Steiermark ist Vorreiter bei der Inklusion

Graz (OTS) - Die vom Sozialministeriumservice in Kooperation mit der WKO durchgeführte Veranstaltungsreihe FOKUS WIRTSCHAFT konnte nach dem Start in Wien am 17.6. auch in Graz überzeugend nachweisen, dass dank Förderungen und kostenlosen Unterstützungsleistungen die Inklusion von Menschen mit Einschränkungen in der Wirtschaft erfolgreich umgesetzt werden kann.

Einen geringen Anstieg der Arbeitslosenrate von 1 Prozent gegenüber dem Vorjahr, doch deutlich mehr offene Stellen zeigen die aktuellen Arbeitsmarktdaten für die Steiermark. Dass diese auch sehr gut mit Menschen mit gesundheitlichen Beeinträchtigungen oder Behinderungen besetzt werden können, bewies die Veranstaltung FOKUS WIRTSCHAFT (http://www.fokus-wirtschaft.at) . In kompakten vier Stunden informierten sich rund 90 Wirtschaftstreibende über Fördermaßnahmen und Unterstützungsangebote im Bundesland. Best-Practice-Beispiele und die Möglichkeit, sich direkt vor Ort mit allen relevanten Organisationen auszutauschen, sorgten für einen gelungenen Wissenstransfer. Das Motto der Veranstaltung „Beschäftigung sichern, Kosten minimieren, sozial agieren“ konnte überzeugen. Nicht nur bei den ReferentInnen waren Top-Experten und -Expertinnen geladen, unter den TeilnehmerInnen sah man Technologie-Weltmarktführer, europaweit agierende Logistiker, aber natürlich auch KMU wie Tischler, Installateurbetriebe und Facility-Manager/innen. „Ich bin sehr froh, dass ich mir die Zeit genommen habe. Denn mit dem jetzigen Wissen über die vielfältigen Unterstützungen ist es schon eine Denkvariante, einem Menschen mit Behinderungen in unserem Unternehmen eine Chance zu geben“, so eine Teilnehmerin.

Finanzielle Vorteile

Dass sich eine Anstellung tatsächlich auszahlen kann, rechnete Dr. Diethard Schliber, Leiter der Landesstelle Steiermark des Sozialministeriumservice, gleich zu Beginn vor: „Statt monatlich 251 Euro oder mehr an Ausgleichstaxe zu zahlen, kann jedes Unternehmen mehr als 1.000 Euro pro Monat durch die Anstellung eines begünstigten behinderten Menschen sparen.“ Über Möglichkeiten, wie das Arbeitsmarktservice dazu beitragen kann, referierte Martina Zweiger vom AMS Steiermark: „Eingliederungsbeihilfen werden für unterschiedliche Zielgruppen gewährt und sollten am Besten vor Beginn einer Anstellung mit einer der Geschäftsstellen des AMS abgeklärt werden. Die finanziellen Vorteile sind jedenfalls groß.“

Kostenlose Beratungstage für Unternehmen und dazu auch eine Evaluierung der umgesetzten Maßnahmen – das stellte Dr.in Renate Czeskleba von der fit2work Betriebsberatung vor: „Wir setzen in unseren Beratungen sowohl bei einzelnen Personen als auch bei Unternehmen an, um die Arbeitsfähigkeit der MitarbeiterInnen langfristig zu sichern und dafür im Betrieb auch die entsprechenden Strukturen aufzubauen.“ Einblick in die Arbeit von NEBA.at, dem Netzwerk Berufliche Assistenz, gab Mag. Heinrich Ostermann von dem NEBA-Anbieter Jugend am Werk: „In den vergangenen fünf Jahren ist es uns mit unserer Arbeitsassistenz gelungen, 3.319 Menschen zu beraten, erfolgreich in Dienstverhältnisse zu vermitteln oder deren Arbeitsplätze zu sichern. Die Arbeitsassistenz ist die Vermittlerin zwischen Betroffenen und Unternehmen.“

Die regionale Verfügbarkeit von Mitarbeitern und Mitarbeiterinnen ist – siehe Fachkräftemangel – nicht nur für Großbetriebe ein nach wie vor aktuelles Thema. Daher ist einer der Ziele der Unternehmensinitiative des Sozialministeriumservice, das mit der FOKUS WIRTSCHAFT-Veranstaltungsreihe gestartet wurde, Unternehmen als PartnerInnen des NEBA Netzwerk Berufliche Assistenz anzusprechen, um den Pool an vorausgebildeten Menschen mit Einschränkungen näher an den Arbeitsmarkt heranzuführen.

Schwerpunkt der Grazer Veranstaltung: Körperliche Einschränkungen

Als Bindeglied zwischen den Ausführungen der Organisationen und den Best-Practice-Beispielen aus der Wirtschaft fungierte Dipl.-Ing. Klaus D. Tolliner, der als selbst Betroffener und Unternehmer Einblicke in seinen Alltag gab und meinte: „Keine Angst vor Behinderung – Wir sind nicht ansteckend.“

Mehrfach für den verantwortungsvollen Umgang mit MitarbeiterInnen ausgezeichnet ist das LKH Univ.-Klinikum Graz. Dessen Personalmanagement-Leiter, Mag. Thomas Bredenfeldt, präsentierte einen realen Fall, in dem es gelang, einen Mitarbeiter durch Umschulungen und weitere Maßnahmen im Unternehmen zu halten. Ebenfalls an einer Wiedereingliederung hatte Harald Leindl von der gleichnamigen Tischlerei bei Hans-Jürgen Amhofer zu arbeiten. Er erzählte, wie es gelang, dass nun Österreichs einziger Tischlermeister im Rollstuhl bei ihm arbeiten kann.

Um den gewaltigen Zuwachs an 3.000 benötigten MitarbeiterInnen in den kommenden Jahren überhaupt bewältigen zu können, will Magna Steyr auch verstärkt Menschen mit Behinderungen engagieren. Über die bereits erfolgreich gestartete Kooperation mit dem Sozialministeriumservice und dem NEBA-Netzwerk berichtete der Personalverantwortliche Mag. Hansjörg Tutner: „Nach dem Begutachtungsverfahren halten wir aktuell bei 42 Menschen mit Behinderungen, davon 14 gehörlose Personen, die wir zum Jobday im September einladen werden.“

Wie er mit Menschlichkeit und Hausverstand zu einem inklusiven Arbeitsmodell für sein Büro kam, erklärte im Anschluss Ziviltechniker DI Norbert Rabl und meinte: „Wir geben jedem eine Chance, wenn alle Arbeitsaufgaben gelöst werden können.“ Den Abschluss der spannenden Beispiele aus der Praxis bildete der Vortrag von Eva Regele von der Karl-Franzens-Universität: „Wir setzen nicht nur auf bauliche Barrierefreiheit, sondern schaffen auch neue, zusätzliche Arbeitsplätze, die ausschließlich begünstigten Behinderten zur Verfügung stehen.“

Diskutiert wurde das Gehörte dann im Ausstellungsbereich von FOKUS WIRTSCHAFT: inklusiv // innovativ an insgesamt 13 ExpertInnencornern und beim von Gourmet arrangierten Buffet. So konnten an Ort und Stelle gleich die richtigen Kontakte für die Zukunft geknüpft werden.

VIDEOHINWEIS - Unternehmen Best-Practice-Video in der Steiermark:
https://youtu.be/dPnyyqM0Czs

Best Practice Video – gelungene Integrationsbeispiele in der Steiermark (Barrierefreier Edit):
https://www.youtube.com/watch?v=r41-9QoqFEY

Fotos:
https://www.fokus-wirtschaft.at/sk/termine/vergangene-events/graz-am-17-juni-2016 (Falls sie hochaulfösende Fotos benötigen bitte geben
Sie uns Bescheid)

FOKUS WIRTSCHAFT: inklusiv innovativ wird 2016/2017 in jedem Bundesland jeweils ein Mal angeboten und sollte für innovative und zukunftsorientierte Unternehmen ein Pflichttermin sein. Die Teilnahme ist kostenlos, eine Anmeldung unter www.fokus-wirtschaft.at ist jedoch notwendig. Nächster Bundesländertermin ist Innsbruck am 27.9.2016 (Schwerpunkt Sehbeeinträchtigung).

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