• 22.06.2016, 15:03:57
  • /
  • OTS0207 OTW0207

Große, aber verhaltene Erwartungen in diesjährige Getreideernte in Österreich

LK lehnt GVO-Züchtungen strikt ab - Gegen Patent auf Sorten und Züchtungsmethoden

Utl.: LK lehnt GVO-Züchtungen strikt ab - Gegen Patent auf Sorten
und Züchtungsmethoden =

Wien (OTS) - "Wie der Stand der Kulturen gezeigt hat, dürfen wir
große Erwartungen in die heurige Ernte haben, doch die Erfahrung hat
uns auch gelehrt, dass bis zur Ernte noch viel passieren kann", so
verhalten optimistisch gaben sich heute die Präsidenten der
Landwirtschaftskammern Österreich, Burgenland und Wien bei ihrer
alljährlichen Pressekonferenz, die eine erste Vorabschätzung der
bevorstehenden Ernte geben soll. Generell hofft, man, dass die
aktuell guten Aussichten für eine überdurchschnittliche Erntemenge
bis zuletzt bleiben. Was die Vermarktung betrifft, sei für Österreich
entscheidend, ob gut bezahlte Qualitäten erreicht werden, sind sich
die LK-Präsidenten einig.

Bei den Wintersaaten boten sich den Bauern in großen Teil des
Bundesgebietes günstige Anbaubedingungen. Ein milder Winter mit
moderatem Niederschlag verhinderte Auswinterungsschäden, sodass sich
die Herbstsaaten günstig entwickeln konnten und auch für die spät
bestellten Flächen noch brauchbare Wuchsbedingungen vorherrschten.
Lediglich die Frostnächte Ende April führten zu Ausfällen bei Mais
und Kürbis in Südösterreich, aber auch zu Schäden bei Raps und Gerste
in weiten Anbaugebieten. Bei den anderen Ackerkulturen führten die
darauffolgenden niedrigen Temperaturen zu einem verzögerten Wachstum.
Bedingt durch den milden Winter und die feuchtwarme Witterung im
weiteren Frühjahr kam es zu einem stärkeren Schädlingsdruck sowie
stärkerem Auftreten von Pilzkrankheiten. Erneut zeigen die
Weizenflächen deutliche Infektionen mit Gelb- und Braunrost sowie
Mehltau, die eine Behandlung wirtschaftlich sinnvoll machten. Bei
unbehandelten Flächen mit anfälligen Sorten ist wieder mit deutlichen
Ertragseinbußen zu rechnen.

Großes Flächenplus bei Ölkürbis, Hartweizen und Dinkel

Ölkürbis (+22,6%), Hartweizen (+22%) und Dinkel (+24%) zählen zu
den großen Gewinnern der diesjährigen Flächenverschiebungen. "Die
Gründe beim Hartweizen sind, dass die heimischen Qualitäten auf dem
Markt gut angenommen werden und die Preise in den vergangenen Jahren
recht stabil waren. Bei dieser Kultur spielt aber auch das
Erntewetter eine entscheidende Rolle", erläuterte Hermann Schultes,
Präsident der LK Österreich. Die Weichweizenfläche hat trotz
schwächerer Preise der letzten Ernte um 1,8% zugenommen. Sommergerste
ist mit -19,9% hingegen der große Verlierer. Damit folgt diese Kultur
einem langjährigen Abwärtstrend, während Wintergerste gemäß der
Entwicklung der letzten Jahre erneut um 1,7% zulegte. Die
Roggenfläche schrumpfte heuer abermals um 5,4%, während Triticale
wiederum einen Zuwachs von 2,1% verbuchen kann. "Das zeigt uns, dass
die Ethanolproduktion in Pischelsdorf doch Auswirkungen auf die
Anbaupraxis hat", so Schultes. Unerwartete Zugewinne (5,7%) verbucht
Ölraps. Damit wird ein Abwärtstrend, der seit 2014 aufgrund
zunehmender Schädlingsprobleme seit dem Verbot der neonicotinoiden
Beizmittel herrschte, durchbrochen. Die aktuelle Fläche liegt
trotzdem weiterhin um 25% unter dem Niveau von 2014.

Aufgrund der schlechten Anbauerfahrungen im sehr trockenen Sommer
des Vorjahres ist heuer auch die Sojafläche um 12% kleiner
ausgefallen.

LK Österreich für patentfreie Sorten und Züchtungsmethoden

Schultes verwies in diesem Zusammenhang auf die Bedeutung
bisheriger heimischer Pflanzenzüchtungen "zur Sicherung der Erträge
und damit der Versorgungssicherheit in Zeiten des fortschreitenden
Klimawandels" und betonte ausdrücklich, dass "gentechnisch veränderte
Organismen in Österreich unerwünscht sind" und die LK Österreich sich
daher "strikt gegen eine Patentierung von Sorten wie auch von
moderner biologischer Züchtung" ausspricht. Alle Sorten und Wege in
der Pflanzenzucht, die außerhalb der gültigen
EU-Gentechnik-Gesetzgebung entwickelt werden, sowie ihre Produkte
sollen somit auch die Teilnahme kleiner und mittelständischer
Unternehmen in Österreich sowie Europa am Züchtungsfortschritt
ermöglichen.

"Es geht uns um eine klare Abgrenzung zu den nicht erwünschten
Methoden der klassischen gentechnischen Veränderung, worüber derzeit
auf europäischer Ebene diskutiert wird", so der Präsident. Bisher hat
Österreich mit dem Sortenschutz ein sehr gut funktionierendes System,
das es einem Züchter erlaubt, jedwedes "Material", auch eingeführte
Sorten eines Mitbewerbers, für seine Züchtungsarbeit zu verwenden
(sogenanntes Züchterprivileg). Ebenso kann und darf ein Landwirt das
von ihm produzierte Saatgut auf seinem Betrieb selbst verwenden
(Landwirteprivileg). Das diskutierte EU-Patentrecht will diese beiden
Privilegien kippen. Beides sei jedoch unverzichtbar, so Schultes,
"das Züchterprivileg ist Grundvoraussetzung für die Anpassung und
Verbesserung der in der Landwirtschaft verwendeten Sorten an den
Standort und die Region". Die LK tritt daher dafür ein, die
EU-Regelung über die "absichtliche Freisetzung genetisch veränderter
Organismen in die Umwelt" als Messlatte anzulegen und fordert, dass
jede Pflanzenzüchtungsmethode wissenschaftlich diskutiert und einzeln
beurteilt wird.

Hautzinger: Für Bauern Planbarkeit und für Bevölkerung
hochqualitative Lebensmittel sichern

Im Burgenland hat der Frost Ende April beim blühenden Winterraps
und lokal auch bei Wintergerste und Mais kleinere Schäden verursacht.
Laut LK-Präsident Franz Stefan Hautzinger seien die Bestände
"durchwegs zufriedenstellend" und er "sehr zuversichtlich" für eine
überdurchschnittliche Getreideernte über dem 10- und 20-jährigen
Durchschnitt (geschätzte 305.000 t, was einem Plus von 7% gegenüber
2015 entspräche). Im Vorjahr sei der Drusch zu diesem Zeitpunkt
bereits angelaufen, "doch auch in den Frühdruschgebieten des
Burgenlands ist die Pflanzenentwicklung dieses Jahr noch nicht so
weit, die Abreife kann nun aber sehr rasch erfolgen".

Hautzinger verwies gleichzeitig auf den Umstand, dass die
Lebensmittelproduktion auf Agrarflächen zu 80% wetterabhängig ist und
damit Ernteerfolge nicht planbar seien. Daher sei die kürzlich
erfolgte Reform des Katastrophenfonds- und des
Hagelversicherungsgesetzes mit einer Ausweitung um zusätzliche
Risiken "ein großer Durchbruch" für die heimische Landwirtschaft.
"Dass vor Kurzem auch die burgenländische Landesregierung der 25%igen
Subventionierung der Versicherungssumme zugestimmt hat, womit auch
die gleich hohen Bundesmittel ausgelöst werden, freut uns besonders,
denn damit werden die burgenländischen Bauern endlich ihren
Berufskollegen aus anderen Bundesländern gleichgestellt. Damit wird
die wirtschaftliche Planbarkeit für unsere Betriebe stark erhöht", so
Hautzinger.

Er unterstrich weiters die Forderungen seines Kollegen Schultes
nach mehr Mitteln für die Forschung, um den österreichischen Bauern
weiterhin Getreidesorten anbieten zu können, "die nicht nur höhere
Qualitäten und Erträge liefern, sondern auch wirkungsvollere
Resistenzen oder Toleranzen gegen Krankheiten und Schädlinge
bringen". Ebenso notwendig sei eine bessere Überwachung der Bestände.

Windisch: Hohe Niederschlagsmenge wirkt sich positiv aus

Wiens Ackerbauern gehen aufgrund des regelmäßigen und
ausreichenden Regens im laufenden Wirtschaftsjahr von einer
quantitativ guten bis sehr guten Ernte aus. "Durch die
überdurchschnittlich starken Niederschläge hat sich das Getreide
hervorragend entwickelt. Bestände, die vor jener Regenfront im
Oktober angebaut wurden, weisen eine sehr üppige Bestockung auf, die
allerdings mancherorts die Durchlüftung stören, was den
Krankheitsdruck für das Stroh erhöht. Ausgehen können wir heuer von
hohen Tonnagen, doch wie sich das finanziell auswirkt, ist noch
unklar", fasste Präsident Franz Windisch die Erwartungen für das
Erntejahr 2016 zusammen. "Insgesamt kann man jetzt schon sagen, dass
mit einer quantitativ überdurchschnittlichen Menge zu rechnen ist.
Die eingefahrenen Qualitäten hängen noch vom Witterungsverlauf der
nächsten Wochen, der Reifephase und dem anschließenden Druschwetter
ab."

Hartweizenfläche mit +46%, Wintergerstenfläche legt um 33% zu

Der Getreideanbau spielt in Wien neben Hackfrüchten und Feldgemüse
eine sehr wichtige Rolle. Winterweichweizen als stärkste Kultur
verzeichnet heuer wieder einen Flächenanstieg von 15%. Ein sehr
starkes Plus von 46% gibt es bei Hartweizen, "verursacht durch die
große Preisdifferenz von 100 Euro, die im Vorjahr zu Qualitätsweizen
bestanden hat", erläuterte Windisch. Die Sommerbraugerstenfläche ist
trotz schwieriger Produktionsbedingungen (Eiweißgehalt) stabil
geblieben. Immer mehr Landwirte nutzten jedoch den alternativen Anbau
von Winter- als Braugerste, sodass sich hier ein Flächenplus von 33%
ergibt, das aber aufgrund einzelner noch nicht geräumter Lager dazu
führen kann, dass Lagerraum eventuell knapp wird. Der Anstieg der
Triticale- und Roggenfläche sei auf die stetig steigende Zahl an
Umstellungsbetrieben auf Bio zurückzuführen.

Blaimauer: Witterungsverlauf wirkt sich positiv auf neue
Sortengenerationen aus

"Die Bedingungen zur Herbstaussaat 2015 waren für Winterkörnerraps
und Wintergetreide ideal. Günstige Auflaufbedingungen und ausreichend
Niederschläge haben sie gut in einen sehr milden Winter gehen lassen.
Bei Winterkörnerraps hat sich der Schädlingsdruck in Grenzen
gehalten, was infolge ausreichender Niederschläge sowie einer
außerordentlich langen Blühphase und mit mäßigen Temperaturen während
der Abreife sehr gute Erträge erwarten lässt", erklärte Johann
Blaimauer, Bereichsleiter Saatgut und Holz der Raiffeisen Ware
Austria (RWA).

Auch bei Getreide haben die Bestände gut bestockt und aufgrund des
zeitigen Vegetationsbeginns besonders massige Bestände entwickelt,
was zumindest eine überdurchschnittliche Strohmasse voraussagen
lässt. Eine sehr aggressive Gelbrost- und Septoriabefallsphase konnte
von der neuen Sortengeneration aufgrund vorhandener Resistenz gut
pariert werden.

"Durch den mäßigen Temperaturverlauf und eine gute
Niederschlagsverteilung kann von einer optimalen Kornfüllungsphase
ausgegangen werden. Vor allem die späten Sorten werden die längere
Vegetationsdauer vorteilhaft nutzen und das besonders hohe genetische
Ertragspotenzial weitgehend ausschöpfen können. Bei Qualitätsweizen
wird der tatsächlich zu realisierende Proteingehalt von einer
ausreichenden, der hohen Ertragserwartung entsprechenden, späten
Stickstoffabgabe abhängen", so der RWA-Experte abschließend.
(Schluss) wol

OTS-ORIGINALTEXT PRESSEAUSSENDUNG UNTER AUSSCHLIESSLICHER INHALTLICHER VERANTWORTUNG DES AUSSENDERS - WWW.OTS.AT | AIM

Bei Facebook teilen.
Bei X teilen.
Bei LinkedIn teilen.
Bei Xing teilen.
Bei Bluesky teilen

Stichworte

Channel