Vor 25 Jahren: „ZiB 2 History“ über „1991 – Krieg an Österreichs Grenze“

Außerdem am 28. Juni: „kreuz und quer: Wie Gewalt entsteht“ und „In the Land of Blood and Honey“ von Angelina Jolie

Wien (OTS) - Vor 25 Jahren beginnt der Zerfall von Österreichs Nachbarland Jugoslawien. Im Juni 1991 erklären Slowenien und Kroatien ihre Unabhängigkeit. Die bewaffneten Auseinandersetzungen mit der jugoslawischen Volksarmee sind der Auftakt zu einer Reihe von blutig geführten Kriegen zwischen Serben, Kroaten, Bosniern und Kosovo-Albanern. Österreich erlebt diese Kriege hautnah mit. Der ORF widmet dem zeitgeschichtlichen Ereignis am Dienstag, dem 28. Juni 2016, um 22.25 Uhr in ORF 2 eine von Lou Lorenz-Dittlbacher präsentierte „ZiB 2 History“. Um 23.10 Uhr geht es mit Kurt Langbeins „kreuz und quer“-Doku „Wie Gewalt entsteht“ weiter, ehe Angelina Jolies Regiedebüt „In the Land of Blood and Honey“ um 0.00 Uhr die Gräuel des Bosnien-Krieges ergreifend in Szene setzt.

„ZiB 2 History: 1991 – Krieg an Österreichs Grenze“ (22.25 Uhr, ORF 2)

1991 werden Bundesheersoldaten an die Grenze geschickt, Zehntausende Kriegsflüchtlinge suchen in den Neunziger Jahren Schutz in Österreich. Die fünfte Ausgabe der Sendereihe „ZiB 2 History“ bringt unter anderem Interviews mit dem damaligen Bundeskanzler Franz Vranitzky, mit dem letzten jugoslawischen Staatspräsidenten Stipe Mesic und dem ersten slowenischen Präsidenten Milan Kucan; außerdem Live-Schaltungen zu Christian Wehrschütz in Belgrad und zum langjährigen Balkan-Korrespondenten Fritz Orter in Sarajewo sowie ein Live-Gespräch mit dem ehemaligen Bosnien-Beauftragten Wolfgang Petritsch. Die „ZiB 2 History“ kommt live vom Grenzübergang Spielfeld, der 1991 umkämpft war und der 2015 zu einem „Hotspot“ in der aktuellen Flüchtlingskrise wurde. Moderation: Lou Lorenz-Dittlbacher

„kreuz und quer: Wie Gewalt entsteht“ (23.10 Uhr, ORF 2)

Nach der „ZiB 2 History“ wagt Kurt Langbein in seiner Dokumentation „Wie Gewalt entsteht“ in „kreuz und quer“ – präsentiert von Doris Appel – einen Streifzug durch wichtige Stationen der Geschichte. „Gewalt erzeugt Gewalt. Wir wissen, dass bei Menschen, die Gewalt erlebt haben, die Angstzentren sensibler werden und damit diese Person in ein höheres Risiko bringen, Angst oder Aggression zu erleben“, berichtet Neurobiologe Joachim Bauer von den Ergebnissen der Hirnforschung. Untersuchungen an 500 Opfern von Missbrauch und Gewalt durch kirchliche Einrichtungen belegen das – sie sind weit häufiger selbst wieder gewalttätig geworden als der Durchschnitt. „Was man in diesen Mauern da kennengelernt hat, das war einfach brutale Gewalt, auch innerhalb der Gruppe unter den Kindern. Wir waren auch brutal, wir waren Schweine. Wir haben das weitergegeben“, erzählt Gewaltopfer Franz Joseph Stangl.

Gewalt entstand durch Sesshaftigkeit. Archäologische Befunde zeigen, dass die Jäger und Sammler relativ friedlich lebten – sie gingen einander eher aus dem Weg, als einander im Konfliktfall den Schädel einzuschlagen. Erst mit dem Ackerbau und der Errichtung der ersten Dörfer entstand heftige Gewalt unter den Menschen. „Gewalt ist kein Trieb“, erklärt Bauer, „Gewalt ist eine Reaktion auf Schmerz und Angst.“ Ausgrenzung erzeugt Gewalt. Experimente zeigen: Menschen sind bereit, rund 50 Prozent der Schmerzreize für andere zu übernehmen – außer sie gehören verschiedenen Gruppen an. Testpersonen etwa, die Kleidungsstücke unterschiedlicher Fußballclubs trugen, zeigten deutlich geringere empathische Reaktionen und waren kaum noch bereit, anderen Testpersonen Schmerzen abzunehmen.

Ingroup und Outgroup als mörderisches Machtinstrument – diese Trennung in „uns“ und „die anderen“ wurde und wird in der Politik missbraucht. Die Geschichte des Nationalismus zeigt dies in erschreckendem Ausmaß – u. a. in Srebrenica in Bosnien, als 8.400 Menschen ermordet wurden. „Wir müssen Lehren daraus ziehen, dass es 50 Jahre nach dem Holocaust wieder möglich war, mit derselben Ideologie, nämlich nationalistischer Verhetzung, die Menschen dazu zu bringen, ihre Nachbarn in einem Völkermord zu töten“, sagt Menschenrechtsexperte Manfred Nowak, der lange als Richter des Internationalen Gerichtshofs in Bosnien war: „Die Demokratie muss entschlossen gegen alle vorgehen, die andere zu rassischem, religiösem Hass aufhetzen.“

„In the Land of Blood and Honey“ (0.00 Uhr, ORF 2)

Eindrucksvolles Regiedebüt von Oscarpreisträgerin Angelina Jolie, die auch das Drehbuch zu diesem ergreifenden Drama verfasst hat. Die leidenschaftliche Liebe der Protagonisten zerbricht am Misstrauen, das die Gräuel des Bosnienkrieges mit sich bringen. Hervorragend gespielt von Zana Marjanovic und Goran Kostic.

1992, Bosnien und Herzegowina: Die Bosnierin Ajla und der Serbe Danijel verlieben sich Hals über Kopf ineinander. Doch ihr Glück ist nur von kurzer Dauer. Der Ausbruch des Bürgerkriegs entzweit die beiden. Er wird Soldat, sie landet als Muslima in einem Internierungslager. Dort versucht sie Danijel zu schützen, so gut er nur kann. Als er ihr zur Flucht verhilft, nimmt er sie bei sich auf. Frei ist Ajla dennoch nicht. Trotz ihrer Leidenschaft füreinander, bleibt zwischen den beiden das Misstrauen bestehen. Bis es zum Verrat kommt.

Die „ZiB 2 History“ und „kreuz und quer. Wie Gewalt entsteht“ sind auf der Video-Plattform ORF-TVthek (http://TVthek.ORF.at) – vorbehaltlich vorhandener Online-Lizenzrechte – als Live-Stream sowie nach der TV-Ausstrahlung sieben Tage als Video-on-Demand abrufbar.

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