- 30.06.2016, 10:14:54
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Road to Zero: Welche Förderinstrumente wir wirklich brauchen, und welche gar nicht.
200 Tage nach Paris weist noch wenig darauf hin, dass in Österreich Klimaschutz wirklich ernst genommen wird.
Utl.: 200 Tage nach Paris weist noch wenig darauf hin, dass in
Österreich Klimaschutz wirklich ernst genommen wird. =
Wien (OTS) - 200 Tage nach der Klimakonferenz in Paris weist noch
wenig darauf hin, dass in Österreich Klimaschutz wirklich ernst
genommen wird. Dieser Eindruck entsteht vor allem dann, wenn es ums
liebe Geld geht. Ganz im Gegenteil: Eine WIFO-Studie zeigt auf, dass
Förderungen von bis zu 4,7 Mrd. Euro jährlich sogar negative
Klimaeffekte haben. Die Mittel des Sanierungsschecks wurden heuer
wieder deutlich gekürzt. Einige Länder wenden
Nachhaltigkeits-Kriterien bei Förderungen gezielt den Rücken zu. Und
immer mehr Teile der Bauwirtschaft vertreten die Ansicht, dass
bereits genug getan wurde. Spielt in der Wohnbauförderung Umwelt- und
Klimaschutz überhaupt noch eine Rolle?
Förderkriterien zu 100 Prozent auf Klimaschutzziele ausrichten
„Zur effizienten Umsetzung der „Road to Zero“ bedarf es nicht nur der
entsprechenden Rahmenbedingungen wie z.B. der Förderinstrumente wie
die Wohnbauförderung oder den Sanierungschecks sondern auch
Kriterien, die 100-prozentig auf die Klimaschutzziele ausgerichtet
sind und die Innovationen in diesem Bereich beflügeln“, stellt
Hildegund Mötzl, vom Institut für Bauen und Ökologie IBO sowie
Leiterin des ACR-Schwerpunkts „Nachhaltig Bauen“ fest. Und:
„Keinesfalls darf unter dem Deckmantel des leistbaren Wohnens am
Klimaschutz gespart werden, denn dies wird, über den Lebenszyklus der
Wohnung gerechnet, sehr viel teurer und verfehlt die Road to Zero.“
In Hinblick auf das Pariser Abkommen ist die aktuelle heimische
Entwicklung sogar zu hinterfragen. Monika Auer und Inge
Schrattenecker von der Österreichische Gesellschaft für Umwelt und
Technik ÖGUT: „Pünktlich zur Ratifizierung des Pariser Klimaabkommens
kündigen die Bundesländer an, sich bei der Wohnbauförderung zum Thema
Energieeffizienz künftig an den Bauordnungen zu orientieren und keine
weitergehenden Anforderungen mehr zu stellen.“ Die Argumente: Geld
gibt es am freien Markt günstiger als beim Land; die Kontrollen der
Einkommen über die Laufzeit mit drohenden Rückzahlungen bei
Überschreitungen der Einkommenshöchstgrenze und die hohen
Energieeffizienzstandards. Dazu Auer und Schrattenecker unisono:
„Dass man „günstiger“ baut, wenn man keinen besonderen Wert auf
Energieeffizienz legt, ist mittlerweile widerlegt. Im Paris Agreement
steht zudem nicht, dass wir die Klimaerwärmung nur dann bei 2° C
begrenzen wollen, wenn das billiger ist als alle Alternativen.“
„Wollen wir das Klimaziel von 1,5 Grad, das auf der Klimakonferenz in
Paris 2015 ins Visier genommen wurde, erreichen, müssen Förderungen,
Subventionen und Bauordnungen gleichermaßen zukünftig auch
hinsichtlich ihrer Umwelt- und Klimaeffekte bewertet werden. Heute
neu gebaute oder sanierte Gebäude werden frühestens 2056 wieder
energetisch verbessert. Daher ist ab sofort der energetisch beste
Standard erforderlich“, ist Günter Lang von Passivhaus Austria
überzeugt.
„Solange es für die Sanierung in Österreich keine streng
einzuhaltenden thermisch-energetischen Standards über das
Ordnungsrecht gibt, hat Wohnbauförderung die zentrale Aufgabe,
deutliche Anreize für den klimatauglichen und sozial verträglichen
Umbau des Wohngebäudebestandes zu leisten“, fordert auch Franziska
Trebut (ÖGUT) umweltrelevante Förderkriterien.
Empfehlung: sofortige Ausarbeitung eines Mehrsäulen-Modells
„Gebäude mit geringerer Dichte rutschen derzeit durch den Rost:
Einfamilienhäuser dürfen beim Niedrigstenergiegebäude ebenso wie der
Sanierung mehr als doppelt so viel Energie für Heizung pro
Quadratmeter verbrauchen, als Geschoßwohnungsbauten. Dass muss in
Zukunft heftig hinterfragt werden. Vor allem auch deshalb, weil
bislang österreichweit knapp 60 Prozent der gesamten Wohnflächen im
Ein- und Zweifamilienhaus realisiert wurden. Das Fördersystem der
Zukunft muss hocheffiziente Wohnbauten unterstützen, gleichzeitig den
Flächenverbrauch pro Kopf reduzieren und die Restenergie mit
erneuerbaren Energieträgern bereitstellen“, stellt Robert Lechner von
der Österreichischen Gesellschaft für Nachhaltiges Bauen ÖGNB fest –
und: „Ich empfehle die sofortige Ausarbeitung eines
Mehrsäulen-Modells (Details siehe Kommentar) mit Schwerpunkten
Effizienz (Passivhaus und vergleichbar), Erneuerbare Energieträger
(Solar, Geothermie, Biomasse, hocheffiziente KWK) und Verdichtung
(Reduktion Pro-Kopf-Verbrauch an Fläche).“
Expertenkommentare, Exzerpte von Studien und mehr zum Thema unter
www.nachhaltiges-bauen.jetzt/road-to-zero.
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