• 30.06.2016, 10:06:59
  • /
  • OTS0065 OTW0065

ANIMAL SPIRIT: 26 halbzahme Grau- und Hausgänse sollen an der Ybbs „entsorgt“ werden

Eine außergewöhnliche, aber leider auch alltägliche Geschichte von Tiervernichtung, die immer noch viel zu oft vorkommt.

Tierschützerin Margret Sapinsky und "ihre" Graugänse an der Ybbs
bei Winklarn

Utl.: Eine außergewöhnliche, aber leider auch alltägliche Geschichte
von Tiervernichtung, die immer noch viel zu oft vorkommt. =

Laaben (OTS) - Seit ca. 12 Jahren betreut und füttert eine engagierte
Tierfreundin aus der Nähe von Amstetten, NÖ ehrenamtlich eine kleine
Grauganskolonie, zu der sich auch ausgesetzte Hausgänse gesellt
haben, an der Ybbs bei Winklarn. So entstand im Laufe der Jahre ein
enger Kontakt zwischen den insgesamt 26 dort frei lebenden Tieren,
welche auch von anderen Tierfreunden betreut werden. Das Grundstück,
wo die Gänse jahrelang unbeschwert im Freien leben durften, wurde
kürzlich von der Gemeinde Winklarn aufgekauft. Leider wurde vom
Gemeinderat und Bürgermeister Gernot Lechner (ÖVP) beschlossen, diese
naturbelassene schöne Wiese zu „begradigen“. Der Bürgermeister
verkündete danach der „Gänsemutter“, daß die Tiere bald weg müßten
und im Tierpark Haag untergebracht würden. Das geschah aber nicht
(der Tierpark ist voll und nimmt zudem keine Hausgänse auf), es
fuhren vielmehr große Bagger auf, die 14 Tage lang die Gänse extrem
verängstigten. Die von der Tierfreundin seit 12 Jahren betreute
Gänsekolonie ist in ihrer Verzweiflung über die Zerstörung ihres
angestammten Territoriums zu tierliebenden Nachbarn geflohen, wo sie
vorläufig - bis ihre Jungen flugfähig sind - bleiben dürfen.

Nun hat der Bürgermeister mehrere Tafeln mit dem Wortlaut: "Bitte die
Tiere nicht füttern" am Zaun befestigen lassen. Dazu die
Gänseschützerin Margret Sapinsky: „Ich fragte bei der Gemeinde nach
und die Vizebürgermeisterin teilte mir mit, daß die Tiere sich selber
etwas zum Fressen suchen sollen, was sie aber nicht tun, da sie ja
jahrelang – vor allem im Winter - von Tierfreunden gefüttert worden
sind und so warten sie nur gänzlich verhungert in einer Ecke. Ich
gewinne den Eindruck, man will die Hausgänse einfach loswerden oder
verhungern lassen. Ich habe sie bis heute gefüttert und werde es auch
weiterhin tun, obwohl mir mit Anzeigen gedroht wird. Auch ist mir zu
Ohren gekommen, daß die Gänse (heimlich?) von Jägern erschossen
werden sollen!“

Vorgestern erhielt dann Frau Sapinsky vom Bürgermeister einen
Rsb-Brief mit folgendem Wortlaut: „… Die Gemeinde Winklarn hat dieses
Grundstück aufgrund eines langgehegten Wunsches der Bevölkerung
gekauft, um einen ungehinderten Zugang zur Ybbs zu schaffen. Die
Neugestaltung ist abgeschlossen und das Grundstück wird demnächst für
den Zugang zur Ybbs freigegeben. Ich darf Sie daher ersuchen,
innerhalb von 10 Tagen ab Zustellung dieses Schreibens der Gemeinde
Winklarn schriftlich bekanntzugeben, ob Sie der Halter der Gänse
sind. Es wird der Vollständigkeit halber darauf verwiesen, daß gem. §
1320 ABGB der Halter für die Verwahrung, Beaufsichtigung und auch für
die Schäden aus der Tierhaltung verantwortlich ist. Falls die
Gemeinde Winklarn innerhalb der oben genannten Frist keine Mitteilung
erhält bzw. für den Fall, daß Sie nicht Halterin der Gänse sind,
gelten die Gänse als ausgewilderte Tiere und herrenlos. Die Gemeinde
Winklarn wird die Gänse in der Folge entfernen lassen.“

Selbstverständlich „gehören“ aber diese halbwilden Tiere nicht Frau
Sapinsky, auch wenn sie diese jahrelang betreut und gefüttert hat.
Dazu Tierarzt Dr. Franz-Joseph Plank, Obmann der
Tierschutzorganisation ANIMAL SPIRIT: „Hier sieht man wieder mal ein
typisches Beispiel von österreichischer Behörden-Willkür, wenn es um
weitere Vernichtung der letzten natürlichen und unverbauten
Lebensräume für Mensch und Tier geht. Die Gänse versperren oder
hindern keinen Menschen daran, zum schönen Fluß Ybbs zu gehen; im
Gegenteil, die 26 halbzahmen Tiere sind über die Jahre zu einem Teil
der Landschaft geworden, die dort ihre Heimat gefunden haben, ohne
diese deswegen auch nur einem einzigen Menschen, der Ruhe und
Erholung in der Natur sucht, streitig zu machen. Das besagte
Grundstück ist groß genug, daß auch 26 Grau- und Hausgänse dort leben
können, so wie sie es bereits viele Jahre getan haben; die nötige
Betreuung könnte auch in Zukunft von der lokalen Bevölkerung und
vielen freiwilligen Tierfreunden organisiert werden – wenn die
Behörden nur wollten und nicht auf stur schalten. Viele Menschen in
Winklarn haben über die Jahre Freude an diesen Tieren gefunden und
sehen sie als Bereicherung. Auch Hausgänse sollten ein Recht auf
artgerechtes Leben haben, auch wenn diese intelligenten Tiere – wie
Millionen andere sog. „Nutztiere“ - sonst von Menschen umgebracht und
aufgegessen werden. Gerade jetzt, wo immer mehr Menschen mit Tieren
respektlos oder sogar brutal umgehen und Tierquälereien an der
Tagesordnung sind, sollte dieses positive Beispiel von Frau Sapinsky
dazu beitragen, die Gesellschaft wachzurütteln und aufzuzeigen, daß
eine friedlichere und respektvollere Einstellung gegenüber unseren
Mitgeschöpfen möglich ist.“

Dr. Plank abschließend: „Wenn alle Stricke reißen und die Tiere -
aufgrund der menschlichen Bürokraten und Naturzerstörer - wirklich
nicht in ihrer angestammten Heimat bleiben dürfen, wäre ANIMAL SPIRIT
auch bereit, zumindest die Hälfte der Tiere auf seinem Gnadenhof in
Esternberg, OÖ aufzunehmen.“

Bild(er) zu dieser Aussendung finden Sie im AOM / Originalbild-Service
sowie im OTS-Bildarchiv unter http://bild.ots.at

OTS-ORIGINALTEXT PRESSEAUSSENDUNG UNTER AUSSCHLIESSLICHER INHALTLICHER VERANTWORTUNG DES AUSSENDERS - WWW.OTS.AT | ANI

Bei Facebook teilen.
Bei X teilen.
Bei LinkedIn teilen.
Bei Xing teilen.
Bei Bluesky teilen

Stichworte

Channel