• 30.08.2016, 08:57:27
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Interdisziplinäre Versorgung chronischer Erkrankungen im primärmedizinischen Sektor

Diskussion im Rahmen eines Gipfelgesprächs der PERI Group und AM Plus in Alpbach

Im Bild v. l.: Univ.-Prof. Dr. Hans Dieplinger, Dr.
Christoph Dachs, Mag. Thomas Veitschegger, Gabriele Hanauer-Mader,
Prim. Doz. Dr. Harald Stingl, Mag. Michaela Langer, Dr. Armin
Fidler, Christine Pall, Dr. Erwin Rebhandl, Tanja Penz, Markus
Stickler

Utl.: Diskussion im Rahmen eines Gipfelgesprächs der PERI Group und
AM Plus in Alpbach =

Wien/Alpbach (OTS) - Im heutigen Gesundheitssystem ist die
interdisziplinäre primäre Versorgung von chronischen Erkrankungen
essenziell. Um die bestmögliche Versorgung für Betroffene zu
gewährleisten, ist eine enge Kooperation der Allgemeinmedizin mit
allen Gesundheitsberufen notwendig. AM PLUS, Initiative für
Allgemeinmedizin und Gesundheit, engagiert sich bereits seit Jahren
für die Verbesserung der integrierten primärmedizinischen Versorgung.
Die Umsetzung des gesundheitspolitischen Konzepts „Das Team rund um
den Hausarzt“ ist aus Sicht von AM Plus ins Stocken geraten und durch
unterschiedliche Eigeninteressen gehemmt. AM Plus will hier nun die
Konzentration auf die alltägliche Praxis legen und bei der Umsetzung
des PHC-Modells wieder einen Schritt weiterkommen. Im Fokus des 25.
Gipfelgesprächs der PERI Group auf der Alten Schafalm in Alpbach im
August 2016 stand die bestmögliche Versorgung der Erkrankungen
Diabetes und familiäre Hypercholesterinämie (FH).

Zentrale Fragestellung der Expertenrunde war die Verbesserung der
Zusammenarbeit der Allgemeinmedizin mit allen relevanten
Gesundheitsberufen des Primärversorgungssektors in der Praxis. AM
Plus-Präsident Dr. Erwin Rebhandl erklärt: „Wir beschäftigen uns mit
der Verbesserung der primärmedizinischen Versorgung und der
Vernetzung der Gesundheitsberufe in Österreich. Um chronisch Kranken
die bestmögliche Versorgung zu bieten, gilt es bestehende Strukturen
zu nutzen und zu optimieren. Die Zusammenarbeit aller
Gesundheitsberufe auf Augenhöhe unter Berücksichtigung der fachlichen
Kompetenzen ist von größter Bedeutung, alle diagnostischen und
therapeutischen Maßnahmen müssen auf das Wohl des Patienten
ausgerichtet sein.“

In Österreich sind derzeit rund 600.000 Menschen an Diabetes mellitus
erkrankt. Prognosen ergeben einen Anstieg auf 800.000 bis 2030.
Kardiovaskuläre Folgeerkrankungen treten bei Diabetikern doppelt so
häufig wie bei Nicht-Diabetikern auf. Bis zu 40.000 Menschen in
Österreich sind laut Schätzungen von familiärer Hypercholesterinämie
betroffen. Obwohl wirksame Behandlungsmöglichkeiten zur Verfügung
stehen, gilt die chronische Erkrankung als unterdiagnostiziert und
untertherapiert. Weniger als 10% der Erkrankten befinden sich in
Behandlung. Unbehandelt sind die Folgen der vererbbaren Erkrankung
dramatisch: Atherosklerose, frühzeitiger Herzinfarkt bis hin zum Tod.

Expertendiskussion: Verbesserung der Zusammenarbeit auf
Augenhöhe

„Wir haben in Österreich zu Diabetes sehr gute Leitlinien der
Fachgesellschaft, die Wert darauf legen, eine möglichst integrierte
Versorgung zwischen spezialisierten Zentren und dem niedergelassenen
Bereich zu ermöglichen. Die Rolle des Hausarztes ist dabei zentral.
Ebenso von großer Bedeutung ist die Einbindung von anderen
Berufsgruppen wie z. B. Diabetesberater und Diätologe. Die enge
Abstimmung aller Gesundheitsberufe findet noch zu wenig statt, ich
sehe aber deutliche Verbesserungen auf allen Seiten“, weiß Prim. Doz.
Dr. Harald Stingl zu berichten. Mag. Thomas Veitschegger brachte die
Sinnhaftigkeit der Verbesserung der Kommunikation zwischen den
Gesundheitsberufen untereinander ein und verwies auf die
Notwendigkeit, gegenüber dem Patienten mit einer gemeinsamen Sprache
aufzutreten um divergierende Botschaften zu vermeiden. „Im Bereich
der Compliance leisten Österreichs Apotheker einen wesentlichen
Beitrag zur Verbesserung der Situation Betroffener und forcieren
diesen Weg weiter“, verwies Mag. Thomas Veitschegger auf einen
zentralen Beitrag der Apothekerschaft im Primärversorgungsprozess.

Mag. Michaela Langer erläuterte psychische Herausforderungen und
stellte klar, dass die Diagnose einer chronischen Erkrankung für
Betroffene in der Regel ein Schockerlebnis darstellt: „Etwa ein
Viertel der Diabetes-Patienten leidet unter Depressionen. Angst- und
Suchterkrankungen können ebenfalls Folge chronischer Erkrankungen
sein, darunter leidet massiv die Compliance.“ Im Zusammenhang mit
Schluckstörungen in Folge eines Schlaganfalles hob Tanja Penz die
Zusammenarbeit mit der Logopädie hervor, um Patienten bei
Sprachstörungen oder Schluckstörungen zu unterstützen. „Logopädinnen
arbeiten eng mit Diätologinnen zusammen, um den Patienten wieder eine
möglichst normale Nahrungsaufnahme zu ermöglichen. Diese stellt einen
nicht unwesentlichen Faktor für eine gute Lebensqualität aber auch
zur Prävention weiterer Komplikationen wie Lungenentzündungen dar“,
führte sie weiter aus.

Die Bedeutung integrierter Maßnahmen in der Versorgung chronisch
Kranker wurde von Dr. Christoph Dachs hervorgehoben, der sich für
eine strukturierte Zusammenarbeit auf Augenhöhe und eine höhere
Awareness zu chronischen Erkrankungen in allen
Primärversorgungssektoren aussprach. Die Rolle des Hausarztes
erachtet er als zentral: „Durch die langjährige Begleitung weiß der
Hausarzt oft um den Lebensstil eines Patienten.
Lebensstilveränderungen sind schwierig. Hier gilt es, etwa in
Zusammenarbeit mit Diätologen oder Psychologen, anzusetzen, den
Patienten zu unterstützen.“ Christine Pall brachte den wichtigen
Aspekt der Beratung in die Diskussion ein und sprach sich für
strukturierte und kontinuierliche Schulungen für Betroffene aus. Im
Bereich der Ernährungstherapie plädiert sie für eine enge
Zusammenarbeit mit Hausärzten: „Gerade bei Diabetes benötigen wir
eine kontinuierliche Zusammenarbeit aller Beteiligten. Die
Ernährungstherapie ist dabei von großer Bedeutung, sie erfolgt im
Idealfall unter enger Einbindung des Hausarztes.“

Am Beispiel der familiären Hypercholesterinämie ortet Gabriele
Hanauer-Mader (www.fhchol.at) großes Potenzial bei
Allgemeinmedizinern zur Früherkennung und Bewusstseinsschaffung zur
Erkrankung: „Allgemeinmediziner können bei der Früherkennung von
familiärer Hypercholesterinämie einen wesentlichen Beitrag leisten–
etwa indem sie aktiv bei Patienten bezüglich kardiovaskulären
Ereignissen innerhalb der Familie nachfragen um Risiken abzuklären.
Eine frühzeitige Behandlung verhindert kardiovaskuläre Erkrankungen,
menschliches Leid und kann auch dem Gesundheitssystem viel Geld
ersparen.“ Univ.Prof. Dr. Hans Dieplinger spricht sich, im Sinne
einer Früherkennung chronischer Erkrankungen, für eine vermehrte
Bewusstseinsschaffung zur Diagnose von familiärer
Hypercholesterinämie (FH) inklusive Abklärung mittels Genanalyse aus.
Zum Projekt FH-Register der Österreichischen
Atherosklerosegesellschaft erklärt er: „Das Projekt wird die
Versorgungs- und Betreuungssituation Betroffener der familiären
Hypercholesterinämie verbessern. Wir kooperieren eng mit den
Universitätskliniken in Wien, Graz und Innsbruck und werden auch den
niedergelassenen Bereich, Pädiater, die Labormedizin oder Diätologen
miteinbeziehen.“ Dr. Armin Fidler unterstrich zudem die Bedeutung
internationaler Good Practice-Beispiele im Bereich der
Primärversorgung. „Wir benötigen außerdem mehr valide Daten zur
Optimierung des Gesundheitswesens. Obwohl viele Daten grundsätzlich
vorhanden wären, werden diese oft nicht ausgewertet“, kritisierte er.

AM Plus-Fortbildungsveranstaltung am 28. Jänner 2017

Um dem Ziel der bestmöglichen und vorurteilfreien Patientenbetreuung
einen Schritt näher zu kommen, veranstaltet AM Plus am 28. Jänner
2017 eine Fortbildung für alle Gesundheitsberufe in Wien. Bei dieser
werden praxisnahe modulare Versorgungsmodelle chronischer
Erkrankungen vorgestellt und diskutiert. Dr. Erwin Rebhandl dazu: „Mit
der Fortbildungsveranstaltung setzen wir gezielt einen Fokus auf
chronische Erkrankungen. Es gilt Prozesse zur optimalen
Primärversorgung zu entwickeln und vorhandene Lücken zu schließen.
Meine Vision ist es, künftig als Allgemeinmediziner in einer
Arbeitssituation zu sein, in der ich Prävention und Früherkennung
optimal umsetzen kann und sich alle relevanten Berufsgruppen
entsprechend ihrer Kompetenz aktiv und gleichberechtigt einbringen.“

Teilnehmer des Gipfelgesprächs auf der Schafalm

Dr. Christoph DACHS | Präsident der Österreichischen Gesellschaft für
Allgemein- und Familienmedizin
Dr. Armin FIDLER | Member of the Faculty Management Center Innsbruck
(MCI) und PERI Group
Univ.-Prof. Dr. Hans DIEPLINGER, PhD | Medizinische Universität
Innsbruck, Department of Medical Genetics, Molecular and Clinical
Pharmacology
Gabriele HANAUER-MADER | FH-Register und FHchol Austria
Mag. Michaela LANGER | Generalsekretärin des Berufsverbands
Österreichischer Psychologinnen
Christine PALL | Verband der Diätologen Österreichs
Tanja PENZ, Msc, MEd | logopädieaustria – Berufsverband der
österreichischen Logopädinnen und Logopäden
Dr. Erwin REBHANDL | Allgemeinmediziner, Präsident von AM Plus
Prim. Doz. Dr. Harald STINGL | Landesklinikum Melk, Facharzt für
Innere Medizin
Mag. Thomas VEITSCHEGGER | Vizepräsident des Österreichischen
Apothekerverbandes
Moderation: Markus STICKLER | PERI Consulting

AM Plus-Datenbank für Seltene Erkrankungen:
DFP-Fortbildungspunkte

Neuigkeiten gibt es auch zur Anfang 2014 von AM Plus gestartete
Symptomdatenbank für Seltene Erkrankungen (www.symptomsuche.at): Seit
kurzem ist die Absolvierung von DFP-Fortbildungspunkten via
Online-Test für einzelne Krankheitsbildbeschreibungen möglich. Diese
Fortbildungen wurden gemeinsam mit der Akademie der Ärzte umgesetzt.
Die Symptomdatenbank für Seltene Erkrankungen von AM Plus enthält
aktuell 37 behandelbare Seltene Erkrankungen und wird stetig
erweitert.

Über AM PLUS

AM PLUS, die Initiative für Allgemeinmedizin und Gesundheit, setzt
sich für eine Stärkung und Verbesserung der wohnortnahen und
niederschwelligen Gesundheitsversorgung der Bevölkerung ein.
Kernelement dabei ist die Rolle der Allgemeinmedizin als
verantwortungsvolle und zentrale Drehscheibe zwischen der Bevölkerung
und anderen Anbietern von Gesundheitsleistungen im Sinne einer
integrierten Versorgung. Im Zusammenwirken mit Wissenschaft,
Fachgesellschaften, Patientenorganisationen, Sozialversicherung,
Interessensvertretungen und Politik fördert AM PLUS den Dialog
zwischen Verantwortungsträgern und arbeitet aktiv an der Formulierung
und Umsetzung konkreter Lösungen.

Gesundheit & Politik: Gipfeltreffen auf der Schafalm

Im Rahmen der von PERI Group veranstalteten Workshops,
Hintergrundgespräche und Expertendiskussionen werden in gewohnter
Weise Positionen präsentiert, Zusammenhänge hergestellt, Meinungen
geteilt, Ideen entwickelt und Lösungen ermöglicht. Ein offener
Austausch und die gemeinsame Entwicklung neuartiger Ansätze stehen
dabei im Vordergrund. „Die Kombination aus informeller
Zurückgezogenheit im „Tal der Denker“ bei gleichzeitig vorhandener
hochwertiger Infrastruktur für Diskussionen und Workshops wird es
erlauben, im Rahmen der Gipfelgespräche auf der Schafalm auch klare
inhaltliche Fortschritte zu erarbeiten“, so Mag. Hanns KRATZER,
Geschäftführer der PERI Consulting. Weitere Informationen:
www.schafalm-gesundheit.at

Über die PERI Group

Die PERI Group ist ein umfassender Full-Service Dienstleister und
beschäftigt sich mit der Entwicklung, Betreuung und Umsetzung von
Projekten im österreichischen Gesundheitssektor. Sie ist eine Gruppe
von Unternehmen, die sich auf verschiedene Teilbereiche und
abgestimmte Dienstleistungen im Gesundheitsbereich spezialisiert
haben. Das breitgefächerte Portfolio deckt strategisches Networking
und Marketing- bzw. Vertriebsstrategien, die Aufbereitung von
medizinischen state-of-the-art Forschungsergebnissen zur Verwendung
in der Praxis sowie klassische Kommunikationskonzepte in Werbung und
PR ab. Durch das Zusammenlegen verschiedener Kompetenzen und das
„pooling“ von langjähriger Erfahrung und Wissen, entwickelt die
Gruppe für Ihre Herausforderung individuell zugeschnittene
Lösungskonzepte. Zur PERI Group zählen: PERI Consulting GmbH, PERI
Human Relations GmbH, PERI Marketing & Sales Excellence GmbH, PERI
Business Development GmbH, PERI Change GmbH mit ihren Partnern Update
Europe und Welldone Werbung und PR GmbH. Weitere Infos unter
www.perigroup.at

Die Gipfelgespräche auf der Schafalm 2016 fanden mit freundlicher
Unterstützung von Amgen GmbH, AOP Orphan Pharmaceuticals AG, Celgene
GmbH, Daiichi Sankyo Austria GmbH, logopädieaustria, Merck Sharp &
Dohme Gesellschaft m.b.H., Roche Austria GmbH, Sanofi-aventis GmbH,
der Sozialversicherungsanstalt der gewerblichen Wirtschaft und Vertex
Pharmaceuticals GmbH statt.

Weitere Bilder finden Sie in unserem Pressecorner:
http://presse.welldone.at/

Die in diesem Pressetext verwendeten Personen- und
Berufsbezeichnungen treten der besseren Lesbarkeit halber nur in
einer Form auf, sind aber natürlich gleichwertig auf beide
Geschlechter bezogen.

Bild(er) zu dieser Aussendung finden Sie im AOM / Originalbild-Service
sowie im OTS-Bildarchiv unter http://bild.ots.at

OTS-ORIGINALTEXT PRESSEAUSSENDUNG UNTER AUSSCHLIESSLICHER INHALTLICHER VERANTWORTUNG DES AUSSENDERS - WWW.OTS.AT | WDM

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