• 13.07.2016, 10:15:01
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21er Haus: AI WEIWEI translocation – transformation

Wien (OTS) - Ai Weiwei zählt international zu den bekanntesten
Künstlern der Gegenwart. Er ist Konzeptkünstler, Dokumentarist und
Aktivist und vertritt die Position „Alles ist Kunst und alles ist
Politik“. Das 21er Haus präsentiert vom 14. Juli bis 20. November
2016 Ai Weiweis erste große Einzelpräsentation in Österreich, die
heute Abend um 19 Uhr von Kulturminister Thomas Drozda eröffnet wird.

Ai Weiwei wurde 1957 in Peking geboren. In seinen Werken setzt er
sich nicht nur kritisch mit Geschichte, Kultur und Politik seiner
Heimat auseinander, sondern reagiert auch auf gesellschaftliche
Realitäten wie aktuell die Fluchtbewegung zwischen Ländern und
Kontinenten.

„Erstmals ist Ai Weiwei mit einer solch umfassenden Einzelausstellung
in Österreich zu sehen. Mit ‚translocation – transformation‘ entstand
in enger Zusammenarbeit mit dem Künstler ein Projekt, das über eine
einfache Personale weit hinausgeht. Die Ausstellung beschäftigt sich
nicht nur mit Aspekten aus Ai Weiweis Biografie, sondern greift auch
aktuelle gesellschaftliche Themen auf, die jeden von uns tangieren“,
erklärt Agnes Husslein-Arco, Direktorin des Belvedere und des 21er
Haus.

Im Zentrum von „translocation – transformation“ stehen die
Veränderungsprozesse, die durch Ortswechsel, Vertreibung und
Migration ausgelöst werden, ob nun bei Menschen oder an Objekten. Das
Thema der Transformation zieht sich wie ein roter Faden durch Leben
und Werk Ai Weiweis: von seiner Kindheit, den Anfängen in New York
über seine Rückkehr nach China, die Zeit unter Hausarrest bis zu
seiner Entlassung aus der Staatshaft und zur Migration nach Berlin.

„Auf jede Translozierung folgt ein Prozess der Neuverortung. Dieser
geht einher mit innerer Migration und der Veränderung der Identität.
Ai Weiwei ist in seinem Nomadendasein ein Gesellschaftswesen, ein
Zoon politikon, das sich nicht von seiner örtlichen Umgebung, seinem
sozialen Umfeld, der Tradition und der Kultur abstrahieren lässt“, so
Kurator Alfred Weidinger über den Ausnahmekünstler.

Die gezeigten Arbeiten in „translocation – transformation“ spiegeln
diese Auseinandersetzung wider. So erstreckt sich auch die
Ausstellung – erstmalig in der Geschichte der Österreichischen
Galerie Belvedere – über mehrere Standorte vom 21er Haus bis zum
Oberen Belvedere, wo die Parkanlage wie auch die Innenräume bespielt
werden.

Das Hauptwerk inmitten der großen Ausstellungshalle im 21er Haus
bildet die Installation „Wang Family Ancestral Hall“. Sie zeigt eine
Ahnenhalle aus der Zeit der Ming-Dynastie, deren Haupthalle
originalgetreu wiederaufgebaut wurde. Die 14 Meter hohe Konstruktion
aus Holz, die aus über 1 300 Einzelteilen besteht, ist zum ersten Mal
außerhalb Chinas zu sehen. Das Ahnenhaus gehörte einst der Familie
Wang, bedeutenden Teehändlern aus der südlichen Provinz Jiangxi.
Während der Chinesischen Kulturrevolution wurde die Familie
vertrieben, und die Ahnenhalle verfiel. Ai Weiwei kaufte das Gebäude
von einem Investor und übertrug es in den Kunstkontext. Seiner
ursprünglichen Funktion enthoben erhält es nun durch den Prozess der
Translozierung eine neue Bedeutung. Ausschlaggebend für die Auswahl
dieser Arbeit war die Parallele zur Geschichte des 21er Haus. Der für
die Weltausstellung 1958 in Brüssel konstruierte Länderpavillon
sollte zunächst verschrottet werden, wurde dann jedoch nach Wien
verlegt und als Museum für zeitgenössische Kunst adaptiert.

Zwei weitere Arbeiten im 21er Haus greifen das Thema der
Transformation auf, zugleich beziehen sie sich auch auf die Teekultur
in China und damit wiederum auf die ursprünglichen Besitzer der
Ahnenhalle: Das „Teahouse“, das aus gepressten Pu-Erh-Tee-Ziegeln
gebaut wurde, sowie „Spouts“. Diese Installation setzt sich aus rund
2,5 Tonnen porzellanener Schnäbel von antiken Teekannen zusammen, die
auf dem Boden der großen Ausstellungshalle wie ein Teppich
ausgebreitet sind.

Darüber hinaus greift Ai Weiwei das aktuelle Flüchtlingsthema mit „F
Lotus“ auf, einer Installation aus 1 005 gebrauchten Schwimmwesten.
Angeordnet wie ein kalligrafisches F schwimmen die 201 Ringe aus
jeweils fünf Westen wie Lotusblüten auf dem Wasser des barocken
Bassins im Park des Oberen Belvedere.

Umsäumt wird diese ortsspezifische Arbeit von „Circle of
Animals/Zodiac Heads“ mit Bronzeköpfen der zwölf Tiere aus dem
chinesischen Horoskop. Jede einzelne Plastik setzt sich aus einem
drei Meter hohen Pfahl und einem rund 500 Kilo schweren Tierkopf
zusammen. Ai Weiwei bezieht sich damit auf die bronzenen Tierköpfe
jener Wasseruhr, die sich einst im Garten des kaiserlichen
Sommerpalasts Yuanming Yuan in Peking befand. Die Wasseruhr der
Brunnenanlage bestand aus zwölf Figuren mit Menschenkörpern und
Tierköpfen, die als Zeitmesser alle zwei Stunden Wasser spien.
Französische und britische Truppen verwüsteten 1860 am Ende des
Zweiten Opiumkriegs die gesamte Palastanlage. Unzählige
Kulturschätze, darunter die Bronzeköpfe, wurden gestohlen und über
die ganze Welt verstreut. Die Rückforderung der wiederentdeckten
Originale, die am Kunstmarkt Millionen erzielen, wurde zum Politikum.
Bis heute werden fünf Skulpturen vermisst. Ai Weiwei reagierte darauf
mit einer Neuerschaffung des Zyklus, nicht originalgetreu, sondern
als eigene künstlerische Interpretation im überdimensionalen Format.
Ganz bewusst spießt er die von den europäischen Plünderern
„geköpften“ Häupter auf Pfählen auf.

Im Treppenhaus des Oberen Belvedere lässt Ai Weiwei die Kreatur „Lu“
wie einen Drachen steigen. Die filigrane Skulptur wurde in der Art
traditioneller chinesischer Drachen von Hand hergestellt: Dünne
Bambusstäbe bilden den Rahmen, der mit Seide beklebt wird. Die Figur
stellt eine der vielen Fabelwesen aus dem „Shanhaijing“ („Klassiker
der Berge und Meere“) dar, der ältesten überlieferten Sammlung
chinesischer Mythologie.

Begleitet wird die Ausstellung von Kuratoren- und Kombiführungen in
Belvederegarten und 21er Haus, von Ausstellungsführungen,
Tastführungen für blinde und sehbehinderte Menschen und Workshops zur
Sofortbildfotografie und zur chinesischen Kalligrafie, von den
Kinderworkshops „Wenn Drachen reisen“, „Ab durch die Mitte“ und „Im
Jahr des Affen“ sowie ab September von einem umfassenden
Schulprogramm. Am 5. Oktober hält Helmut Opletal,
China-Wissenschaftler an der Universität Wien, einen Vortrag zum
Thema „Kunst, Gesellschaft und Provokation“. Die Arbeit „F Lotus“ ist
wiederum Ausgangspunkt der Veranstaltungsreihe „Tea Talks“. Dabei
wird das 21er Haus zum Ort für Begegnung und Austausch zwischen
Menschen mit und ohne Fluchterfahrung

Blog zur Ausstellung: www.aiww21.com

#aiww21
Das 21er Haus lädt alle Besucherinnen und Besucher ein, Eindrücke und
Fotos von „translocation – transformation“ unter dem Hashtag #aiww21
@21erHaus zu teilen.

Die Ausstellung läuft vom 14. Juli bis 20. November 2016 im 21er Haus
– Museum für zeitgenössische Kunst (Quartier Belvedere, Arsenalstraße
1, 1030 Wien).

OTS-ORIGINALTEXT PRESSEAUSSENDUNG UNTER AUSSCHLIESSLICHER INHALTLICHER VERANTWORTUNG DES AUSSENDERS - WWW.OTS.AT | BEL

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