Interdisziplinäre Versorgung chronischer Erkrankungen im primärmedizinischen Sektor

Diskussion im Rahmen eines Gipfelgesprächs der PERI Group und AM Plus in Alpbach

Wien/Alpbach (OTS) - Im heutigen Gesundheitssystem ist die interdisziplinäre primäre Versorgung von chronischen Erkrankungen essenziell. Um die bestmögliche Versorgung für Betroffene zu gewährleisten, ist eine enge Kooperation der Allgemeinmedizin mit allen Gesundheitsberufen notwendig. AM PLUS, Initiative für Allgemeinmedizin und Gesundheit, engagiert sich bereits seit Jahren für die Verbesserung der integrierten primärmedizinischen Versorgung. Die Umsetzung des gesundheitspolitischen Konzepts „Das Team rund um den Hausarzt“ ist aus Sicht von AM Plus ins Stocken geraten und durch unterschiedliche Eigeninteressen gehemmt. AM Plus will hier nun die Konzentration auf die alltägliche Praxis legen und bei der Umsetzung des PHC-Modells wieder einen Schritt weiterkommen. Im Fokus des 25. Gipfelgesprächs der PERI Group auf der Alten Schafalm in Alpbach im August 2016 stand die bestmögliche Versorgung der Erkrankungen Diabetes und familiäre Hypercholesterinämie (FH).

Zentrale Fragestellung der Expertenrunde war die Verbesserung der Zusammenarbeit der Allgemeinmedizin mit allen relevanten Gesundheitsberufen des Primärversorgungssektors in der Praxis. AM Plus-Präsident Dr. Erwin Rebhandl erklärt: „Wir beschäftigen uns mit der Verbesserung der primärmedizinischen Versorgung und der Vernetzung der Gesundheitsberufe in Österreich. Um chronisch Kranken die bestmögliche Versorgung zu bieten, gilt es bestehende Strukturen zu nutzen und zu optimieren. Die Zusammenarbeit aller Gesundheitsberufe auf Augenhöhe unter Berücksichtigung der fachlichen Kompetenzen ist von größter Bedeutung, alle diagnostischen und therapeutischen Maßnahmen müssen auf das Wohl des Patienten ausgerichtet sein.“

In Österreich sind derzeit rund 600.000 Menschen an Diabetes mellitus erkrankt. Prognosen ergeben einen Anstieg auf 800.000 bis 2030. Kardiovaskuläre Folgeerkrankungen treten bei Diabetikern doppelt so häufig wie bei Nicht-Diabetikern auf. Bis zu 40.000 Menschen in Österreich sind laut Schätzungen von familiärer Hypercholesterinämie betroffen. Obwohl wirksame Behandlungsmöglichkeiten zur Verfügung stehen, gilt die chronische Erkrankung als unterdiagnostiziert und untertherapiert. Weniger als 10% der Erkrankten befinden sich in Behandlung. Unbehandelt sind die Folgen der vererbbaren Erkrankung dramatisch: Atherosklerose, frühzeitiger Herzinfarkt bis hin zum Tod.

Expertendiskussion: Verbesserung der Zusammenarbeit auf Augenhöhe

„Wir haben in Österreich zu Diabetes sehr gute Leitlinien der Fachgesellschaft, die Wert darauf legen, eine möglichst integrierte Versorgung zwischen spezialisierten Zentren und dem niedergelassenen Bereich zu ermöglichen. Die Rolle des Hausarztes ist dabei zentral. Ebenso von großer Bedeutung ist die Einbindung von anderen Berufsgruppen wie z. B. Diabetesberater und Diätologe. Die enge Abstimmung aller Gesundheitsberufe findet noch zu wenig statt, ich sehe aber deutliche Verbesserungen auf allen Seiten“, weiß Prim. Doz. Dr. Harald Stingl zu berichten. Mag. Thomas Veitschegger brachte die Sinnhaftigkeit der Verbesserung der Kommunikation zwischen den Gesundheitsberufen untereinander ein und verwies auf die Notwendigkeit, gegenüber dem Patienten mit einer gemeinsamen Sprache aufzutreten um divergierende Botschaften zu vermeiden. „Im Bereich der Compliance leisten Österreichs Apotheker einen wesentlichen Beitrag zur Verbesserung der Situation Betroffener und forcieren diesen Weg weiter“, verwies Mag. Thomas Veitschegger auf einen zentralen Beitrag der Apothekerschaft im Primärversorgungsprozess.

Mag. Michaela Langer erläuterte psychische Herausforderungen und stellte klar, dass die Diagnose einer chronischen Erkrankung für Betroffene in der Regel ein Schockerlebnis darstellt: „Etwa ein Viertel der Diabetes-Patienten leidet unter Depressionen. Angst- und Suchterkrankungen können ebenfalls Folge chronischer Erkrankungen sein, darunter leidet massiv die Compliance.“ Im Zusammenhang mit Schluckstörungen in Folge eines Schlaganfalles hob Tanja Penz die Zusammenarbeit mit der Logopädie hervor, um Patienten bei Sprachstörungen oder Schluckstörungen zu unterstützen. „Logopädinnen arbeiten eng mit Diätologinnen zusammen, um den Patienten wieder eine möglichst normale Nahrungsaufnahme zu ermöglichen. Diese stellt einen nicht unwesentlichen Faktor für eine gute Lebensqualität aber auch zur Prävention weiterer Komplikationen wie Lungenentzündungen dar“, führte sie weiter aus.

Die Bedeutung integrierter Maßnahmen in der Versorgung chronisch Kranker wurde von Dr. Christoph Dachs hervorgehoben, der sich für eine strukturierte Zusammenarbeit auf Augenhöhe und eine höhere Awareness zu chronischen Erkrankungen in allen Primärversorgungssektoren aussprach. Die Rolle des Hausarztes erachtet er als zentral: „Durch die langjährige Begleitung weiß der Hausarzt oft um den Lebensstil eines Patienten. Lebensstilveränderungen sind schwierig. Hier gilt es, etwa in Zusammenarbeit mit Diätologen oder Psychologen, anzusetzen, den Patienten zu unterstützen.“ Christine Pall brachte den wichtigen Aspekt der Beratung in die Diskussion ein und sprach sich für strukturierte und kontinuierliche Schulungen für Betroffene aus. Im Bereich der Ernährungstherapie plädiert sie für eine enge Zusammenarbeit mit Hausärzten: „Gerade bei Diabetes benötigen wir eine kontinuierliche Zusammenarbeit aller Beteiligten. Die Ernährungstherapie ist dabei von großer Bedeutung, sie erfolgt im Idealfall unter enger Einbindung des Hausarztes.“

Am Beispiel der familiären Hypercholesterinämie ortet Gabriele Hanauer-Mader (www.fhchol.at) großes Potenzial bei Allgemeinmedizinern zur Früherkennung und Bewusstseinsschaffung zur Erkrankung: „Allgemeinmediziner können bei der Früherkennung von familiärer Hypercholesterinämie einen wesentlichen Beitrag leisten– etwa indem sie aktiv bei Patienten bezüglich kardiovaskulären Ereignissen innerhalb der Familie nachfragen um Risiken abzuklären. Eine frühzeitige Behandlung verhindert kardiovaskuläre Erkrankungen, menschliches Leid und kann auch dem Gesundheitssystem viel Geld ersparen.“ Univ.Prof. Dr. Hans Dieplinger spricht sich, im Sinne einer Früherkennung chronischer Erkrankungen, für eine vermehrte Bewusstseinsschaffung zur Diagnose von familiärer Hypercholesterinämie (FH) inklusive Abklärung mittels Genanalyse aus. Zum Projekt FH-Register der Österreichischen Atherosklerosegesellschaft erklärt er: „Das Projekt wird die Versorgungs- und Betreuungssituation Betroffener der familiären Hypercholesterinämie verbessern. Wir kooperieren eng mit den Universitätskliniken in Wien, Graz und Innsbruck und werden auch den niedergelassenen Bereich, Pädiater, die Labormedizin oder Diätologen miteinbeziehen.“ Dr. Armin Fidler unterstrich zudem die Bedeutung internationaler Good Practice-Beispiele im Bereich der Primärversorgung. „Wir benötigen außerdem mehr valide Daten zur Optimierung des Gesundheitswesens. Obwohl viele Daten grundsätzlich vorhanden wären, werden diese oft nicht ausgewertet“, kritisierte er.

AM Plus-Fortbildungsveranstaltung am 28. Jänner 2017

Um dem Ziel der bestmöglichen und vorurteilfreien Patientenbetreuung einen Schritt näher zu kommen, veranstaltet AM Plus am 28. Jänner 2017 eine Fortbildung für alle Gesundheitsberufe in Wien. Bei dieser werden praxisnahe modulare Versorgungsmodelle chronischer Erkrankungen vorgestellt und diskutiert. Dr. Erwin Rebhandl dazu: „Mit der Fortbildungsveranstaltung setzen wir gezielt einen Fokus auf chronische Erkrankungen. Es gilt Prozesse zur optimalen Primärversorgung zu entwickeln und vorhandene Lücken zu schließen. Meine Vision ist es, künftig als Allgemeinmediziner in einer Arbeitssituation zu sein, in der ich Prävention und Früherkennung optimal umsetzen kann und sich alle relevanten Berufsgruppen entsprechend ihrer Kompetenz aktiv und gleichberechtigt einbringen.“

Teilnehmer des Gipfelgesprächs auf der Schafalm

Dr. Christoph DACHS | Präsident der Österreichischen Gesellschaft für Allgemein- und Familienmedizin
Dr. Armin FIDLER | Member of the Faculty Management Center Innsbruck (MCI) und PERI Group
Univ.-Prof. Dr. Hans DIEPLINGER, PhD | Medizinische Universität Innsbruck, Department of Medical Genetics, Molecular and Clinical Pharmacology
Gabriele HANAUER-MADER | FH-Register und FHchol Austria
Mag. Michaela LANGER | Generalsekretärin des Berufsverbands Österreichischer Psychologinnen
Christine PALL | Verband der Diätologen Österreichs
Tanja PENZ, Msc, MEd | logopädieaustria – Berufsverband der österreichischen Logopädinnen und Logopäden
Dr. Erwin REBHANDL | Allgemeinmediziner, Präsident von AM Plus Prim. Doz. Dr. Harald STINGL | Landesklinikum Melk, Facharzt für Innere Medizin
Mag. Thomas VEITSCHEGGER | Vizepräsident des Österreichischen Apothekerverbandes
Moderation: Markus STICKLER | PERI Consulting

AM Plus-Datenbank für Seltene Erkrankungen: DFP-Fortbildungspunkte

Neuigkeiten gibt es auch zur Anfang 2014 von AM Plus gestartete Symptomdatenbank für Seltene Erkrankungen (www.symptomsuche.at): Seit kurzem ist die Absolvierung von DFP-Fortbildungspunkten via Online-Test für einzelne Krankheitsbildbeschreibungen möglich. Diese Fortbildungen wurden gemeinsam mit der Akademie der Ärzte umgesetzt. Die Symptomdatenbank für Seltene Erkrankungen von AM Plus enthält aktuell 37 behandelbare Seltene Erkrankungen und wird stetig erweitert.

Über AM PLUS

AM PLUS, die Initiative für Allgemeinmedizin und Gesundheit, setzt sich für eine Stärkung und Verbesserung der wohnortnahen und niederschwelligen Gesundheitsversorgung der Bevölkerung ein. Kernelement dabei ist die Rolle der Allgemeinmedizin als verantwortungsvolle und zentrale Drehscheibe zwischen der Bevölkerung und anderen Anbietern von Gesundheitsleistungen im Sinne einer integrierten Versorgung. Im Zusammenwirken mit Wissenschaft, Fachgesellschaften, Patientenorganisationen, Sozialversicherung, Interessensvertretungen und Politik fördert AM PLUS den Dialog zwischen Verantwortungsträgern und arbeitet aktiv an der Formulierung und Umsetzung konkreter Lösungen.

Gesundheit & Politik: Gipfeltreffen auf der Schafalm

Im Rahmen der von PERI Group veranstalteten Workshops, Hintergrundgespräche und Expertendiskussionen werden in gewohnter Weise Positionen präsentiert, Zusammenhänge hergestellt, Meinungen geteilt, Ideen entwickelt und Lösungen ermöglicht. Ein offener Austausch und die gemeinsame Entwicklung neuartiger Ansätze stehen dabei im Vordergrund. „Die Kombination aus informeller Zurückgezogenheit im „Tal der Denker“ bei gleichzeitig vorhandener hochwertiger Infrastruktur für Diskussionen und Workshops wird es erlauben, im Rahmen der Gipfelgespräche auf der Schafalm auch klare inhaltliche Fortschritte zu erarbeiten“, so Mag. Hanns KRATZER, Geschäftführer der PERI Consulting. Weitere Informationen:
www.schafalm-gesundheit.at

Über die PERI Group

Die PERI Group ist ein umfassender Full-Service Dienstleister und beschäftigt sich mit der Entwicklung, Betreuung und Umsetzung von Projekten im österreichischen Gesundheitssektor. Sie ist eine Gruppe von Unternehmen, die sich auf verschiedene Teilbereiche und abgestimmte Dienstleistungen im Gesundheitsbereich spezialisiert haben. Das breitgefächerte Portfolio deckt strategisches Networking und Marketing- bzw. Vertriebsstrategien, die Aufbereitung von medizinischen state-of-the-art Forschungsergebnissen zur Verwendung in der Praxis sowie klassische Kommunikationskonzepte in Werbung und PR ab. Durch das Zusammenlegen verschiedener Kompetenzen und das „pooling“ von langjähriger Erfahrung und Wissen, entwickelt die Gruppe für Ihre Herausforderung individuell zugeschnittene Lösungskonzepte. Zur PERI Group zählen: PERI Consulting GmbH, PERI Human Relations GmbH, PERI Marketing & Sales Excellence GmbH, PERI Business Development GmbH, PERI Change GmbH mit ihren Partnern Update Europe und Welldone Werbung und PR GmbH. Weitere Infos unter www.perigroup.at

Die Gipfelgespräche auf der Schafalm 2016 fanden mit freundlicher Unterstützung von Amgen GmbH, AOP Orphan Pharmaceuticals AG, Celgene GmbH, Daiichi Sankyo Austria GmbH, logopädieaustria, Merck Sharp & Dohme Gesellschaft m.b.H., Roche Austria GmbH, Sanofi-aventis GmbH, der Sozialversicherungsanstalt der gewerblichen Wirtschaft und Vertex Pharmaceuticals GmbH statt.

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Die in diesem Pressetext verwendeten Personen- und Berufsbezeichnungen treten der besseren Lesbarkeit halber nur in einer Form auf, sind aber natürlich gleichwertig auf beide Geschlechter bezogen.

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