• 02.08.2016, 13:56:01
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Von der Vielfalt der Lebewesen im Nationalpark Hohe Tauern: drei Wissenschaftler berichten

10. Nationalpark Tag der Artenvielfalt

Im 10. Jubiläumsjahr nahmen 50 Wissenschaftler/innen beim
Nationalpark Hohe Tauern Tag der Artenvielfalt vom 29. bis 31. Juli
2016 im Mallnitzer Tauerntal teil.

Utl.: 10. Nationalpark Tag der Artenvielfalt =

Mallnitz (TP/OTS) - Bereits zum zehnten Mal finden heuer die
Nationalpark Hohe Tauern Tage der Artenvielfalt statt. Mehr als 280
Wissenschaftler/innen untersuchen seit 2007 ausgewählte Tauerntäler
mit dem Ziel, innerhalb von 48 Stunden möglichst viele Tier-,
Pflanzen, Flechten- und Pilzarten vom Talboden bis in die Gipfellagen
zu finden. Die Natur kann nicht für sich sprechen. Drei
Wissenschaftler waren bei allen zehn Tagen der Artenvielfalt im
Nationalpark mit dabei. Grund genug nachzufragen, wie es um die
Artenvielfalt in den Hohen Tauern steht.

Flatterhafte Wesen

Die Schmetterlinge zählen zu den gut untersuchten Artengruppen in den
Hohen Tauern, insgesamt kommen hier fast 1.300 verschiedene Arten
vor. „Bei den Schmetterlingen gibt es dennoch immer wieder, Neues zu
entdecken. Viele Augen sehen mehr, das ist der große Vorteil der Tage
der Artenvielfalt.“, berichtet der Mitorganisator der Tage der
Artenvielfalt vom Haus der Natur Patrick Gros. Die
Schmetterlingsarten in den Hochlagen des Nationalparks sind wenig
gefährdet, hier bietet das Schutzgebiet weitgehend ungestörte
Lebensräume. „Hochmoor-Bläuling und Hochmoor-Gelbling sind aufgrund
des Lebensraumverlustes im Alpenvorland beinahe ausgestorben, die
Zwergstrauchstufe der Hohen Tauern ist nun ihr Rückzugsgebiet“, weiß
der Schmetterlingsforscher. Besonderes Augenmerk muss in Zukunft vor
allem auf die Außenzone und das Vorfeld des Nationalparks gelegt
werden. Eine aktuelle Auswertung zeigt, dass die stark gefährdeten
Arten in den Talbereichen vorkommen. Wichtig ist hier eine
standortangepasste Bewirtschaftung mit einer ausgewogenen Beweidung
und einem entsprechenden Weidemanagement.

Eine Liebeserklärung an die Flechten

Wenn Roman Türk von Flechten spricht, dann kommt er ins Schwärmen.
Doch die Flechten waren nicht von Anfang an sein wissenschaftliches
Hauptinteresse, es war Liebe auf den zweiten Blick. Seit mehr als 40
Jahren ist die Flechtenvielfalt der Hohen Tauern im Fokus von Roman
Türk. „150 Exkursionen, 11.000 Fundpunkte und über 1.100 Arten, das
ist meine Flechtenbilanz der Hohen Tauern. Ein Exkursionstag im
Gebirge bedeutet bis zu 300 Mal bücken und einen 20 kg schweren
Rucksack mit Flechtenproben runtertragen, die dann bis zu sechs Tage
Laborarbeit benötigen. So bleibt man körperlich und geistig fit.“,
erzählt der Flechtenexperte mit einem Schmunzeln. Der Nationalpark
Hohe Tauern bietet Flechten eine große Vielfalt an Standorten unter
anderem bedingt durch die Höhenstufen, die Geologie und die Luftgüte.
Eine Zirbe gewährt - vom Keimling bis zum Totholz - Lebensraum für
verschiedene Flechtenarten über einen Zeitraum von zweitausend
Jahren. Durch das Einrichten von Naturwaldreservaten, in denen die
menschliche Nutzung auf ein Minimum beschränkt ist, wird sich auch in
Zukunft ein reichhaltiger Flechtenbewuchs entwickeln können.

Die Funktion der Pilze im Ökosystem

Eierschwammerl und Steinpilz kennt (fast) jedes Kind. Pilze zählen
weder zum Tier- noch zum Pflanzenreich, sondern sind eigenständige
Wesen. Sie bauen organisches Material ab oder liefern Pflanzen, vor
allem den Bäumen, Nährstoffe und haben deshalb eine tragende Rolle im
Ökosystem. In Österreich gibt es über 10.000 verschiedene Pilzarten.
Der Pilzforscher Till Lohmeyer ist fasziniert von dieser
Artenvielfalt. „Ich bin kein Berggeher und hatte immer großen Respekt
vor dem Hochgebirge. 2007 beim ersten Tag der Artenvielfalt in den
Hohen Tauern bekam ich die Möglichkeit Pilze auf über 1.700 m Seehöhe
zu sammeln. Ich hätte mir nie träumen lassen, die Bergwelt aus dieser
Perspektive kennenzulernen“, schwärmt Lohmeyer jetzt beim zehnten Tag
der Artenvielfalt in Mallnitz. Wie bei den Flechten ist der
Nationalpark Hohe Tauern aufgrund der guten Luftqualität auch bei den
Pilzen ein wertvoller Rückzugsraum. „Das Einzäunen von Mooren und
Feuchtflächen, das Zulassen von Altholz und keine Beweidung in den
Wäldern, das sind wichtige Maßnahmen für die Förderung der
Pilzvielfalt im Nationalpark.“, empfiehlt der Pilzexperte.

Eine Bilanz der zehn Tage der Artenvielfalt zeigt, dass im
Nationalpark Hohe Tauern durchschnittlich 2000 Arten pro Tal
nachgewiesen sind. Beim diesjährigen Tag der Artenvielfalt Ende Juli
2016 im Mallnitzer Tauerntal ist die erste Schätzung ebenfalls
positiv: beispielsweise mehr als 300 Pflanzen-, über 140 Flechten-
und 120 Pilz-, 46 Vogel-, 14 Hummel-, 10 Heuschrecken-, 6 Fledermaus-
und 5 Libellenarten. Dazu kommen noch Artengruppen – Spinnen, Algen,
Schnacken, Köcherfliegen etc. – die erst im Labor bestimmt werden
können.

Der Kärntner Nationalparkdirektor Peter Rupitsch bedankt sich
herzlich bei den Wissenschaftler/innen für ihren engagierten Einsatz.
„Als Nationalparkverwaltung haben wir eine große Verantwortung für
diese enorme Vielfalt an Lebewesen im Schutzgebiet. Gemeinsam mit den
Grundeigentümern und Bewirtschaftern werden wir an der
Weiterentwicklung des Nationalparks in Kärnten arbeiten und hoffen
so, die Artenvielfalt der Hohen Tauern für die kommenden Generationen
zu erhalten.", betont Nationalparkdirektor Rupitsch. Die größte
Herausforderung, gemäß den internationalen Kriterien für
Nationalparks, ist die Schaffung und langfristige Sicherung von
nutzungsfreien - also weitgehend vom Menschen unbeeinflussten -
Bereichen in den Hohen Tauern.

Bild(er) zu dieser Aussendung finden Sie im AOM / Originalbild-Service
sowie im OTS-Bildarchiv unter http://bild.ots.at

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