„Österreich“ schließt Salzburg-Redaktion

Wolfgang Fellner streicht die Tirol- und Salzburg-Ableger. Und er gibt Heinz Schaden die Schuld.

Salzburg (OTS/SN) - Ralf Hillebrand

„Österreich“ kehrt Salzburg den Rücken. Wie die SN erfahren haben und in ihrer Freitagsausgabe berichten, wird der lokale Ableger der Tageszeitung geschlossen. Und die Redaktion in der Friedensstraße ist nicht die einzige Bundeslandstelle, die von „Österreich“ aufgelassen wird. Auch der Tiroler Ableger wird aufgelöst, der für das Verlagshaus jedoch formal zur Salzburg-Redaktion gehört. Die zwei betroffenen Redakteure haben die Kündigungen bereits erhalten.
Auf Anfrage der „Salzburger Nachrichten“ bestätigte Verlagsleiter Wolfgang Fellner zumindest entsprechende „Überlegungen“. Dass der Abzug aus Salzburg fix sei, wollte Fellner nicht bestätigen. Der Verlagsleiter lässt sich stattdessen ein Hintertürchen offen:
„Sollten wir bis Anfang September vonseiten des Bürgermeisters keine Zusage haben, dass wir ‚Österreich‘ als Gratiszeitung über von der Stadt genehmigte Boxen vertreiben dürfen, werden wir unser Büro mit Ende September schießen.“
Zum Hintergrund der Kritik: Wer auf öffentlichem Grund eine Zeitungsbox platzieren will, braucht das Einverständnis der Stadt. Dies bestätigte auch Bürgermeister Heinz Schaden: „Für einen Zeitungskasten gilt dasselbe wie für jeden Sonnenschirm. Wer öffentlichen Raum nutzen will, muss das beantragen.“ Doch dazu sei es im Fall von „Österreich“ nicht gekommen. „Bei der Fußball-Europameisterschaft 2008 haben wir ‚Österreich‘ gestattet, einige Boxen aufzustellen. Diese Erlaubnis hat sich aber nur auf die Dauer der EM beschränkt.“ Im Anschluss habe man Wolfgang Fellner mitgeteilt, dass er die Erlaubnis nur dann verlängern könne, wenn er dies über den entsprechenden Ausschuss beantragt. Dies sei aber nie passiert. Vielmehr habe „Österreich“ die Boxen „wild aufgestellt“. „Wir haben sie dann immer wieder einmal entfernen lassen, bis es irgendwann keine Boxen mehr gab“, ergänzt Schaden.
Dass die Redaktion nun geschlossen wird, bedauert der Bürgermeister. Er glaubt aber nicht daran, dass der Abzug aus Salzburg etwas mit den Zeitungskästen zu tun hat. „Der Status quo um die Boxen hat sich seit Jahren nicht geändert. Wieso sollte das jetzt schlagend werden?“ Tatsächlich soll es andere Gründe für die Kündigungen geben. Aus Redaktionskreisen ist zu hören, dass Fellner für den anstehenden Start seines Fernsehsenders oe24.tv Ressourcen bündeln will. Der Verlagschef selbst bestreitet das: „Mit oe24.tv hat das alles gar nichts zu tun.“ Der TV-Sender starte erst im Herbst und komme aus der Onlineredaktion. „Zeitung und Online sind bei uns zwei völlig selbstständige Einheiten.“
In einem Nachsatz ergänzt Fellner, dass es auch nach der Auflösung der Salzburg-Redaktion weiterhin Nachrichten aus dem Bundesland geben werde. Diese würde die Redaktion von Antenne Salzburg liefern, die ebenso zum Fellner-Konzern gehört. Das Team des Radiosenders wusste auf SN-Anfrage noch nichts von den Plänen.

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