• 26.06.2016, 09:28:09
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Umfrage: ÖsterreicherInnen wünschen sich mehr Kinder

Hohe Diskrepanz zwischen gewollten und geborenen Kindern.

Utl.: Hohe Diskrepanz zwischen gewollten und geborenen Kindern. =

Wien (OTS) -
Eine aktuelle repräsentative Umfrage bestätigt, dass die Österreicher
sich etwa 50% mehr Kinder wünschen, als sie tatsächlich haben. Als
ideal werden zwar zwei Kinder angesehen, tatsächlich bekommen Frauen
aber im statistischen Durchschnitt nur 1,4 Kinder. Österreich liegt
damit im letzten Drittel der europäischen Länder und unter dem
europäischen Durchschnitt von 1,5 (GGP 2013). Erstmalig wurde auch
gefragt, was die Entscheidung für ein (weiteres) Kind erleichtern
würde. Fazit: Menschen mit unrealisiertem Kinderwunsch leiden unter
den zunehmend belastenden Arbeitsbedingungen und an den unflexiblen
Kinderbetreuungsmöglichkeiten.

Langfristig stabile Beziehung gewünscht

Den ungebrochen hohen Trennungsraten zum Trotz: Hier sind sich alle
befragten Gruppen einig, dass für die Entscheidung für ein Kind eine
langfristig stabile Beziehung am wichtigsten ist. Auffallend ist,
dass eine stabile Beziehung nahezu für alle jungen Frauen (bis 30
Jahre) enorm wichtig ist (95%). Mit dem Alter (30-49 Jährige) geht
diese Bedeutung auf 51% zurück. Für Männer ist es ebenfalls der
wichtigste Aspekt (84% bei den bis 30 jährigen und 68% ab 40 Jahren).
Besonders wichtig ist eine stabile Beziehung auch für diejenigen, die
noch keine Kinder haben (77%). Ähnlich verhält es sich mit der
zweithäufigsten Nennung, dem Wunsch nach mehr Zeit des Partners für
die Familie. Diese Ergebnisse bestätigen die Analyse der
Politikwissenschaftlerin Dr.in Mariam Irene Tazi-Preve: “Die Struktur
der Kleinfamilie selbst erweist sich als das Problem. Mütter und
Väter sind überlastet. Was benötigt wird, ist ein soziales Netz von
vielen Personen, die gemeinsam die Kinder aufziehen.”

Mehr Verständnis für Familien

Damit sich Menschen für mehr Kinder entscheiden, erwarten sie:
-mehr Verständnis für Familien in unserer Gesellschaft
-Höhere Akzeptanz für Mütter am Arbeitsplatz
-Bessere Vereinbarkeit von Arbeit und Familie
-Höhere Familienbeihilfe
-Höheres Familieneinkommen

All diese Aspekte werden vor allem von Frauen bis 30 Jahre genannt
(über 50%), also von jener Gruppe, die den höchsten Kinderwunsch
äußert. Für Männer sind diese Aspekte deutlich weniger wichtig (<
40%). Allerdings gewinnt die Forderung nach mehr Verständnis für
Familien in unserer Gesellschaft bei Personen mit Kindern deutlich an
Bedeutung, was wohl auf einschlägige schlechte Erfahrungen
zurückgeführt werden kann. Der Wunsch nach kostenloser
Kinderbetreuung und längeren Kindergarten-Öffnungszeiten wird von
mehr als der Hälfte der unter-dreißigjährigen Frauen und von Menschen
mit geringerem Monatseinkommen (33%) als sehr wichtig genannt. Dies
ist für Männer deutlich weniger wichtig (18% halten es für sehr
wichtig).

Kinder erst nach 30

Knapp die Hälfte der ÖsterreicherInnen im Alter 18-49 Jahre hat
eigene Kinder (48%). Allerdings wird die Entscheidung für ein Kind
meist erst nach dem 30. Lebensjahr verwirklicht, nur 19% aller Frauen
unter 30 haben ein Kind - 76% nach 30.

Größter Kinderwunsch bei jungen Menschen und Männern

73% der jungen Frauen und Männer (18-29 Jahre) wünscht sich Kinder.
Nach dem 30.Lebensjahr geht der Kinderwunsch aber sehr stark zurück,
vor allem bei Frauen auf 16%. Auch bei Männern ist der Rückgang des
Kinderwunsches mit dem Alter auch markant, wobei sich in dieser
höheren Altersgruppe aber mit 30% doppelt so viele Männer (weitere)
Kinder wünschen wie Frauen. Dass der Kinderwunsch von Frauen über 30
sinkt, erklärt die Soziologin Dr.in Tazi-Preve. “Noch nie hat es eine
derart überlastete Müttergeneration gegeben wie heute. Erstmals
steigen in den USA die Sterberaten dieser Frauen im mittleren Alter
an und ihr Arbeitsaufkommen war noch nie so hoch. Deswegen geht der
Kinderwunsch nach dem ersten Kind so rapide zurück. Auch die
Diskrepanz zwischen Wunsch und Wirklichkeit ist in der Demographie
belegt. Männer wünschen sich mehrere Kinder, inzwischen mehr als
Frauen, sind aber am Arbeitsplatz womöglich noch mehr gefordert als
zuvor. D.h. sie arbeiten länger und sind daher als Vater noch weniger
präsent. Da schlägt sich das traditionelle Männerbild mit jenem von
Fürsorge und Zuwendung. Und die neoliberale Arbeitswelt bewirkt, dass
Arbeitsplätze prekärer werden, schlecht bezahlt und unsicher und
somit zur familiären Unsicherheit beitragen.”

Kinder: je mehr man hat, desto weniger will man noch

73% der kinderlosen Männer und Frauen wünschen sich Kinder. Von
denjenigen mit einem Kind wünschen sich jedoch nur noch 13% ein
weiteres und bei 2 Kindern ist der Wunsch nach weiteren gar nicht
mehr vorhanden. Mit 86% ist der Wunsch nach mehreren Kindern bei
Männern stark ausgeprägt, wohingegen sich dies nur 56% der Frauen
wünschen.

Familienpolitik muss Bedürfnisse der Menschen berücksichtigen

Auftraggeber der Studie ist das Gynmed Ambulatorium für
Familienplanung und Schwangerschaftsabbruch in Wien. Dieses hat v.a.
mit Frauen/Paaren zu tun, die in ihrer aktuellen Lebenssituation kein
(weiteres) Kind verantwortungsvoll ins Leben begleiten können. Da
aber fast alle Frauen, die zu einem Schwangerschaftsabbruch kommen,
sich grundsätzlich noch (weitere) Kinder wünschen, wollte man die
Voraussetzungen für die Realisierung dieses Kinderwunsches erheben.
Gynmed-Leiter DDr. Christian Fiala: „Es ist nachvollziehbar, dass der
Wunsch nach einer langfristig stabilen Beziehung und Aufteilung der
Familienarbeit als zentrale Rahmenbedingung für die Realisierung
eines Kinderwunsches angesehen wird. Will der Staat die Menschen in
der Umsetzung ihres Lebensplanes mit gewollten Kindern unterstützen,
müssen also bessere Rahmenbedingungen geschaffen werden, beide
Elternteile die Kindererziehung gut umsetzen können. Auch dann, wenn
die Beziehungen von immer kürzer Dauer sind. Dazu bedarf es mehr
Verständnis und höhere Akzeptanz der Bedürfnisse von Familien, wie
z.B. höhere Familienbeihilfe, höhere Familieneinkommen, flexiblere
Arbeitsbedingungen und verbesserte Kinderbetreuung. Diese Maßnahmen
würde Paaren ermöglichen, die Anzahl an Kindern zu bekommen, die sie
sich wünschen.“ Die Umfrage bestätigt die Notwendigkeit einer
Familienpolitik, die einerseits Paare mit ihrem Kinderwunsch fördert,
und gleichzeitig Menschen in der Vorbeugung ungewollter
Schwangerschaften unterstützt. Um die Prävention ungewollter
Schwangerschaften zu verbessern, hat Gynmed den Österreichischen
Verhütungsreport ins Leben gerufen. www.verhuetungsreport.at
www.gynmed.at

Methodik
Die Befragten stellen einen repräsentativen Querschnitt der österr.
Bevölkerung zwischen 18 und 49 Jahren dar. Es wurden 254
ÖsterreicherInnen telefonisch im Rahmen des INTEGRAL Telebus
(Mehrthemenumfrage) befragt. Durchführung: Mai 2016.

Grafiken: http://www.gynmed.at/umfrage-kinderwunsch-in-oesterreich

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