- 10.08.2016, 08:58:55
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Kritik am Wahlarztsystem durch Patientenanwalt zeugt von Unkenntnis und politischer Befangenheit
Die Zwei-Klassen-Medizin ist politisch vorgegeben und somit eindeutig nicht durch Ärzteschaft und Krankenkassen verursacht
Utl.: Die Zwei-Klassen-Medizin ist politisch vorgegeben und somit
eindeutig nicht durch Ärzteschaft und Krankenkassen verursacht =
St. Pölten (OTS) - „Wahlärzte als sinnvolle Ergänzung des
Kassensystems sind seit mehr als 60 Jahren durch die Weichenstellung
der Bundespolitik in Österreich etabliert“, so die
Allgemeinmedizinerin und Landtagsabgeordnete Dr. Gabriele Von Gimborn
(BürgerLandtag). „Führende Ärztekammer- und Krankenkassenfunktionäre
- die zum Entstehungszeitpunkt des Wahlarztsystems zum Großteil
selbst noch nicht einmal geboren waren - für dieses System
verantwortlich zu machen, ist grotesk und entbehrt jeder Kenntnis des
Gesundheitssystems in Österreich und dessen Entwicklung.“
Dr. Von Gimborn reagiert mit diesen Aussagen auf die Kommentare des
NÖ Patientenanwalts Dr. Bachinger in Rundfunk und Printmedien, wonach
gerade die Ärztekammer als Vertreter der Ärzteschaft einige Monate
vor der Kammerwahl von der allgemeinen Meinung über Wahlärzte
„ausschere“ und aus reinen Verdienstgründen das Wahlarztsystem
verteidige. „Der Vorstoß des SPÖ-Gesundheitssprechers Spindelberger
wurde selbst in der eigenen Partei als „Privatmeinung“ gewürdigt, die
Vertreter der anderen Parteien haben sich geschlossen mit fast
gleichlautenden Kommentaren für den Erhalt des Wahlarztsystems
ausgesprochen. Der Einzige der hier wirklich ausschert, ist der so
genannte Patientenanwalt.“
Unter den bestehenden gesundheitspolitischen Voraussetzungen ist das
Wahlarztsystem eine sehr gute Alternative
MR Dr. Herbert Machacek, Abgeordneter im Landtag (BürgerLandtag) und
selbst Allgemeinmediziner analysiert die Situation: „Wir brauchen die
Wahlärzte, ohne Wahlärzte würde das System zusammenbrechen. Wahlärzte
sind auch grundsätzlich im bestehenden System eine wertvolle
Ergänzung. Allerdings darf es nicht sein, dass die „Wahl“ eines
Wahlarztes zur „Pflicht“ wird, weil die Kassenmedizin ausgehungert
wird“, so Dr. Machacek.
Und diese Gefahr besteht. Denn die Kassenmedizin läuft Gefahr, von
der Bundespolitik ausgehungert zu werden. „Man kann den Krankenkassen
und den Ärztekammern sicherlich so manches vorwerfen. Aber sie
unterliegen den gesetzlichen Regelungen. Und solange es keine
Finanzierung aus einer Hand und eine damit verbundene massive
Aufwertung der Kassenmedizin gibt, haben diese beiden Vertragspartner
nur ein streng limitiertes Budget zur Verfügung. Und unter diesen
Voraussetzungen ist das Wahlarztsystem eine sehr gute Alternative.“
Es ist grotesk, wenn ein „Patientenanwalt“ seinen Mandanten eine
Wahlmöglichkeit wegnehmen möchte.
„Für die Patienten ist diese Wahlmöglichkeit daher ein Segen“, so Dr.
Von Gimborn weiter. „Die günstigen Kassentarife lassen sich nur durch
einen genau geregelten Stellenplan und volle Auslastung der
Ordinationen erzielen. Der Patient profitiert daher durch niedrige
Versicherungsbeiträge und hat aber trotzdem die Möglichkeit, sich bei
einem Wahlarzt mehr Zeit für die Behandlung zu gönnen. Zeit, die eine
Kassenmedizin gar nicht zur Verfügung stellen kann. Und man bekommt
sogar den finanziellen „Kassenanteil“ ersetzt.“ Aus Ihrer Sicht ist
es daher grotesk, dass gerade ein Patientenanwalt seinen „Mandanten“
diese Möglichkeit wegnehmen möchte. „Damit würde die medizinische
Versorgung im niedergelassenen Bereich massiv verschlechtert. Es sei
denn, wir ändern das bundesweite Gesamtsystem. Doch das ist leider in
naher Zukunft nicht zu erwarten.“
„Patientenanwalt“ Dr. Bachinger beweist mit seinen Aussagen nicht nur
grobe Unkenntnis der Materie. Er vergreift sich gegenüber der
gesamten Ärzteschaft auch bei der Wortwahl, in dem er Wahlärzten
Geldgier und Kassenärzten zweitklassige Medizin vorwirft. „Und er
zeigt mit seinen Vorschlägen zur Reformierung des Gesundheitswesens
auch ganz deutlich, dass er kein Anwalt der Patienten ist, sondern
ein parteinaher und somit befangener Dienstnehmer einer Institution,
die ganz eigene, und zwar der Patientenschaft entgegengesetzte
Interessen in Bezug auf die Weiterentwicklung der Gesundheitspolitik
hat“, findet Dr. Von Gimborn deutliche Worte.
Wir brauchen keine weitere Überbürokratisierung, sondern einen Umbau
des Finanzierungssystems
„Eine sinnvolle Weiterentwicklung des Systems geht aus unserer Sicht
nicht über anonyme, vom Patienten weit entfernte „multiprofessionelle
Einrichtungen“ wie sie sich Dr. Bachinger vorstellt“, analysiert Dr.
Machacek. „Wir brauchen keine weitere Überreglementierung der
Verwaltung, die Unsummen an Geld vernichtet. Wir brauchen einen Umbau
des Systems in Richtung Finanzierung aus einer Hand. Und wir müssen
grundsätzlich am Kassensystem zur Basisversorgung festhalten. Denn
nirgends sonst gibt es diese umfassende Versorgung zu diesem
günstigen Preis.“
Und zu diesem Kassensystem gehören die Wahlärzte als Service für die
Patienten derzeit unverzichtbar dazu. „Wir wünschen uns jedoch eine
Vereinfachung der Abrechnung und die Einführung der „echten“
100%-Regel, wie das in anderen Bundesländern teilweise der Fall ist.
Das bedeutet, dass der komplette vergleichbare Honorarsatz der
Krankenkasse beim Wahlarztbesuch ersetzt wird. Sinnvoll wäre es aus
unserer Sicht auch, den Wahlärzten eine Teilnahme am
Bereitschaftsdienst bei direkter Abrechnung mit GKK zu ermöglichen“,
so Dr. Machacek abschließend.
Der Verein „Patientenlandtag“ hat ein gesundheitspolitisches Konzept
erarbeitet, welches auf Basis eines solidarisch finanzierten
Gesundheitssystems mit freiberuflichen Kassenärzten und freier
Arztwahl aufgebaut ist. Diese Versorgung im niedergelassenen Bereich
ist mit großem Abstand die medizinisch sinnvollste, günstigste und
patientenfreundlichste und muss daher ausgebaut und verbessert statt
weiterhin Stück für Stück zugrunde gerichtet werden.
„Patientenlandtag“ steht für eine flächendeckende, hochwertige,
wohnortnahe Basisversorgung im niedergelassenen Bereich, in den
Spitälern sowie beim Notfallmanagement. Und zwar für 100 Prozent der
Bevölkerung, und nicht nur in den Ballungsgebieten. Mehr Information
unter www.patientenlandtag.at
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