Busek: Politik muss begreifen, dass wir es mit einem schleichenden 3. Weltkrieg zu tun haben

Wien (OTS) - Hieß es vor einiger Zeit, dass Europa dank des europäischen Einigungsprozesses noch nie eine so lange friedvolle Zeit erlebt habe, rücken nun die Auseinandersetzungen, vom Ukraine-Konflikt bis hin zu den Attentaten inmitten der Großstädte immer näher. Genau genommen haben wir es mit einem schleichenden Dritten Weltkrieg zu tun. Vizekanzler a.D. Erhard Busek zieht bei einer Veranstaltung in Weitra eine sehr ernüchterndes Resümee der aktuellen weltweiten Krisen. Dass man den Ernst der Lage nicht wirklich erkannt habe, liegt wohl auch daran, dass die Erinnerung an die großen Kriege verblasst ist, man gar nicht mehr an das Gegenteil von Frieden denkt.

Aber auch das Charakeristikum eines Krieges hat sich gewandelt. Genau genommen, so Busek, hat man es mit einem Hineinkriechen kriegerischer Auseinandersetzungen in die Gesellschaft zu tun. Es geht nicht mehr um Herrschaftsansprüche einzelner Länder sondern darum, dass Kräfte am Werk sind, die die Gesellschaft an sich treffen wollen.

Ein Faktum sei es auch, dass die Politik nicht nur generell an Qualität verloren, sondern noch nicht begriffen hat, was eigentlich in der Welt vorgeht. Ein generelles Problem der Gesellschaft sei dabei der Mangel an geistiger Orientierung. Dazu kommt ein Hang zur Agggressivität, der sich unter anderem in den sozialen Medien zeigt, wo ein Mangel an sozialer Kontrolle besteht.

Trotz des düsteren Status quo sieht Busek auch positive Aussichten. "Wir schaffen des", lautet sein Credo. Um die Entwicklung in den Griff zu bekommen, wird aber unter anderem ein Umdenken, ein Abschied vom Ich-bezogenen, nationalstaatlichen Denken notwendig sein. Vor 25 Jahren, nach dem Fall des Eisernen Vorhangs, hatte man das Gefühl, dass Europa stärker zusammenrückt. Jetzt geht der Trend wieder in die gegenteilige Richtung. Das zeigt sich sogar an Österreich, das mit fast allen seinen Nachbarstaaten etwa in Zusammenhang mit der Flüchtlingskrise Dispute führte.

Der langjährige ÖVP-Politiker sieht nicht zuletzt auch in der europäischen Politiklandschaft den Bedarf eines Strategiewechsels:
Die etablierten Parteien müssen endlich erkennen, dass man rechtspopulistische Parteien nicht noch rechts überholen kann.

Anlass der Veranstaltung mit Erhard Busek war übrigens eine Sonderausstellung im Schloss Weitra, die unter dem Motto "Lili Marleen, ein Schlager macht Geschichte" steht, einen Überblick über dessen Entstehungsgeschichte gibt. Vor 75 Jahren, am 18.August ging dieses Lied, das die Sehnsucht der Menschen nach Frieden in einer stürmischen kriegerischen Welt artikulierte um 21 Uhr 57 erstmals "on air" - und wurde zu einem Grenzen und Fronten überschreitenden Welthit.

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