- 30.07.2016, 15:45:03
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Grasser in ÖSTERREICH: "Der Staatsanwalt schreibt die Unwahrheit"
Ex-Finanzminister: "Anschuldigungen sind wie ein Krebsgeschwür."
Utl.: Ex-Finanzminister: "Anschuldigungen sind wie ein
Krebsgeschwür." =
Wien (OTS) - Wien. Es war die politische Aufregung der Woche: Die
Anklage in den Causen Buwog und Linzer Terminal Tower gegen
Ex-Finanzminister Karl-Heinz Grasser. Jetzt schlägt er zurück. Im
ÖSTERREICH-Interview (Sonntags-Ausgabe) sagt Grasser: „Ich war sehr
enttäuscht, denn ich habe bis zuletzt mit einer Einstellung des
Verfahrens gerechnet.“
Kritik übt Grasser am Staatsanwalt: „Der Staatsanwalt hat mich sieben
Jahre verfolgt, es wurden 700 Einvernahmen und 600 Hausdurchsuchungen
gemacht – und jetzt lese ich die Anklage und sehe, dass ein
Kriminalroman daraus geworden ist, der mit der Wahrheit nichts zu tun
hat. Der Staatsanwalt geht einer Fantasie nach, die er über sieben
Jahre entwickelt hat. Es ist eine Anklage, die keinen Zeugen hat, der
sie stützen könnte, und keinen Beweis. Sie ist völlig einseitig und
enthält viele Fehler. Sogar einen Verstorbenen will die
Staatsanwaltschaft als Zeugen laden.“
Grasser wirft dem Staatsanwalt sogar vor, die Unwahrheit zu
schreiben: „Der Staatsanwalt schreibt etwa, dass Peter Hochegger, als
er mit dem angeblichen ,Tatplan' des Grasser & Co. in einer
Einvernahme konfrontiert wurde, das nicht bestritten habe. Mein
Anwalt hat dieses Aussageprotokoll von Hochegger herausgesucht. Da
steht genau das Gegenteil drin: Grasser hätte ihn hochkant
rausgeschmissen, wenn er mit so etwas gekommen wäre, sagt Hochegger.
Mein Eindruck ist, dass der Staatsanwalt einfach die Unwahrheit
schreibt. Da wird das Objektivitätsgebot der Strafprozessordnung mit
Füßen getreten. Wirklich ungeheuerlich! Deshalb beeinspruchen wir die
Anklage jetzt auch."
Seinem Freund Walter Meischberger habe er niemals einen Auftrag oder
Geld gegeben: „Natürlich hätte ich mir gewünscht, dass Meischberger
nie rund um die Buwog tätig geworden wäre. Aber man tut jetzt so, als
hätte der Grasser dem Meischberger einen Auftrag und Geld der
Republik gegeben. Keinesfalls: Offensichtlich hat die Immofinanz
einen Vertrag mit Hochegger und Meischberger gemacht. Ich hätte mir
gewünscht, dass die beiden, wenn sie schon bei einer Privatisierung
tätig werden, ganz normal Rechnungen legen und dafür Steuern zahlen.“
Er wolle sich aber jetzt nicht mehr als Opfer sehen: „Man wird ein
anderer Mensch. Ich habe aufgehört, mich als Opfer zu betrachten. Am
Anfang hab ich gesagt: Du hast nichts gemacht, wirst in den Medien
zerrissen, als Verbrecher vorverurteilt. Spätestens mit der Anklage
habe ich beschlossen: Ich bin kein Opfer, sondern ich muss zum Akteur
werden und um Gerechtigkeit für mich kämpfen.“
Seine Existenz sei ein Totalschaden: „Mit den ersten Ermittlungen vor
sieben Jahren ist mein Geschäft zusammengebrochen. Am Anfang ist man
in einer Schockstarre. Dann versucht man, im Ausland ein zartes
Pflänzchen aufzubauen, dann kommen die nächsten Schlagzeilen und
zerstören wieder alles. Wirtschaftlich ist es für mich ein
Totalschaden. Einerseits habe ich extrem hohe Kosten, andererseits
praktisch kein Einkommen."
Bei der Hofburg-Wahl werde er wieder Norbert Hofer wählen: „Ich habe
den Herrn Hofer gewählt und werde es wieder tun, weil ich ihn für den
besseren Kandidaten halte. Van der Bellen hat sicher Qualitäten, aber
Hofer hat das bessere Alter und scheint das Amt lebendiger
interpretieren zu wollen.“
Auch seine Familie werde durch die Beschuldigungen belastet, schließt
Grasser: „Natürlich betrifft es den Alltag, es ist wie ein
Krebsgeschwür. Wenn Sie über sieben Jahre mit solchen Vorwürfen
belastet werden, geht das nicht spurlos an einer Familie vorüber.“
Trotzdem sei er „glücklich und sehr dankbar, eine fantastische Frau
und eine Familie zu haben, die mir die Kraft gibt, das alles zu
überstehen.“
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