- 20.07.2016, 13:57:13
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Altes Handwerk der Pecherei an Fachschule Warth lebendig gehalten
LR Schwarz: Lebendiger Geschichtsunterricht für Schülerinnen und Schüler
Utl.: LR Schwarz: Lebendiger Geschichtsunterricht für Schülerinnen
und Schüler =
St. Pölten (OTS/NLK) - An den Landwirtschaftlichen Fachschulen in
Niederösterreich wird der jungen Bauerngeneration eine zeitgemäße
Ausbildung geboten, die sich auch ihrer Wurzeln besinnt. An der
Fachschule Warth wird auch die Geschichte der Region mit Leben
erfüllt, denn Michael Gschaider, ambitionierter Pecher aus
Muggendorf, führt die Schülerinnen und Schüler in die alte
Handwerkskunst der Pecherei ein. „Die Jugendlichen erhalten so
lebendigen Geschichtsunterricht und einen authentischen Zugang zu
einem Handwerk längst vergangener Zeiten. Herr Gschaider vermittelt
sehr anschaulich die Harznutzung, die heute nur mehr von sehr wenigen
aktiven Pechern ausgeübt wird. Dabei erfreuen sich zahlreiche aus
Harz hergestellte Produkte großer Nachfrage“, betont
Bildungs-Landesrätin Mag. Barbara Schwarz.
Die Harznutzung der Schwarzkiefer war im südlichen Niederösterreich
über rund 500 Jahre hinweg ein bestimmender wirtschaftlicher Faktor.
Rund 7.000 Personen lebten noch bis in die 1940er Jahre hinein von
der Pecherei. Aus dem gewonnenen Harz wurden zumeist Terpentinöl,
Lacke und Farben hergestellt. Aber auch wertvolle Heilmittel gegen
Rheuma, Husten und Asthma wurden daraus erzeugt. Im Jahr 2011 wurde
die Pecherei in Niederösterreich in das Verzeichnis des immateriellen
Kulturerbes in Österreich aufgenommen, welches im Rahmen der
UNESCO-Konvention zur Erhaltung des immateriellen Kulturerbes
erstellt wird.
Harz wurde bereits vor 3.000 Jahren als Klebemittel und zur
Abdichtung von Ton- und Holzgefäßen verwendet. Die Griechen
verwendeten Harz, um Wein haltbar zu machen und die Römer fertigten
Schmuckstücke daraus. Unter den Römern fand auch die erste
Harzgewinnung statt, die sich auch in unseren Breiten etablierte. Um
1450 erfolgten unter Kaiser Friedrich III am Steinfeld zwischen
Neunkirchen und Wiener Neustadt erste Aufforstungen mit
Schwarzkiefern wegen der Pecherei. Im Jahr 1679 wurde der Harzhandel
in Berndorf erstmals urkundlich erwähnt. Eine große Blütezeit folgte
vom 19. bis ins 20. Jahrhundert hinein. Durch Fortschritte in der
technischen Chemie wurde ab 1950 das Harz als Rohstoff in vielen
Bereichen überflüssig. Damit war das Ende des Pecherzeitalters
eingeläutet.
Nähere Informationen: Büro LR Schwarz, Mag. (FH) Dieter Kraus,
Telefon 02742/9005-12655, e-mail [email protected].
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