• 07.09.2016, 09:52:37
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AK-Niederösterreich Schulkostenstudie: Eltern geben 783 Euro pro Schulkind und Jahr aus

Gerade WenigverdienerInnen im Nachteil - AK-Präsident Markus Wieser fordert Reallohnsteigerungen und 1.700 Euro Mindestlohn

Utl.: Gerade WenigverdienerInnen im Nachteil - AK-Präsident Markus
Wieser fordert Reallohnsteigerungen und 1.700 Euro Mindestlohn =

St. Pölten (OTS) - Ob Füllfeder, Turnschuhe, Computer, Schikurs oder
Nachhilfe. Der finanzielle Aufwand für schulbedingte Ausgaben ist
enorm. In einer einjährigen Langzeitstudie hat die AK
Niederösterreich errechnet, dass die Eltern in NÖ im Schnitt 783 Euro
pro Schulkind und Jahr ausgeben, allfällige Kosten für
Nachmittagsbetreuung oder Hort noch nicht mitgerechnet. In Summe
geben die Eltern in Niederösterreich jährlich 139 Mio. Euro für den
Schulbesuch ihrer Kinder aus. „84 Prozent der Haushalte fühlen sich
durch die anfallenden Schulkosten belastet. Besonders Geringverdiener
sind benachteiligt“, so AK Niederösterreich-Präsident und ÖGB
NÖ-Vorsitzender Markus Wieser, der deutliche Reallohnsteigerungen
fordert.

Pro Haushalt mit Schulkindern belaufen sich die durchschnittlichen
Schulkosten auf 1.288 Euro. Insgesamt 399 Familien mit 671 Kindern
haben an der Schulkostenstudie teilgenommen und regelmäßig ihre
Ausgaben für den Schulbesuch erfasst.

Schikurs und Co kosten am meisten
Besonders die Kosten für mehrtägige Schulveranstaltungen fallen bei
der finanziellen Belastung der Familien ins Gewicht: 234 Euro werden
dafür im Schnitt pro Schuljahr von den Eltern pro Kind ausgegeben. An
zweiter Stelle folgen Beiträge und Selbstbehalte mit 107 Euro,
gefolgt von allgemeinen Schreibwaren und Materialien mit 100 Euro.
Kosten für die Nachhilfe schlagen mit 67 Euro pro Schulkind und Jahr
zu Buche, wobei ein Teil der Nachhilfe-Ausgaben im Sommer gar nicht
erfasst werden konnte.

Teure AHS
Die Belastung der Familien ist umso stärker, je „höher“ die Schule
ist. Für jedes Kind in der Volksschule fallen im Laufe eines
Schuljahres im Schnitt 442 Euro an schulbedingten Kosten an. Die
größten Ausgaben betreffen hier mit 112 Euro die Schreibwaren und
Schulmaterialien und mit 96 Euro Beiträge und Selbstbehalte (wie z.B.
den Selbstbehalt zur Schülerfreifahrt, Milch-/Kakaogeld etc.).
Besucht ein Kind eine Neue Mittelschule oder die AHS-Unterstufe,
liegen die Kosten praktisch gleichauf: 825 bzw. 824 Euro. In diesen
Schulformen sind die Kosten für mehrtägige Schulveranstaltungen mit
knapp 300 Euro pro Jahr und Kind (298 bzw. 291 Euro) an erster
Stelle. Mit Abstand am teuersten kommt der Besuch von AHS-Oberstufe
bzw. berufsbildenden mittleren oder höheren Schule: 1.237 bzw. 1.161
Euro kostet den Eltern der Besuch pro Kind und Schuljahr. Die Kosten
für mehrtägige Schulveranstaltungen kommen hier insbesondere den
Eltern von AHS-Oberstufen mit 515 Euro teuer (352 Euro für die BMHS).

Belastung durch schulbedingte Kosten hoch
Die Eltern wurden auch nach ihrer Einschätzung bezüglich der
finanziellen Belastung durch die Schulkosten befragt. Wenig
überraschend: 84 Prozent der nö. Haushalte fühlen sich durch die
anfallenden Schulkosten belastet, ein Drittel sogar stark. Auch hier
zeigen sich klare Unterschiede nach Haushaltseinkommen und sozialen
Kriterien: AlleinerzieherInnen-Haushalte und Familien aus unteren
Schichten bzw. mit niedrigem Einkommen spüren die Kostenbelastung
durch den Schulbesuch ihrer Kinder weitaus stärker als der
Durchschnitt.

Ztl.: Schulkosten als sozial selektiver Faktor im Schulsystem
Besonderes Augenmerk wurde bei der Studie auf die sozialen
Auswirkungen von Schulkosten gelegt. Schon bei der Schulwahl selbst
spielt der finanzielle Background der Eltern eine Rolle: „4,4 Prozent
der Familien geben an, dass eines oder mehrerer ihrer Kinder aus
finanziellen Gründen nicht die eigentlich gewünschte schulische
Ausbildung ergreifen konnte. Auf Niederösterreich hochgerechnet sind
das etwa 5.000 SchülerInnen bzw. im Schnitt ein Kind pro Klasse“, so
AK Niederösterreich-Bildungsexperte Günter Kastner. „Auch bei der
Leistbarkeit von Extras in der Schule wie etwa der Teilnahme an
schulischen Aktivitäten haben wir eine Schieflage. Wir stellen fest,
dass bei Haushalten mit niedrigem Einkommen Nachhilfe, die Teilnahme
an schulischen Aktivitäten und EDV-Anschaffungen wie Tablets oder
Computer deutlich seltener möglich sind.“

AK-Präsident Wieser für Reallohnsteigerungen und 1.700 Euro
Mindestlohn
„Bei diesen Ergebnissen ist klar, dass die versteckten Schulkosten
soziale und wirtschaftliche Auswirkungen haben. Wenn junge Menschen
aus finanziellen Gründen an der Entfaltung ihrer Stärken und
Potentiale gehindert werden, dann schadet das nicht nur der
Bildungslaufbahn dieser Jugendlichen, sondern auch dem
Wirtschaftsstandort“, so AK Niederösterreich-Präsident und ÖGB
NÖ-Vorsitzender Markus Wieser. „Es braucht daher deutliche
Reallohnsteigerungen und es darf keinen Kollektivvertrag unter 1.700
Euro Mindestlohn geben", fordert Wieser.

Ganztagsschule soll kostenlos sein
Damit die Schule billiger wird, verlangt die Arbeiterkammer ein
Schulkostenmonitoring, durch das die Ausgaben der Eltern systematisch
beleuchtet und gesenkt werden können. Die Schulbeihilfen gehören
längst wieder erhöht, der Besuch von Ganztagsschulen soll für die
Kinder kostenlos sein. Mit einer Schulfinanzierung nach dem
Chancen-Index sollen unterschiedliche familiäre Voraussetzungen der
Schulkinder ausgeglichen werden: Ein Schulstandort soll umso mehr
Budget zur Förderung der Kinder bekommen, je „niedriger“ der
Bildungshintergrund der Eltern der SchülerInnen ist.

Rückfragehinweis:
AK Niederösterreich
Günter Kastner
Tel. 05 7171 - 24035
Die Studie zum Download finden Sie unter:
https://noe.arbeiterkammer.at/service/zeitschriftenundstudien/bildung
/Schulkostenstudie_2016.html

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