• 09.06.2016, 12:12:43
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66. Städtetag: Stadtgrenzenübergreifender Öffentlicher Verkehr (ÖV) als Herausforderung der Zukunft

Arbeitskreis 3: „Verwaltungsgrenzen für ÖV-KundInnen sollen nicht mehr wahrnehmbar sein“

Utl.: Arbeitskreis 3: „Verwaltungsgrenzen für ÖV-KundInnen sollen
nicht mehr wahrnehmbar sein“ =

Wien/Innsbruck (OTS/RK) - Wie kann das Öffi-Netz auf die
PendlerInnenströme der Zukunft bestmöglich ausgerichtet und in das
Stadtumland hinaus erweitert werden? Wie wird der öffentliche Verkehr
(z.B. Bim, Bus, Bahn...) organisiert, der nicht an der Stadtgrenze
Halt machen soll? Was bedeutet das für Verwaltung, Organisation und
Finanzierung? Diese Fragen werden für die Österreichischen
Stadtregionen in Zukunft immer wichtiger werden und stehen daher am
Donnerstag, den 9. Juni 2016 im Zentrum von Arbeitskreis 3 des 66.
Österreichischen Städtetages in Innsbruck.

Tagsüber um die Hälfte mehr Bevölkerung in der Stadt unterwegs

Wien und Graz wuchsen im Zeitraum 2003 bis 2013 um ca. 10 Prozent,
viele Umlandgemeinden sogar noch weitaus stärker. Bis 2025 soll der
EinpendlerInnenanteil von Linz und Wien um unglaubliche 50 Prozent
wachsen - und das angesichts einer Situation, wo bereits heute schon
gut eineinhalbmal mehr Menschen tagsüber in den Städten unterwegs
sind, als diese EinwohnerInnen zählen, man spricht in diesem
Zusammenhang von der „Tagesbevölkerung“.

Öffi-Angebot in der Stadtregion bestimmt Mobilitätsverhalten

Die Innsbrucker Vizebürgermeisterin Sonja Pitscheider bringt es
auf den Punkt: „Wenn wir Klima- und Umweltschutz ernst nehmen, so
muss sich über kurz oder lang unser Mobilitätsverhalten ändern - es
braucht den stadtübergreifenden Öffentlichen Verkehr.“ Denn klar sei,
dass die Städte und ihr Umland auch in Zukunft wachsen werden.
„Menschen gehen dorthin wo es Arbeitsplätze gibt und die Wege kurz
sind. Bevölkerungswachstum findet in den Städten statt.“, so
Pitscheider.

Die Städterinnen und Städter seien schon überwiegend
umweltfreundlich unterwegs doch gerade beim täglichen Überschreiten
der Stadtgrenzen herrsche noch Aufholbedarf beim Öffentlichen
Verkehr. Bei den EinpendlerInnen dominiere nach wie vor das Auto als
attraktivstes Verkehrsmittel.

Städte wie Innsbruck und Linz leisten mit ihren ÖV-Projekten, die
über die Stadtgrenze hinaus das Stadtumland mit versorgen,
PionierInnenarbeit – denn neues Terrain wird erschlossen, auch im
übertragenen Sinn. Schließlich erfordern Projekte wie die
Straßenbahnverlängerung der Linz Linien nach Traun oder der Bau und
Ausbau der Innsbrucker Regionalbahn und S-Bahn in die Region eine
Zusammenarbeit über administrative und politische Grenzen hinweg.

Planungen für die Stadt ohne deren Einbindung zum Scheitern
verurteilt

Martin Baltes, der Geschäftsführer der Innsbrucker
Verkehrsbetriebe und Stubaitalbahn GmbH dazu: „Unterschiedliche
Interessen im Stadtregionalen ÖV sind normal – aber je besser die
Strukturen, umso einfacher der Interessensausgleich.“ Daher wurde im
Fall der Innsbrucker Regionalbahn eine Stabstelle zwischen Stadt
Innsbruck und Land Tirol geschaffen, welche die Planung, Organisation
und Finanzierung des öffentlichen Nah- und Regionalverkehrs im
Zentralraum von Innsbruck koordinieren soll.

Albert Waldhör, der Geschäftsführer der Linz Linien GmbH für
öffentlichen Personennahverkehr kann mittlerweile auf ähnliche
Erfahrungen zurückgreifen: „Im Jahr 2010 legte das Land
Oberösterreich der Stadt Linz einen fertigen Plan für eine Regio-Tram
zur Erschließung von Traun vor. Diese Regio-Tram wäre technisch
unvereinbar mit dem Linzer Straßenbahnsystem gewesen - ganz abgesehen
von den rechtlichen, organisatorischen und finanziellen
Inkompatibilitäten. Daher verlangten wir die Einbindung in Planung
und Bau.“ Die Straßenbahn nach Traun wird von der Bevölkerung
mittlerweile sehr gut angenommen. „Der Erfolg der Bim-Verlängerung
nach Traun lag schlussendlich daran, dass wir die Vergabe
interkommunal organisiert haben. Wäre die Stadt Linz von Anfang an in
die Planungen miteinbezogen worden, hätte man dem Steuerzahler
massive Umplanungen ersparen können – aber immerhin haben wir daraus
gelernt.“, so Waldhör weiter.

Governance-Strukturen dringend verbessern

Bei der Erweiterung des öffentlichen Stadtverkehrs über die
Stadtgrenze hinaus stießen und stoßen die Städte bundesweit auf
ähnliche Probleme wie zum Bespiel Konflikte betreffend
Finanzierungsschlüssel, Mangel an klar definierten Projektprozessen
oder ein Manko hinsichtlich klarer Entscheidungsstrukturen und
praktikabler Entscheidungsmechanismen.

Diesen Befund unterstreicht auch Karoline Mitterer vom KDZ,
Zentrum für Verwaltungsforschung, die derzeit auf Beschluss der
Landesverkehrs-ReferentInnenkonferenz und im Auftrag von
Verkehrsministerium, Bundesländern und Städtebund eine bundesweite
Studie zu Organisation, Steuerung und Finanzierung des
stadtregionalen öffentlichen Verkehrs betreut. Sie hat Interviews mit
allen relevanten StakeholderInnen in allen Landeshauptstadtregionen
geführt: „Gerade die Städte über 30.000 EinwohnerInnen verzeichnen
einen enormen Zuschussbedarf im ÖV-Bereich. Seit 2008 beträgt hier
allein die Ausgabensteigerung 132 Mio. Euro. Gerade die
Straßenbahnstädte sind aufgrund der hohen Investitionen in den
Infrastrukturbereich stark betroffen“.

Aber auch im Bereich der „Governance“ muss sich was ändern: „ Die
Städte würden mehr Kooperationen beim Regionalverkehr befürworten –
sowohl mit dem Land als auch mit den umliegenden Gemeinden. Im
Gegenzug dazu wünschen sich die Länder mehr Mitsprache beim
städtischen öffentlichen Verkehr“, so Mitterer weiter.
In anderen Ländern gleiche Probleme – aber auch Beispiele für
Lösungen

Christoph Schaaffkamp, KCW GmbH, der ebenfalls im Auftrag von
Verkehrsministerium, Bundesländern und Städtebund den zweiten Teil
der bereits genannten Studie zum stadtregionalen öffentlichen Verkehr
bearbeiten wird, beruhigt: „Die Herausforderungen im stadtregionalen
öffentlichen Verkehr sind nicht „exklusiv österreichisch“. In ganz
Europa stünden die Stadtregionen vor ähnlichen Problemen. Aber man
kommt auch zu Lösungen, die funktionieren, wie die Reform des
öffentlichen Personennah- und Regionalverkehrs in Brandenburg zeigt.

Ziel: Verwaltungsgrenzen für KundInnen nicht mehr wahrnehmbar

„Zentraler Erfolgsfaktor ist meist das Zusammenführen von
Aufgaben- und Ausgabenverantwortung auf der richtigen Ebene“, so
Schaaffkamp weiter. „Am Ende des Tages soll sich eine verbesserte
stadtregionale Abstimmung im ÖV dadurch bemerkbar machen, dass die
Grenzen zwischen Stadt und Umland, Stadt und Verkehrsverbund oder
Stadt und Verkehrsunternehmen für die KundInnen nicht mehr
wahrnehmbar sind. Wenn Planung, Angebotsqualität, Tarif, Vertrieb und
Kundenkommunikation aus einer Hand angeboten werden, wird der
Öffentliche Verkehr auch für KundInnenschichten attraktiv, die
bislang mit dem Auto unterwegs waren.“

Forum E-Mobilität: „Elektromobilität ist ein zentraler Baustein
für die Stadt der Zukunft“

Wie Elektromobilität im urbanen Lebensraum eingesetzt und
umgesetzt wird, zeigt im Anschluss an Arbeitskreis 3 unter der
Moderation von Willy Raimund, Leiter Center Mobilität & Verkehr der
Austrian Energy Agency das „Forum E-Mobilität“. Vortragende sind Paul
Hinner, Produktmanager und Teamleiter der EVN AG, Jürgen Halasz,
Vorsitzender des Vorstandes, Bundesverband Elektromobilität
Österreich und Heimo Aichmaier, Geschäftsführer von Austrian Mobile
Power.

Druckfähige Fotos zum Download unter:
http://markuswache.com/archiv/staedtetag_innsbruck_2016/
© Markus Wache

Mehr Informationen unter: www.staedtetag.at oder
www.staedtebund.gv.at

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