Grasser in ÖSTERREICH: "Der Staatsanwalt schreibt die Unwahrheit"

Ex-Finanzminister: "Anschuldigungen sind wie ein Krebsgeschwür."

Wien (OTS) - Wien. Es war die politische Aufregung der Woche: Die Anklage in den Causen Buwog und Linzer Terminal Tower gegen Ex-Finanzminister Karl-Heinz Grasser. Jetzt schlägt er zurück. Im ÖSTERREICH-Interview (Sonntags-Ausgabe) sagt Grasser: „Ich war sehr enttäuscht, denn ich habe bis zuletzt mit einer Einstellung des Verfahrens gerechnet.“
Kritik übt Grasser am Staatsanwalt: „Der Staatsanwalt hat mich sieben Jahre verfolgt, es wurden 700 Einvernahmen und 600 Hausdurchsuchungen gemacht – und jetzt lese ich die Anklage und sehe, dass ein Kriminalroman daraus geworden ist, der mit der Wahrheit nichts zu tun hat. Der Staatsanwalt geht einer Fantasie nach, die er über sieben Jahre entwickelt hat. Es ist eine Anklage, die keinen Zeugen hat, der sie stützen könnte, und keinen Beweis. Sie ist völlig einseitig und enthält viele Fehler. Sogar einen Verstorbenen will die Staatsanwaltschaft als Zeugen laden.“
Grasser wirft dem Staatsanwalt sogar vor, die Unwahrheit zu schreiben: „Der Staatsanwalt schreibt etwa, dass Peter Hochegger, als er mit dem angeblichen ,Tatplan' des Grasser & Co. in einer Einvernahme konfrontiert wurde, das nicht bestritten habe. Mein Anwalt hat dieses Aussageprotokoll von Hochegger herausgesucht. Da steht genau das Gegenteil drin: Grasser hätte ihn hochkant rausgeschmissen, wenn er mit so etwas gekommen wäre, sagt Hochegger. Mein Eindruck ist, dass der Staatsanwalt einfach die Unwahrheit schreibt. Da wird das Objektivitätsgebot der Strafprozessordnung mit Füßen getreten. Wirklich ungeheuerlich! Deshalb beeinspruchen wir die Anklage jetzt auch."
Seinem Freund Walter Meischberger habe er niemals einen Auftrag oder Geld gegeben: „Natürlich hätte ich mir gewünscht, dass Meischberger nie rund um die Buwog tätig geworden wäre. Aber man tut jetzt so, als hätte der Grasser dem Meischberger einen Auftrag und Geld der Republik gegeben. Keinesfalls: Offensichtlich hat die Immofinanz einen Vertrag mit Hochegger und Meischberger gemacht. Ich hätte mir gewünscht, dass die beiden, wenn sie schon bei einer Privatisierung tätig werden, ganz normal Rechnungen legen und dafür Steuern zahlen.“ Er wolle sich aber jetzt nicht mehr als Opfer sehen: „Man wird ein anderer Mensch. Ich habe aufgehört, mich als Opfer zu betrachten. Am Anfang hab ich gesagt: Du hast nichts gemacht, wirst in den Medien zerrissen, als Verbrecher vorverurteilt. Spätestens mit der Anklage habe ich beschlossen: Ich bin kein Opfer, sondern ich muss zum Akteur werden und um Gerechtigkeit für mich kämpfen.“
Seine Existenz sei ein Totalschaden: „Mit den ersten Ermittlungen vor sieben Jahren ist mein Geschäft zusammengebrochen. Am Anfang ist man in einer Schockstarre. Dann versucht man, im Ausland ein zartes Pflänzchen aufzubauen, dann kommen die nächsten Schlagzeilen und zerstören wieder alles. Wirtschaftlich ist es für mich ein Totalschaden. Einerseits habe ich extrem hohe Kosten, andererseits praktisch kein Einkommen."
Bei der Hofburg-Wahl werde er wieder Norbert Hofer wählen: „Ich habe den Herrn Hofer gewählt und werde es wieder tun, weil ich ihn für den besseren Kandidaten halte. Van der Bellen hat sicher Qualitäten, aber Hofer hat das bessere Alter und scheint das Amt lebendiger interpretieren zu wollen.“
Auch seine Familie werde durch die Beschuldigungen belastet, schließt Grasser: „Natürlich betrifft es den Alltag, es ist wie ein Krebsgeschwür. Wenn Sie über sieben Jahre mit solchen Vorwürfen belastet werden, geht das nicht spurlos an einer Familie vorüber.“ Trotzdem sei er „glücklich und sehr dankbar, eine fantastische Frau und eine Familie zu haben, die mir die Kraft gibt, das alles zu überstehen.“

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