Kärntner Ärztekammer: „Nebeneinander von Kassen- und Wahlärzten unverzichtbar!“

Demontage der Wahlärzte wäre Kahlschlag des niedergelassenen Systems

Klagenfurt (OTS) - „Damit beschneidet man die freie Arztwahl, nämlich das Recht der Patienten, dass sie den Arzt ihres Vertrauens aussuchen dürfen und man verlängert ihre Wartezeit auf eine Behandlung. Das wäre ein weiterer Schritt in eine staatlich reglementierte medizinische Unterversorgung“. So beurteilt der Präsident der Kärntner Ärztekammer Dr. Josef Huber den Vorschlag des Gesundheitssprechers der SPÖ NRAbg. Erwin Spindelberger, dass Krankenkassen ihren Versicherten keine Kostenrückerstattung für Wahlarztrechnungen leisten sollten.

Dr. Huber beschreibt die medizinische Versorgungsstruktur am Beispiel Kärntens: „Die 256 Allgemeinmediziner und 201 Fachärzte, die derzeit in Kärnten einen Kassenvertrag haben, könnten den notwendigen Bedarf längst nicht mehr abdecken. 2014 wurden 240.000 Wahlarztrechnungen bei der GKK eingereicht. Dies bedeutet, dass im Schnitt an jedem Werktag zumindest ca. 1.000 Kärntner GKK-Versicherte einen Wahlarzt aufsuchen. Die tägliche Versorgung wäre ohne die 637 angemeldeten Wahlärzte in Kärnten (212 Ärzte für Allgemeinmedizin, 425 Fachärzte) undenkbar.“

„Es wird seit Jahren verabsäumt, den Stellenplan für Kassenärzte zu erweitern. Damit gewinnt die Alternative Wahlarzt immer mehr an Bedeutung und plötzlich will man dies abschaffen“, ärgert sich Dr. Huber über eine solche Aussage eines Politikers. Es sei aber besorgniserregend, dass diese Idee vom Gesundheitssprecher der Kanzlerpartei komme. Daher müsse man energisch widersprechen.

Ihre Umsetzung hätte dramatische negative Konsequenzen für zehntausende Patienten, die den Arzt ihres Vertrauens auswählen. Die Kassenärzte, deren Zahl in den letzten Jahren nicht dem Bedarf einer älter werdenden Bevölkerung angepasst wurde, könnten diese Lücke niemals füllen. Schon heute müssten Patienten bei Fachärzten wochenlang auf einen Termin warten. Ohne Wahlärzte wäre die Situation längst nicht mehr tragbar. Sie kompensieren zunehmend die Versorgungsdefizite.

Aus Umfragen weiß man, dass die Menschen in Kärnten konkrete Gründe haben, warum sie sich an einen Wahlarzt wenden. Am häufigsten (41 %) wird das Motiv genannt: „Weil er mehr Zeit für mich aufwendet.“ Die rasche Terminvereinbarung und eine hohe Qualität sind weitere Merkmale, die von über 20 % angeführt werden. Die geringere Wartezeit in der Ordination ist noch für 10 % der Befragten ein Argument.

„Die Kärntner Ärztekammer fordert entschieden, dass dieses Nebeneinander von Kassen- und Wahlärzten erhalten bleibt, wobei wir für eine Erhöhung der Kassenstellen eintreten“, betont Dr. Huber. Wer eine Demontage der Wahlärzte verlange, strebe einen Kahlschlag des niedergelassenen Systems an. Abschließend verweist Dr. Huber darauf, dass viele Ärzte gar keinen Kassenvertrag mehr anstreben. „Sie arbeiten lieber als Wahlärzte, statt in dieses mit Bürokratie und Verrechnungsbeschränkungen überfrachtete System zu gehen. Das Kassensystem müsse jedenfalls attraktiver werden, dafür sollte sich die Gesundheitspolitik einsetzen,“ fordert Dr. Huber.

Man dürfe auch nicht übersehen, dass die Krankenkassen ihren Versicherten aufgrund eines komplizierten Systems nur einen geringen Teil der Wahlarztrechnungen ersetzen. Der Zugang zu Wahlärzten sei damit ohnehin sozial eingeengt und jetzt wolle die Politik ihn noch mehr einschränken. „Das ist für die Menschen nicht zumutbar“, stellt Präsident Dr. Huber abschließend fest.

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