• 28.07.2016, 11:14:35
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Treichl im "trend": „Brauchen wir noch Banker?“

Andreas Treichl, der CEO der Erste Group, hält Banker für einen möglicherweise aussterbenden Beruf und den Tod der privaten Altersvorsorge für eine gesellschaftliche Katastrophe.

Utl.: Andreas Treichl, der CEO der Erste Group, hält Banker für
einen möglicherweise aussterbenden Beruf und den Tod der
privaten Altersvorsorge für eine gesellschaftliche
Katastrophe. =

Wien (OTS) - Erste-Boss Andreas Treichl befürchtet, der Beruf des
Bankers könnte aussterben. Im Interview mit dem Wirtschaftsmagazin
"trend" wandelt er einen Spruch von Bill Gates aus den 90er-Jahren –
„We need banking, but we don´t need banks“ – so ab: „We need banks,
but maybe we don´t need bankers.“ Durch die Regulierung werde
das Bankgeschäft dermaßen stark schematisiert, dass Banker kaum noch
Entscheidungen treffen können. Treichl: „Meiner Meinung nach geht
dadurch ein großer Wert verloren. Aber es gibt viele, die das anders
sehen. Darum halte ich es durchaus für möglich, dass künftig Computer
entscheiden, wer einen Kredit bekommt und wer nicht.“

In der am Freitag erscheinenden Ausgabe des "trend" sagt Treichl
weiters: „Wir bauen die Erste Group so auf, dass wir unter Umständen
nur mit Computertechnikern, Programmierern und Designern auskommen;
ohne Leute, die individuell auf die Kunden eingehen – was uns in der
Vergangenheit ausgemacht hat. Wir wären dann ein Versorgungs-
unternehmen. Ich hielte diese Entwicklung aber für schlecht.“

Länder, deren Wirtschaft wie in Österreich vor allem auf
Fremdfinanzierung angewiesen sind, würden laut Treichl immer weiter
hinter Wirtschaftsräumen mit einem starken Kapitalmarkt zurückfallen.
Sein Ärger auf die Politiker seit zehn Jahren beziehe sich darauf,
„dass sie nicht realisieren, welchen Nachteil unsere Unternehmen da
haben. Woher sollen sich Betriebe denn Eigenkapital holen, wenn es
keinen Kapitalmarkt gibt für sie. Nur dadurch, dass sie Gewinne
machen. Gewinne können sie nur machen, wenn sie wachsen. Und wachsen
können sie nur, wenn wir sie finanzieren dürfen.“ Wenn die Politik
den Auftrag an die Regulierung nicht ändere, sei es mit dem
Wirtschaftswachstum in Europa vorbei.

Zu Überlegungen, die anlässlich der Finanzkrise in Italien angestellt
werden, europäischen Banken nochmals mit Milliarden an Steuergeldern
zu helfen, sagt Treichl im "trend": „Es gibt in Europa sehr viele
Banken, die 2016 viel besser aufgestellt sind als 2006. Eine davon
ist die Erste Group. Die anderen sollen keinesfalls wieder mit
Steuergeldern unterstützt werden, sondern der Markt muss endlich
bereinigt werden. Banken, deren Geschäftsmodell nicht funktioniert,
sollten jetzt verschwinden – und zwar so schnell wie möglich.“

Das Ende der privaten Altersvorsorge durch die Nullzinspolitik ist
für Treichl „eine dramatische gesellschaftliche Veränderung und eine
echte Katastrophe, mit der wir uns viel stärker auseinandersetzen
müssen. Diese Situation ist der größte Ungleichheitserzeuger
überhaupt. Wer heute noch nichts besitzt, hat praktisch keine Chance,
sich ein bisserl eine Altersvorsorge aufzubauen. Das führt dazu, dass
die Leute immer früher beginnen, ihren Konsum einzuschränken, um für
die Pension zu sparen – mit dramatischen volkswirtschaftlichen
Konsequenzen, die von vielen Mitgliedern der EZB und der
Zentralbanken in sehr oberflächlicher Weise abgetan werden.“

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