AK-Niederösterreich Schulkostenstudie: Eltern geben 783 Euro pro Schulkind und Jahr aus

Gerade WenigverdienerInnen im Nachteil - AK-Präsident Markus Wieser fordert Reallohnsteigerungen und 1.700 Euro Mindestlohn

St. Pölten (OTS) - Ob Füllfeder, Turnschuhe, Computer, Schikurs oder Nachhilfe. Der finanzielle Aufwand für schulbedingte Ausgaben ist enorm. In einer einjährigen Langzeitstudie hat die AK Niederösterreich errechnet, dass die Eltern in NÖ im Schnitt 783 Euro pro Schulkind und Jahr ausgeben, allfällige Kosten für Nachmittagsbetreuung oder Hort noch nicht mitgerechnet. In Summe geben die Eltern in Niederösterreich jährlich 139 Mio. Euro für den Schulbesuch ihrer Kinder aus. „84 Prozent der Haushalte fühlen sich durch die anfallenden Schulkosten belastet. Besonders Geringverdiener sind benachteiligt“, so AK Niederösterreich-Präsident und ÖGB NÖ-Vorsitzender Markus Wieser, der deutliche Reallohnsteigerungen fordert.

Pro Haushalt mit Schulkindern belaufen sich die durchschnittlichen Schulkosten auf 1.288 Euro. Insgesamt 399 Familien mit 671 Kindern haben an der Schulkostenstudie teilgenommen und regelmäßig ihre Ausgaben für den Schulbesuch erfasst.

Schikurs und Co kosten am meisten Besonders die Kosten für mehrtägige Schulveranstaltungen fallen bei der finanziellen Belastung der Familien ins Gewicht: 234 Euro werden dafür im Schnitt pro Schuljahr von den Eltern pro Kind ausgegeben. An zweiter Stelle folgen Beiträge und Selbstbehalte mit 107 Euro, gefolgt von allgemeinen Schreibwaren und Materialien mit 100 Euro. Kosten für die Nachhilfe schlagen mit 67 Euro pro Schulkind und Jahr zu Buche, wobei ein Teil der Nachhilfe-Ausgaben im Sommer gar nicht erfasst werden konnte.

Teure AHS Die Belastung der Familien ist umso stärker, je „höher“ die Schule ist. Für jedes Kind in der Volksschule fallen im Laufe eines Schuljahres im Schnitt 442 Euro an schulbedingten Kosten an. Die größten Ausgaben betreffen hier mit 112 Euro die Schreibwaren und Schulmaterialien und mit 96 Euro Beiträge und Selbstbehalte (wie z.B. den Selbstbehalt zur Schülerfreifahrt, Milch-/Kakaogeld etc.). Besucht ein Kind eine Neue Mittelschule oder die AHS-Unterstufe, liegen die Kosten praktisch gleichauf: 825 bzw. 824 Euro. In diesen Schulformen sind die Kosten für mehrtägige Schulveranstaltungen mit knapp 300 Euro pro Jahr und Kind (298 bzw. 291 Euro) an erster Stelle. Mit Abstand am teuersten kommt der Besuch von AHS-Oberstufe bzw. berufsbildenden mittleren oder höheren Schule: 1.237 bzw. 1.161 Euro kostet den Eltern der Besuch pro Kind und Schuljahr. Die Kosten für mehrtägige Schulveranstaltungen kommen hier insbesondere den Eltern von AHS-Oberstufen mit 515 Euro teuer (352 Euro für die BMHS).

Belastung durch schulbedingte Kosten hoch Die Eltern wurden auch nach ihrer Einschätzung bezüglich der finanziellen Belastung durch die Schulkosten befragt. Wenig überraschend: 84 Prozent der nö. Haushalte fühlen sich durch die anfallenden Schulkosten belastet, ein Drittel sogar stark. Auch hier zeigen sich klare Unterschiede nach Haushaltseinkommen und sozialen Kriterien: AlleinerzieherInnen-Haushalte und Familien aus unteren Schichten bzw. mit niedrigem Einkommen spüren die Kostenbelastung durch den Schulbesuch ihrer Kinder weitaus stärker als der Durchschnitt.

Ztl.: Schulkosten als sozial selektiver Faktor im Schulsystem Besonderes Augenmerk wurde bei der Studie auf die sozialen Auswirkungen von Schulkosten gelegt. Schon bei der Schulwahl selbst spielt der finanzielle Background der Eltern eine Rolle: „4,4 Prozent der Familien geben an, dass eines oder mehrerer ihrer Kinder aus finanziellen Gründen nicht die eigentlich gewünschte schulische Ausbildung ergreifen konnte. Auf Niederösterreich hochgerechnet sind das etwa 5.000 SchülerInnen bzw. im Schnitt ein Kind pro Klasse“, so AK Niederösterreich-Bildungsexperte Günter Kastner. „Auch bei der Leistbarkeit von Extras in der Schule wie etwa der Teilnahme an schulischen Aktivitäten haben wir eine Schieflage. Wir stellen fest, dass bei Haushalten mit niedrigem Einkommen Nachhilfe, die Teilnahme an schulischen Aktivitäten und EDV-Anschaffungen wie Tablets oder Computer deutlich seltener möglich sind.“

AK-Präsident Wieser für Reallohnsteigerungen und 1.700 Euro Mindestlohn „Bei diesen Ergebnissen ist klar, dass die versteckten Schulkosten soziale und wirtschaftliche Auswirkungen haben. Wenn junge Menschen aus finanziellen Gründen an der Entfaltung ihrer Stärken und Potentiale gehindert werden, dann schadet das nicht nur der Bildungslaufbahn dieser Jugendlichen, sondern auch dem Wirtschaftsstandort“, so AK Niederösterreich-Präsident und ÖGB NÖ-Vorsitzender Markus Wieser. „Es braucht daher deutliche Reallohnsteigerungen und es darf keinen Kollektivvertrag unter 1.700 Euro Mindestlohn geben", fordert Wieser.

Ganztagsschule soll kostenlos sein Damit die Schule billiger wird, verlangt die Arbeiterkammer ein Schulkostenmonitoring, durch das die Ausgaben der Eltern systematisch beleuchtet und gesenkt werden können. Die Schulbeihilfen gehören längst wieder erhöht, der Besuch von Ganztagsschulen soll für die Kinder kostenlos sein. Mit einer Schulfinanzierung nach dem Chancen-Index sollen unterschiedliche familiäre Voraussetzungen der Schulkinder ausgeglichen werden: Ein Schulstandort soll umso mehr Budget zur Förderung der Kinder bekommen, je „niedriger“ der Bildungshintergrund der Eltern der SchülerInnen ist.

Rückfragehinweis:
AK Niederösterreich
Günter Kastner
Tel. 05 7171 - 24035
Die Studie zum Download finden Sie unter:
https://noe.arbeiterkammer.at/service/zeitschriftenundstudien/bildung
/Schulkostenstudie_2016.html

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