dass Menschen dadurch besseren Zugang zu
Information, Kommunikation, Bildung, Zahlungsverkehr und vieles mehr
haben. Helge Fahrnberger erinnerte sich an früher, wo sie einmal im
Jahr nach Burkina Faso reisten, um die Fortschritte bei ihren
Projekten zu überprüfen, dazwischen bestand keinerlei Kontakt. „Heute
stehen wir über das Internet in ständigem Kontakt, und das obwohl
sich diese Projekte in abgelegenen Regionen ohne Stromanschluss
befinden. Projektpartner gehen über Handys oder Internetcafés in
Regionalstädten online. Die Arbeit hat sich dadurch massiv
beschleunigt und professionalisiert. Auch das Fundraising in
Österreich hat sich durch das Internet in den letzten Jahren komplett
gewandelt“, beschreibt Fahrnberger die Auswirkungen der
Digitalisierung auf die Arbeit von Laafi. Die derzeitige Dominanz
einiger weniger Konzerne im digitalen Bereich sieht Carolin
Silbernagl recht gelassen und erwartet in Zukunft deutlich mehr
Wettbewerb. Sie erinnerte daran, dass bei neuen Technologien am
Anfang immer eine starke Tendenz zum Monopol bestanden hätte und sich
schon bei der Eisenbahn oder beim Fernsehen im ersten Schritt einige
wenige Pioniere durchgesetzt hätten.
Zum Ausklang der Veranstaltung nutzten die rund 150 Gäste noch die
Möglichkeit, im lockeren Rahmen mit den Vortragenden und
Podiumsgästen weiter zu diskutieren.
Weitere Bilder unter:
http://www.apa-fotoservice.at/galerie/8148
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