- 13.07.2016, 11:00:01
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Niederösterreichs Ärzte mehrheitlich mit Arbeits- und Lebenssituation zufrieden
Ärztekammer präsentiert Ergebnisse einer aktuellen Umfrage
Utl.: Ärztekammer präsentiert Ergebnisse einer aktuellen Umfrage =
Wien (OTS) - Die Ärztekammer für Niederösterreich hat im Mai und Juni
dieses Jahres eine umfangreiche und detaillierte Umfrage zur Arbeits-
und Lebenssituation unter allen 7.525 Ärztinnen und Ärzten
Niederösterreichs durchgeführt. „Wir wollten wie bereits 2008 und
2013 wissen, wie es unseren Mitgliedern geht, um unsere Arbeit als
Interessensvertretung dementsprechend ausrichten zu können“, betont
der Präsident der NÖ Ärztekammer, Dr. Christoph Reisner, MSc. 13,5
Prozent der Ärztinnen und Ärzte aus allen Arbeitsbereichen sind der
Einladung gefolgt und haben an der Online-Umfrage teilgenommen.
Reisner: „Die hohe Rücklaufquote zeigt, dass unsere Arbeit ernst
genommen wird und bietet uns eine gute Vergleichsmöglichkeit mit den
Ergebnissen der letzten beiden Befragungen.“
Zufriedenheit: Kassenärzte beurteilen ihre Situation am
kritischsten
Zu den Schlüsselfragen der Umfrage gehören jene nach der
Zufriedenheit mit der Lebenssituation, die aufgrund der Ausübung der
jeweiligen ärztlichen Tätigkeit möglich ist, und jene nach der
Zufriedenheit mit der Arbeitssituation. „In beiden Kategorien führen
traditionell die Wahlärztinnen und Wahlärzte“, berichtet Reisner, „an
zweiter Stelle liegen die Spitalsärztinnen und Spitalsärzte und die
Kassenärztinnen und Kassenärzte bilden das Schlusslicht“. Warum die
niedergelassenen Ärztinnen und Ärzte mit §2-Kassenvertrag ihre
Arbeits- und ihre Lebenssituation so kritisch beurteilen, erläutert
MR Dr. Dietmar Baumgartner, Vizepräsident und Kurienobmann der
niedergelassenen Ärzte der NÖ Ärztekammer: „Die Kassenärztinnen und
Kassenärzte waren in den letzten Jahren am stärksten von
bürokratischen Hürden und administrativen Ärgernissen betroffen und
es ist derzeit kein Ende abzusehen.“ Schon heute geben 30 Prozent der
befragten Kassenärztinnen und Kassenärzte Niederösterreichs an, mehr
als zehn Stunden pro Woche rein für administrative Tätigkeiten
aufzuwenden. Baumgartner: „Der hohe Bürokratieaufwand ist das größte
Ärgernis. Aber auch die Zahl der zu versorgenden Patienten ist in den
letzten Jahren deutlich gestiegen. 40 Prozent widmen sich pro
Ordinationstag sogar mehr als 100 Patienten. Nur das Einkommen ist
nicht entsprechend mitgewachsen. Ein weiteres Ärgernis für rund ein
Viertel der Kassenärztinnen und –ärzte.“
Trotz negativ beurteilter Einkommensverhältnisse und einer
Arbeitsbelastung, die krank machen kann, sind knapp mehr als die
Hälfte der Kassenärzte mit ihrer Lebenssituation zufrieden. „Doch
viele Kollegen wollen sich das nicht mehr antun und überlegen
bereits, wegen ELGA, Mystery Shopping etc. früher als ursprünglich
geplant in Pension zu gehen. Und es ist schon jetzt schwer,
freiwerdende Kassenplanstellen nachzubesetzen“, berichtet
Baumgartner.
Spitalsärzte an zweiter Stelle des Zufriedenheitsrankings
Die Antworten auf die Frage nach der Arbeitszufriedenheit sind bei
den angestellten Ärztinnen und Ärzten Niederösterreichs ein wenig
schlechter ausgefallen als im Jahr 2013. OA Dr. Ronald Gallob,
Vizepräsident und Kurienobmann der angestellten Ärzte der NÖ
Ärztekammer, erklärt sich das mit dem Umstand, dass die aktuelle
Umfrage durchgeführt wurde bevor das neue Gehaltsschema für die
Spitalsärzte Niederösterreichs beschlossen werden konnte. „Einige
Antworten zeigen die Unzufriedenheit der angestellten Ärztinnen und
Ärzte mit den Verdienstmöglichkeiten. Zu geringe materielle
Anerkennung gepaart mit hohem Arbeitsdruck und schlechten
strukturellen und organisatorischen Gegebenheiten produzieren
verständlicherweise keine zufriedenen Mitarbeiterinnen und
Mitarbeiter“, argumentiert Gallob. Erfreulich ist, dass sich die
Zufriedenheit mit der Lebenssituation der Spitalsärztinnen und
Spitalsärzte Niederösterreichs positiv entwickelt hat, obwohl die
meisten ihre Arbeit als sehr fordernd erleben. Gallob: „Der Anstieg
der Zufriedenheit mit der Lebenssituation könnte mit der
vergleichsweise geringeren Wochenarbeitszeit zusammenhängen.
Durchschnittlich arbeiten die Spitalsärztinnen und –ärzte heute um 14
Stunden weniger als vor acht Jahren und um immerhin fünf Stunden
weniger als noch vor drei Jahren.“
Die Ausbildungssituation an den niederösterreichischen
Krankenhäusern wird von fast der Hälfte der Ärzte gut oder sogar sehr
gut beurteilt. Gründe für Kritik sind das hohe Ausmaß an
nichtärztlichen Tätigkeiten, die hohe Arbeitsbelastung und der Mangel
an praktischer Ausbildung. „Positiv ist, dass die Zusammenarbeit
besser funktioniert als früher“, meint Gallob. „Die Kooperation
zwischen den Ärzten untereinander und auch zwischen Ärzten und
Pflegepersonal wird besser bewertet als früher.“
Als größte Gefahren für die NÖ Spitalslandschaft werden von den
direkt betroffenen Ärzten unter anderem die Unmöglichkeit Stellen
nachzubesetzen und die Streichung von Dienstposten gesehen.
Wahlärztinnen und Wahlärzte am zufriedensten von allen Ärzten
Reisner: „Es verwundert nicht, dass die Zahl der Wahlärztinnen und
Wahlärzte in ganz Österreich laufend steigt, sind doch in
Niederösterreich 94 Prozent von diesen mit ihrer Lebenssituation
zufrieden.“ Die niedergelassenen Ärzte ohne Kassenvertrag behandeln
deutlich weniger Patientinnen und Patienten pro Ordinationstag als
ihre Kollegen mit Kassenvertrag, nicht einmal ein Fünftel von ihnen
versorgt mehr als 50 Patienten pro Woche. „Viele Wahlärztinnen und
Wahlärzte brauchen aber ein zweites Standbein, wie zum Beispiel eine
Tätigkeit als Gutachter oder Betriebsarzt“, betont Reisner.
Komplementärmedizinische Behandlungen werden in
Wahlarztordinationen viel häufiger angeboten als in Kassenpraxen.
„Die Entscheidung, als Wahlarzt tätig zu sein, wurde vom Großteil der
Wahlärzteschaft bewusst gefällt. Mehr als drei Viertel der Wahlärzte
streben keinen Kassenvertrag an“, so Reisner weiter.
Gutes Zeugnis für die Ärztekammer
Erfreulich ist auch die Meinung der Ärztinnen und Ärzte
Niederösterreichs über ihre Standesvertretung. Mehr als die Hälfte
(57 Prozent) sind mit der Arbeit der NÖ Ärztekammer zufrieden oder
sogar sehr zufrieden. „Für eine Kammer, deren Mitglieder per Gesetz
zur Mitgliedschaft verpflichtet sind, ist das ein sehr guter Wert“,
freut sich Präsident Reisner abschließend.
Die Detailergebnisse der Umfrage stehen auf der Website der NÖ
Ärztekammer unter www.arztnoe.at.
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