- 09.06.2016, 12:27:20
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66. Städtetag: Geoinformationen als Entscheidungshilfe für Politik und Verwaltung
Arbeitskreis 4: Verknüpfte Daten helfen beispielsweise beim Apothekenverzeichnis, Katastrophenschutz oder der Ermittlung von Schulstandorten
Utl.: Arbeitskreis 4: Verknüpfte Daten helfen beispielsweise beim
Apothekenverzeichnis, Katastrophenschutz oder der Ermittlung
von Schulstandorten =
Wien/Innsbruck (OTS/RK) - Unter dem Vorsitz des Grazer
Stadtbaudirektors Bertram Werle wurden die Vorzüge von
Geoinformationen, die uns merklich oder unmerklich umgeben, in
Arbeitskreis 4 des 66. Österreichischen Städtetages erörtert. „Der
Nutzen professioneller, qualitativer, aktueller Geodaten in Kommunen
ist hoch. Geodaten können Grundlage für politische Entscheidungen
sein: für die Flächenwidmung sei es bereits Standard mit
GIS-Programmen zu arbeiten, aber auch Standorte für Schulen könne man
durch das Verknüpfen von Daten ermitteln“, so Werle. Es könne auch
beispielsweise eruiert werden, wo Unfälle gehäuft auftreten, um dann
entsprechende Sicherheitsmaßnahmen zu setzen. Kriminalitätsstatistik,
Apothekenverzeichnis, Katastrophenschutz seien weitere
Einsatzbereiche. Aber auch Ungewöhnliches, wie ein
Solarpotentialkataster oder die Aufstellung des nächsten
Defibrillators ließen sich verorten. Best Practice Beispiele seien
weiters Verzeichnisse aller Müllsammelbehälter, die Ermittlung von zu
betreuenden Quadratmetern Gehsteigfläche für den Winterdienst und die
Einteilung des entsprechenden Personals. Der Phantasie wie sich
Geoinformationen nützen lassen, seien kaum Grenzen gesetzt.
Professionelles Arbeiten setzt Geodaten von hoher Qualität
voraus
Städte und Gemeinden verwalten keinen abstrakten Raum, sondern ein
spezifisches, genau abgegrenztes Gebiet. Beinahe alle erfassten Daten
haben eine räumliche Zuordnung und so haben auch mindestens 80
Prozent des kommunalen Verwaltungshandelns einen Raumbezug. Dies
setzt aber professionelle, übergreifende Geoservices in den Städten
und Gemeinden voraus.
Wesentlich dafür ist eine zentrale Stelle, die alle vorhandenen
professionellen Geodaten und Geoservices in der Stadt/Gemeinde
koordiniert. Dies können stadtinterne Ämter/Abteilungen für
Stadtvermessung und Geoinformation bzw. für kleinere Städte und
Gemeinden externe Dienstleister sein. Professionelles Arbeiten setzt
Geodaten von hoher Qualität, durchgängiger Vollständigkeit und
laufender Aktualität voraus. Nur dadurch sind fachübergreifende
Geoservices überhaupt möglich. Die Datenhoheit durch die
Stadtverwaltung insbesondere auch von Sensordaten im öffentlichen
Raum sollten dabei besonders berücksichtigt werden.
„Erfolgreiches eGovernment setzt schlagkräftige und qualitätsvolle
IT-Services voraus. Intelligente Arbeitsteilung und Kooperationen
der Gebietskörperschaften auf allen Verwaltungsebenen (Bund, Länder,
Städte und Gemeinden) sind dafür zwingend erforderlich. Ein
gelungenes Beispiel dafür ist, basemap.at, die Open Government Data
Grundkarte von Österreich, die erst vor wenigen Tagen mit dem
Geospatial World Excellence Award ausgezeichnet wurde“, sagte
Wolfgang Jörg, ViennaGIS Koordinator der Stadt Wien.
Ohne Geodaten läuft nichts
„Adressen sind der zentrale Geodatensatz für Register und
Anwendungen in unserer digitalen Welt. Die Stadt vergibt für jedes
Gebäude eine eindeutig zuordenbare Adresse und speichert diese mit
einer exakten Koordinate im Adressregister ab. Ohne Adresse gibt es
keine Postzustellung, aber auch Blaulichtorganisationen würden nicht
wissen, wohin sie im Einsatzfall fahren müssten“, betonte Markus Noll
vom Geographischen Informationssystem in Bruck an der Mur. Viele
andere Register seien mit dem Adressregister verknüpft oder nutzen
diese Daten, wie beispielsweise das Zentrale Melderegister (ZMR), das
Gebäude- und Wohnungsregister (GWR) oder auch der Pendlerrechner. Mit
der Umsetzung der gesetzlichen Änderungen im Adressregister in diesem
Jahr, hätten die Adressen weiter an praktischer Bedeutung gewonnen.
Die Mehrdeutigkeiten bei gleichen Straßennamen in einer Gemeinden
oder Postleitzahl wurden durch die Einführung des „Zustellortes“
drastisch minimiert. Wirtschaft und Verwaltung bekämen mit den
genormten abgekürzten Schreibweisen Adressen zur Verfügung gestellt,
die ein einfaches Adressieren im Briefverkehr ermöglichen.
Eckehard Ranninger, Referatsleiter der Vermessung Innsbruck,
berichtete von smarten GIS-Anwendungen in der Stadt Innsbruck und den
Dienstleistungen der Stadtvermessung im Rahmen von GIS-Projekten
(Ersterfassung, Aktualisierung). Nach seinen Erfahrungswerten lägen
die Stärken der Stadtvermessung in einer raschen, qualitativ
hochwertigen Datenproduktion und die Stärken des GIS in einer
breiten, anwenderfreundlichen Datendistribution. So gelingt es, einen
großen Anwenderkreis zu erreichen.
Auch die Digitalisierung des Verkehrs benötigt Geodaten. Der
Pendlerrechner des BMF, die Verkehrsauskunft Österreich (VAO) sind
zwei Verkehrsmittel übergreifende Routingservices für Bürgerinnen und
Bürger, die auf der Graphenintegrations-Plattform (GIP) basieren. Bei
der Erstellung dieses einheitlichen Verkehrsreferenzsystems wirken
auch die Städte mit. Die GIP wird durch E-Government-Prozesse aktuell
gehalten und bietet der Verwaltung einen gebündelten Blick auf die
Verkehrsinfrastruktur und die behördlichen Maßnahmen, erklärte
Siegfried Kamper, Leiter der Geoinformation in St. Pölten.
Steuern mit „Urban Emotions“
Assistenz-Professor Resch von der Universität Salzburg erläutert,
wie Städte noch bürgerInnenzentrierter verwaltet und gestaltet werden
können: Sensoren liefern Echtzeit-Geodaten, wie beispielsweise in der
Luftqualitätsbeobachtung, im Verkehrsmanagement, bei
Katastrophenbewältigung oder in der Stadtentwicklung. Der neue Trend
von „Urban Emotions“ bringt darüber hinaus die Möglichkeit,
Empfindungen und Beobachtungen von BürgerInnen, die über tragbare
Sensoren, soziale Medien und digitale Umfrage-Apps gewonnen werden,
in die Stadtplanung und das städtische Management zu integrieren.
Möglichst frühe Einbindung der ExpertInnen
Elke Achleitner, die Leiterin des Stadtvermessungsamtes Graz,
erklärte, dass auch Einsparungen in der Verwaltungsarbeit durch
koordinierte, fachübergreifende Arbeitsabläufe (Geschäftsprozesse)
möglich sind. Die Bereitstellung von Informationen an BürgerInnen und
Wirtschaft kann schnell und gut verständlich erfolgen. Durch
Bereitstellung von Daten für österreichweite, freie Geoservices
(basemap.at, gip.at, Adressen) ist die Aktualität dieser
Datenbestände gewährleistet.
Die DiskutantInnen des Arbeitskreises kamen überein, dass der
Knackpunkt für einen erfolgreichen Einsatz von Geodaten vor allem die
möglichst frühe Einbindung der Geodaten-SpezialistInnen in
städtische Verwaltungsprozesse seien, dies formulierten sie auch als
Wunsch an die eigenen Verwaltungen. Mehrwert und Nutzen für die
gesamte Stadtverwaltung seien unvergleichlich höher. Darum sei es
unumgänglich, sicherzustellen, dass die Finanzierung professioneller,
qualitativer, amtlicher Geodaten auch in Zukunft gesichert ist.
Druckfähige Fotos zum Download unter:
http://markuswache.com/archiv/staedtetag_innsbruck_2016/
© Markus Wache
Mehr Informationen unter: www.staedtetag.at oder
www.staedtebund.gv.at
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