- 02.07.2016, 11:50:38
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NÖ Bauernbund feiert 110 Jahre und packt die Zukunft an
Bauerntag mit 1800 Landwirten stellte Stärke und Zusammenhalt in schwierigen Zeiten unter Beweis

Utl.: Bauerntag mit 1800 Landwirten stellte Stärke und Zusammenhalt
in schwierigen Zeiten unter Beweis =
St.Pölten / Wieselburg (OTS) - Der Niederösterreichische Bauernbund
ist 110 Jahre alt geworden. Gefeiert wurde das Jubiläum unter dem
Motto „Der Zukunft die Türen öffnen“ am Samstag, 2. Juli 2016, beim
schon zur Tradition gewordenen Bauerntag im Rahmen der Wieselburger
Inter-Agrar-Messe. Neben hochrangigen Gratulanten wie Landeshauptmann
Erwin Pröll, Bundesminister Andrä Rupprechter und Agrar-Landesrat
Stephan Pernkopf waren mehr 1800 Landwirte der Einladung von NÖ
Bauernbundobmann Hermann Schultes und Direktorin Klaudia Tanner
gefolgt, und stellten so beim Festakt gemeinsam und eindrucksvoll die
Stärke und den Zusammenhalt der politischen Interessensvertretung der
Bäuerinnen und Bauern und des gesamten Ländlichen Raums unter Beweis.
Am 24. Juni 1906 wurde der NÖ Bauernbund gegründet, um für die Rechte
der Bauern zu kämpfen – bis heute hat sich an diesem Grundsatz nichts
geändert. In Zeiten, in denen viele Bauern am Rande ihrer Existenz
stehen, macht der Bauernbund mit 104.000 Mitgliedern und 15.000
Funktionären auch den eigenen Geburtstag zu einem Aktionstag.
„Wir wollen den Tag auch nutzen, um für unsere Anliegen, die ja auch
der Versorgungssicherheit und damit der Daseinsvorsorge im Interesse
aller Menschen dienen, öffentlich Stimmung zu machen“, erklärten NÖ
Bauernbund-Obmann Hermann Schultes und Direktorin Klaudia Tanner.
Bauern durch Preiskampf existenziell bedroht
Billigimporte, anhaltendes Preisdumping ohne Rücksicht auf die
Erfordernisse nachhaltiger Regionalität, bürokratische Hindernisse
und die Auswirkungen von Naturkatastrophen stellen die Bäuerinnen und
Bauern im flächenmäßig größten Agrarbundesland derzeit vor enorme
Herausforderungen. So müssen die Landwirte heuer das fünfte Jahr in
Folge mit einem sinkenden Einkommen rechnen. 16.000 Betriebe befinden
sich aufgrund der aktuellen ruinösen Erzeugerpreise, vor allem bei
Milch und Schweinefleisch, aber auch bei Gemüse und in der
Rinderzucht, in Existenznot. „Nur eine rasche und umfassende
Kostenentlastung kann verhindern, dass Betriebe in großer Zahl
aufhören“, unterstrich Klaudia Tanner.
Entlastungspaket für die Landwirtschaft
In diesem Zusammenhang bekräftigten Schultes und Tanner die Forderung
der Landwirtschaftskammer und des NÖ Bauernbundes, den Existenzdruck
der österreichischen Landwirte mit einem konkreten Maßnahmenpaket zu
mindern. Dazu gehören die steuerliche Entlastung von
Betriebs-mittelkosten, wie mit dem „Grünen Diesel“ bzw. Agrar-Diesel,
der Erlass der bäuerlichen Sozialversicherungsbeiträge für ein
Quartal, die neue umfassende Ernteversicherung und der rasche
parlamentarische Vollzug der Ergebnisse des Milchdialogs vom 14.
Juni in Wien.
Was die Lage auf dem Milchmarkt betrifft, tritt Bundesminister Andrä
Rupprechter für ein europaweites Anreizsystem zur Mengenreduzierung
ein. Ebenso kündigte er in Bezug auf die dringend erforderliche
Entlastungsmaßnahmen für die Bäuerinnen und Bauern harte
Verhandlungen mit dem Koalitionspartner auf Bundesebene an.
Herkunftsbezeichnung: Regionale Lebensmittel stärken
Landwirtschaft und Umwelt
Gemeinsam verwiesen Schultes und Tanner auch auf die laufende
Bauernbund-Kampagne „Beste Qualität. Da schau’n wir drauf. Du auch?“,
die in ganz Niederösterreich auf die Leistungen der Landwirtschaft
für die gesamte Gesellschaft aufmerksam macht und bei den
Konsumentinnen und Konsumenten das Bewusstsein für gesunde, regionale
und nachhaltig produzierte Lebensmittel wecken soll. Klar ist, dass
regionale Lebensmittel die Landwirtschaft und die Umwelt stärken. Der
NÖ Bauernbund und Obmann Schultes verlangen daher für die
Gemeinschaftsverpflegung eine verpflichtende Herkunftskennzeichnung
von Fleisch und Eiern. Restaurants und Gasthäuser können freiwillig
daran teilnehmen. Eine Maßnahme mit Vorbildwirkung leistet hier
bereits das Land NÖ auf Initiative von Landeshauptmann Erwin Pröll.
Als erstes Bundesland wird Niederösterreich ab dem Sommer eine
Herkunftsbezeichnung in allen öffentlichen Verpflegungseinrichtungen,
wo das Land Verantwortung trägt, einführen, und in den Großküchen des
Landes die regionale Herkunft von Fleisch und Eiern sichtbar machen.
Damit ist Niederösterreich hoffentlich beispielgebend für alle
anderen Bundesländer.
Als „wichtiges Signal für die Stärke, den Zusammenhalt und das
Zusammenstehen des Bauernstands“ wertete Landeshauptmann Pröll den
Bauerntag und gratulierte zum 110 Jahr-Jubiläum: „Gerade der
Niederösterreichische Bauernbund ist es gewesen, der das Werden
unseres Heimatlandes in entscheidenden und schwierigen Phasen stark
geprägt hat und der den Menschen Halt, Werte und Bodenhaftung durch
harte, konsequente Arbeit gegeben hat“, erinnerte Pröll in seiner
Festrede auch an das Wirken großer Bauernbündler wie Leopold Figl und
Andreas Maurer. In Bezug auf den Tiefstand bei den bäuerlichen
Erzeugerpreisen und in Verbindung mit der Herkunftsbezeichnung
erinnerte Pröll die Konsumenten daran, dass „jeder Einkauf und Griff
ins Regal gleichzeitig eine politische Aktion ist, die
Produktionsbedingungen, Qualitätsstandards und Handelsstrukturen
beeinflusst.“
Die Bedeutung der Landwirtschaft als „Wirtschaft am Land“ unterstrich
Landesrat Stephan Pernkopf. Immerhin sind die 41.000 bäuerlichen
Betriebe ein wesentlicher Wirtschaftsmotor in Niederösterreich und
sichern 130.000 Arbeitsplätze in den vor- und nachgelagerten
Bereichen. „In Zeiten wie diesen ist eine Top-Ausbildung auch im
Landwirtschafts-bereich von enormer Bedeutung. Darum brauchen wir
eine eigene Agrarfachhochschule in Niederösterreich“, so Pernkopf.
Mit dabei am Bauerntag waren neben dem Präsidium und dem
Landesvorstand
des NÖ Bauernbunds mit zahlreichen Abgeordneten zum Nationalrat,
Landtag und Bundesrat auch die Vizepräsidenten der NÖ
Landwirtschaftskammer, Theresia Meier und Otto Auer, sowie
Weinbaupräsident Johannes Schmuckenschlager. In die Riege der
Ehrengäste reihten sich unter vielen anderen auch Landesbäuerin Irene
Neumann-Hartberger, Messedirektor Werner Roher, RWA-Generaldirektor
Reinhard Wolf, Rotkreuz-Präsident Willibald Sauer, Bezirkshauptmann
Johann Seper und die Obfrau der NÖ Dorf- und Stadterneuerung Maria
Forstner, Bundesweinkönigin Christina Hugl, die Landjugend-Leiter
Sandra Zehetbauer und Harald Hochedlinger sowie
Jungbauern-Bundesobmann Stefan Kast.
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