Sans Papiers – Ambassadors for World Migration

Fußballer als Botschafter der Emigration/Immigration - Footballers as Ambassadors in a Migrating World

Wien (OTS) - Der Verein „FC Sans Papiers – Die Bunten“ spielt in der Wiener Liga B 2. Klasse und fördert seit 2002 die Integration Jugendlicher aus vorwiegend Drittstaaten, die in Österreich leben. FC Sans Papiers – Die Bunten spielen stellvertretend für alle Menschen ohne gültige Dokumente/Illegalisierte, damit „Emigration/Immigration als universale Grundrechte“ Gültigkeit haben.

Das Team des FC Sans Papiers wurde ins Leben gerufen, damit junge Männer im Asylverfahren im Alltag nicht die Balance verlieren und die Gesellschaft für sich erschließen können. Beim Fußballsport lernen sie, ihre innere Stärke zu kultivieren, um sich auch abseits des Spielfelds behaupten zu können. Die Begegnung innerhalb des eigenen und mit den anderen Teams fördert die Kenntnis von Sitten und Regeln demokratischer Fairness sowie Respekt gegenüber jeglichen Gegnern. Pünktlichkeit und Disziplin im Wettkampf sowie Respekt vor den Gesetzen des Landes gehören mit zum Bewusstsein eines „Botschafters/Ambassadors” durch den Fußballsport jener Menschen, die der Staat bisher noch ausschließt oder diskriminiert.

Die Dynamik der Begegnung zwischen jungen Leuten im Zeichen des Fußballs ist somit ihre Botschaft und ihre Kunst als Mit-Architekten der Gesellschaft. Die Vergesellschaftung von morgen, die einen diversitären Pluralismus der Demokratie bedeuten kann, braucht diese Botschafter.

Dr. Di-Tutu Bukasa, Obmann und Leiter des Fußballklubs:

„Bereits vor ca. 20 Jahren kündigte sich die starke Änderung der weltpolitischen Landschaft im Zusammenhang mit der Expansion des Finanzkapitalismus an. Im Anspruch auf die im Westen gewollte Globalisierung wurde die Bewegung des Kapitals zu etwas Heiligem und nicht diskutierbar erklärt. Für die Standorte des Kapitals gilt allein, wo die Bedingungen optimal sind, wo die höchste Rendite lockt. Für diejenigen, die Finanzströme um den Erdball jagen, ist der Raum aufgehoben. Damit ist der „clash” zwischen Menschen, die das Kapital in der Welt bewegen, die die Denationalisierung der Bewegung des Kapitals zu einem „Glauben” gemacht haben, und jener „Menge”, die dadurch gezwungen ist, sich jenseits ihrer ursprünglichen Heimat bzw. ihres Nationalstaats zu bewegen, gegeben. Unter dem Diktat der Globalisierung lernt man, dass die Universalität der Werte, nämlich Liberté, Egalité und Fraternité (Freiheit, Gleichheit und Brüderlichkeit) eine Chimäre ist. Viele Opfer der Globalisierung gelten hierzulande als „Illegale“. In Österreich verharren sie meist Jahre in einem System, das sie zwischen gesellschaftlicher Ablehnung und Schubhaft – wie einen Spielball – hin und her wirft.

Somit schließt sich der Fußball-Club dem klassischen, humanistischen Appell „Kein Mensch ist illegal!“ an und ruft in einer Werbe und Plakatkampagne zu Solidarität auf.

Emigration/Immigration als Grundrecht

Das Recht auf Mobilität ist ein Grundrecht, wird aber nur unter bestimmten Umständen zugelassen. Doch wenn Menschen infolge von Auswanderung in einem solchen Ausmaß sterben wie vor vier Wochen, als knapp 900 Menschen im Mittelmeer ertranken, dann ist das nicht nur ein Symptom für die Tragik, die sich hinter der Migration verbirgt oder nur ein Symbol dafür, dass die Weltordnung des „Nationalstaates“ selbst durch die Vereinten Nationen und ihrer Architektur als Grundlage betrachtet wird, um Demokratie, Ökonomie, sozialen Frieden und Menschrechte zu sichern, längst überwunden sind, und daher neu definiert werden muss.

Forderungen und Ziele der Kampagne

Der Schutz der identitätsbildenden Lebensformen und Traditionen soll letztendlich der Anerkennung ihrer Mitglieder dienen. Das Recht auf gleichen Respekt, den jeder auch in seinen identitätsbildenden Lebenszusammenhängen beanspruchen darf, hat nichts mit der vermuteten oder tatsächlichen Exzellenz seiner Herkunftskultur und mit allgemein goutierten Leistungen zu tun.

Ein Staatsvolk, das die Volksnation als austauschbare Begriffe für eine Bürgerschaft behauptet, die eine auf Gleichartigkeit gegründete, demokratische Selbstbestimmung ist und nationale Unabhängigkeit bzw. die Selbstbehauptung, Selbstbestätigung und Selbstverwirklichung einer Nation in ihrer exklusiven Eigenart sucht, ist im 21. Jahrhundert eine Tradition der Speziesismus-Zivilisation, welche das Volk im Sinne des homogenen in Reinkultur versteht und „schützen“ will. Diese Tradition hat nur für das eigene Volk Einsicht und Rechtspopulismus, Exklusion und Fremdenfeindlichkeit zum Ziel. Daher ist der Parameter des Anti-Speziesismus in der europäischen Verfassung notwendig. Wir, die Sans Papiers, stehen für eine Anti-Speziesismus Kultur und Zivilisation, was in der Verfassung Europas verankert werden soll.

Wie seinerseits der Nationalstaat eine überzeugende Antwort auf die historische Herausforderung und ein funktionales Äquivalent für die in Auflösung begriffenen frühmodernen Formen der sozialen Integration war, stehen wir heute vor einer analogen Herausforderung, eine föderative europäische Kontextualität im Sinne der europäischen Integrationsprozesse zu finden.

Außerdem ist die Wirtschaftsmigration und Ungerechtigkeit der nördlichen Hemisphäre gegenüber Afrikanern südlich der Sahara durch die Globalisierung zum sine qua non der Dinge der Selbstidentifikation geworden. Die ökologische Vergewaltigung der Lebensräume, durch die Finanzwelt und den ruchlosen Kapitalismus, können Hilfs- und Entwicklungsprojekte nicht nachkommen. Diese Emigranten als Wirtschaftsflüchtlinge abzustempeln und zu bestrafen, ist Unfug. Menschen verlassen ihre angestammte Heimat nicht ohne Grund oder große Not. Zur Dokumentation ihrer Hilfsbedürftigkeit reicht in der Regel die bloße Tatsache der Flucht aus.

Da das Wahlrecht das Grundinstrumentarium für den/die BürgerIn/Citoyen/Citoyenne in einer Demokratie ist, empfehlen wir, endlich das kommunale Wahlrecht für BürgerInnen, die nicht die Staatsbürgerschaft eines EU-Mitgliedslandes haben, doch in Österreich wohnen und Steuern zahlen, einzuführen.

Rückfragen & Kontakt:

Rückfragen:
Dr. Di-Tutu Bukasa, Obmann FC Sans Papiers – Die Bunten
FC Sans Papiers - Die Bunten Presse
Rotenlöwengasse 12/1 1090 Wien
fcsanspapiers@hotmail.com

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