- 14.07.2016, 14:02:07
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Schultes: Bauerneinkommen seit 2011 um ein Drittel gesunken
Minus 10.224 Euro im Durchschnitt pro Betrieb - LK-Präsident: Dramatik ist groß
Utl.: Minus 10.224 Euro im Durchschnitt pro Betrieb - LK-Präsident:
Dramatik ist groß =
Wien (OTS) - "Im Vergleich zu 2011 sind die Einkünfte aus Land- und
Forstwirtschaft im Jahr 2015 im Durchschnitt aller Betriebe nominell
um 10.224 Euro beziehungsweise mehr als ein Drittel zurückgegangen.
Den nominell größten Verlust mussten mit rund 21.000 Euro die
Marktfruchtbetriebe hinnehmen - das ist fast um die Hälfte weniger
als im Jahr 2011. Ursachen sind negative Folgen des Klimawandels mit
Dürreperioden, Überschwemmungen, Frost und Stürmen über mehrere Jahre
hinweg sowie der russische Lebensmittel-Importstopp", schlägt Hermann
Schultes, Präsident der Landwirtschaftskammer Österreich, Alarm. "Die
Dramatik ist groß. Es geht längst nicht mehr nur um die Bauern. Denn
jetzt können Landwirte weder konsumieren noch investieren, und es
fehlt ihnen auch an Liquidität. Die Folgen treffen Arbeitsplätze und
die Wirtschaft im gesamten ländlichen Raum. Landwirte, die in ihre
Produktion investieren, weil die Menschen auch in Zukunft unsere
Lebensmittel brauchen, erleben jetzt harte Durststrecken, wenn sie
Kredite zu bedienen haben. Liquiditätshilfen, Kredite mit
Bundeshaftung und Kostenentlastungen sind jetzt aus
volkswirtschaftlichen Gründen notwendiger denn je", verdeutlicht
Schultes.
"Die Abwärtsspirale droht sich auch 2016 weiter fortzusetzen.
Nicht nur die Preise für Milch und Fleisch sind seit Monaten sehr
niedrig, auch bei Getreide, Ölsaaten, Zuckerrüben und Rindfleisch
werden die Einkommen sehr gering sein. Nimmt man die Frostschäden des
späten Frühjahrs dazu, fehlen den Bäuerinnen und Bauern im heurigen
Jahr zwischen 700 und 800 Mio. Euro", warnt Schultes.
Entlastung bei SVB-Quartalszahlung ist wichtiger Schritt, aber
nicht genug
"Weltweit ist die Wirtschaft in einer schwierigen Situation.
Europäische Exporteure finden nicht genug gute Absatzmärkte und
dieser Wettbewerbsdruck trifft jetzt unsere hochwertigen Produkte und
bewirkt einen dramatischen Rückgang der bäuerlichen Einkommen",
beklagt der LK-Präsident, der die kürzlich im Ministerrat
beschlossene Aussetzung einer SVB-Quartalszahlung für die
Bauernfamilien grundsätzlich begrüßt, aber zu bedenken gibt: "In der
Ministerratsvereinbarung ist 'nach Veränderung der Marktlage' von der
'Wiederauffüllung der Rücklagen' bis zum Jahr 2019 die Rede. Dabei
geht der Ministerrat von einer deutlichen Verbesserung der
wirtschaftlichen Entwicklung der Landwirtschaft in naher Zukunft aus.
Er hat jedoch offen gelassen, wie die Versichertengemeinschaft die
Auffüllung der Reserven vornehmen wird", so Schultes.
Der LK-Präsident ist von der Notwendigkeit weiterer Maßnahmen
überzeugt und erneuert seine Forderungen für ein klares Bekenntnis
der öffentlichen Hand zu heimischen Lebensmitteln, für Reformen zur
Förderung nachwachsender Rohstoffe sowie für den Ausbau der
bestehenden Ernteversicherung zu einer umfassenden Risikoabsicherung.
Milchmarkt: Kommission öffnet Chance für Verarbeiter und
Bauern
Effiziente Unterstützung fordert Schultes auch für die derzeit
extrem angespannte Preissituation auf dem Milchmarkt. "Die
Europäische Kommission hat die Chance eröffnet, dass Verarbeiter und
Bauern über eine abgestimmte Milchmenge reden. Nun muss auch in
Österreich diese Chance rasch ergriffen werden, damit der Druck auf
den Milchpreis reduziert werden kann. Jetzt werden Werte in
gewaltigem Ausmaß vernichtet. Das gefährdet die Existenz der
Milchbauern, bringt die Verarbeiter enorm unter Druck und hilft auch
nicht dem Handel, da der Konsum selbst bei sinkenden Preisen nicht
wächst. Daher brauchen wir rasch Gespräche und Ergebnisse, sowohl in
der EU als auch in Österreich", verlangt der LK-Präsident.
Treibstoff von Steuern entlasten
"Österreichs Bauern zahlen im EU-Vergleich die höchsten Steuern
für den Treibstoff Diesel für ihre Landmaschinen. Die anderen
EU-Länder kennen steuerliche Entlastungsmodelle für die
Landwirtschaft. Diese Modelle reichen von einem eigenen - gefärbten -
steuerermäßigten oder steuerbefreiten Produkt, wie in Frankreich oder
Kroatien, bis hin zu Vergütungs- oder Erstattungsmodellen. Wir müssen
dringend Österreichs Landwirtschaft von einer Sonderlast befreien",
plädiert Schultes.
(Schluss)
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