Road to Zero: Welche Förderinstrumente wir wirklich brauchen, und welche gar nicht.

200 Tage nach Paris weist noch wenig darauf hin, dass in Österreich Klimaschutz wirklich ernst genommen wird.

Wien (OTS) - 200 Tage nach der Klimakonferenz in Paris weist noch wenig darauf hin, dass in Österreich Klimaschutz wirklich ernst genommen wird. Dieser Eindruck entsteht vor allem dann, wenn es ums liebe Geld geht. Ganz im Gegenteil: Eine WIFO-Studie zeigt auf, dass Förderungen von bis zu 4,7 Mrd. Euro jährlich sogar negative Klimaeffekte haben. Die Mittel des Sanierungsschecks wurden heuer wieder deutlich gekürzt. Einige Länder wenden Nachhaltigkeits-Kriterien bei Förderungen gezielt den Rücken zu. Und immer mehr Teile der Bauwirtschaft vertreten die Ansicht, dass bereits genug getan wurde. Spielt in der Wohnbauförderung Umwelt- und Klimaschutz überhaupt noch eine Rolle?

Förderkriterien zu 100 Prozent auf Klimaschutzziele ausrichten „Zur effizienten Umsetzung der „Road to Zero“ bedarf es nicht nur der entsprechenden Rahmenbedingungen wie z.B. der Förderinstrumente wie die Wohnbauförderung oder den Sanierungschecks sondern auch Kriterien, die 100-prozentig auf die Klimaschutzziele ausgerichtet sind und die Innovationen in diesem Bereich beflügeln“, stellt Hildegund Mötzl, vom Institut für Bauen und Ökologie IBO sowie Leiterin des ACR-Schwerpunkts „Nachhaltig Bauen“ fest. Und:
„Keinesfalls darf unter dem Deckmantel des leistbaren Wohnens am Klimaschutz gespart werden, denn dies wird, über den Lebenszyklus der Wohnung gerechnet, sehr viel teurer und verfehlt die Road to Zero.“

In Hinblick auf das Pariser Abkommen ist die aktuelle heimische Entwicklung sogar zu hinterfragen. Monika Auer und Inge Schrattenecker von der Österreichische Gesellschaft für Umwelt und Technik ÖGUT: „Pünktlich zur Ratifizierung des Pariser Klimaabkommens kündigen die Bundesländer an, sich bei der Wohnbauförderung zum Thema Energieeffizienz künftig an den Bauordnungen zu orientieren und keine weitergehenden Anforderungen mehr zu stellen.“ Die Argumente: Geld gibt es am freien Markt günstiger als beim Land; die Kontrollen der Einkommen über die Laufzeit mit drohenden Rückzahlungen bei Überschreitungen der Einkommenshöchstgrenze und die hohen Energieeffizienzstandards. Dazu Auer und Schrattenecker unisono:
„Dass man „günstiger“ baut, wenn man keinen besonderen Wert auf Energieeffizienz legt, ist mittlerweile widerlegt. Im Paris Agreement steht zudem nicht, dass wir die Klimaerwärmung nur dann bei 2° C begrenzen wollen, wenn das billiger ist als alle Alternativen.“

„Wollen wir das Klimaziel von 1,5 Grad, das auf der Klimakonferenz in Paris 2015 ins Visier genommen wurde, erreichen, müssen Förderungen, Subventionen und Bauordnungen gleichermaßen zukünftig auch hinsichtlich ihrer Umwelt- und Klimaeffekte bewertet werden. Heute neu gebaute oder sanierte Gebäude werden frühestens 2056 wieder energetisch verbessert. Daher ist ab sofort der energetisch beste Standard erforderlich“, ist Günter Lang von Passivhaus Austria überzeugt.

„Solange es für die Sanierung in Österreich keine streng einzuhaltenden thermisch-energetischen Standards über das Ordnungsrecht gibt, hat Wohnbauförderung die zentrale Aufgabe, deutliche Anreize für den klimatauglichen und sozial verträglichen Umbau des Wohngebäudebestandes zu leisten“, fordert auch Franziska Trebut (ÖGUT) umweltrelevante Förderkriterien.

Empfehlung: sofortige Ausarbeitung eines Mehrsäulen-Modells „Gebäude mit geringerer Dichte rutschen derzeit durch den Rost:
Einfamilienhäuser dürfen beim Niedrigstenergiegebäude ebenso wie der Sanierung mehr als doppelt so viel Energie für Heizung pro Quadratmeter verbrauchen, als Geschoßwohnungsbauten. Dass muss in Zukunft heftig hinterfragt werden. Vor allem auch deshalb, weil bislang österreichweit knapp 60 Prozent der gesamten Wohnflächen im Ein- und Zweifamilienhaus realisiert wurden. Das Fördersystem der Zukunft muss hocheffiziente Wohnbauten unterstützen, gleichzeitig den Flächenverbrauch pro Kopf reduzieren und die Restenergie mit erneuerbaren Energieträgern bereitstellen“, stellt Robert Lechner von der Österreichischen Gesellschaft für Nachhaltiges Bauen ÖGNB fest – und: „Ich empfehle die sofortige Ausarbeitung eines Mehrsäulen-Modells (Details siehe Kommentar) mit Schwerpunkten Effizienz (Passivhaus und vergleichbar), Erneuerbare Energieträger (Solar, Geothermie, Biomasse, hocheffiziente KWK) und Verdichtung (Reduktion Pro-Kopf-Verbrauch an Fläche).“

Expertenkommentare, Exzerpte von Studien und mehr zum Thema unter www.nachhaltiges-bauen.jetzt/road-to-zero.

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