- 27.08.2016, 11:51:38
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Kapellari: Kirche und Europa brauchen "realistischen Idealismus"
Emeritierter Grazer Bischof referierte bei Ratzinger-Schülerkreistreffen in Castel Gandolfo über "alte und neue Herausforderungen für die Christen auf dem Bauplatz Europa"
Utl.: Emeritierter Grazer Bischof referierte bei
Ratzinger-Schülerkreistreffen in Castel Gandolfo über "alte
und neue Herausforderungen für die Christen auf dem Bauplatz
Europa" =
Vatikanstadt-Graz (KAP) - Ein Plädoyer für einen "realistischen
Idealismus" in Europa sowie innerhalb der katholischen Kirche hat der
emeritierter Grazer Bischof Egon Kapellari gefordert. Notwendig sei
ein solcher realistischer Idealismus gerade im Blick auf die aktuelle
Flüchtlingsthematik, damit die bisherige europäische Solidarität
nicht in "Aggression, Depression oder Gleichgültigkeit umschlägt",
sagte Kapellari am Freitag bei einem Vortrag in Castel Gandolfo.
"Denk- und Redeverbote betreffend die Gesamtkomplexität der Situation
im Namen einer, wenn auch gut gemeinten, Political Correctness führen
lediglich in Sackgassen". Im Blick auf die Zukunft Europas seien
speziell die Christen entgegen aller Ermüdungserscheinungen zu
"unerschrockener Hoffnung" aufgerufen, um dem "Projekt Europa" neuen
Geist einzuhauchen.
Kapellari referierte im Rahmen des heurigen
Ratzinger-Schülerkreistreffens in Castel Gandolfo zum Thema "Alte und
neue Herausforderungen für die Christen auf dem Bauplatz Europa".
Neben Kapellari nahm auch der Wiener Erzbischof, Kardinal Christoph
Schönborn, an dem Treffen teil.
Mit Blick auf das Thema Migration und Integration plädierte Kapellari
für eine stärkere kirchliche Fokussierung auf die
Verantwortungsethik. Kirchlicherseits habe man gerade in der
aktuellen Flüchtlingskrise zu sehr die Individualethik
("Gesinnungsethik") hochgehalten, dabei jedoch übersehen, dass aus
einer sich etwa allein am Beispiel des Barmherzigen Samariters
orientierenden Ethik eine erschöpfenden Handlungsanweisungen für eine
langfristige Migrationspolitik ableiten lassen. Der Staat sei kein
Individuum wie der Samariter im Gleichnis Jesu - er könne sich nicht
nur von Einzelschicksalen leiten lassen, sondern sei dem Gemeinwohl
verpflichtet. Dennoch blieben beide Formen von Ethik untrennbar
verbunden, erinnerte Kapellari: "Im gegenwärtigen Konflikt zum Thema
Migration und Integration dürften ernsthafte Christen (...)
jedenfalls nur dann mitreden, wenn sie selbst individualethisch
helfen, nicht nur ein wenig helfen, sondern auch helfen, wenn es
schon sehr weh tut."
Konkret sieht Kapellari neben dem Thema Migration und Integration
vier weitere Themenkreise, in denen es jenen "realistischen
Idealismus" zu bewahren gilt: Bei der Frage nach Gott, in der
Ökumene, im Blick auf den Islam, der in Teilen nach einer
"grundlegenden Reform" verlange, sowie im Bereich des Lebensschutzes,
wo die katholische Kirche immer noch eine "Großmacht der
Barmherzigkeit" darstelle.
((ende)) HKL/PWU
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