• 03.06.2016, 09:15:08
  • /
  • OTS0019 OTW0019

Musikerkarriere ohne Gehörschutz: Ein „Highway to Hell“

Wien (OTS) - Der Sommer naht und damit auch die Festivalsaison. Eines
der ersten Musikfestivals ist das „Rock in Vienna“, das kommendes
Wochenende auf der Wiener Donauinsel stattfindet. Ab wann ist Musik
Lärm, und welche Gefahren gehen von zu lauter Musik aus?
Untersuchungen belegen, dass Berufsmusiker regelmäßig
Schalldruckpegeln ausgesetzt sind, die Gehörschäden bewirken können.
Die AUVA-Landestelle Wien klärt über moderne Präventionsmaßnahmen auf
und berät Berufsmusiker bei der Wahl und Handhabung des richtigen
Gehörschutzes.

Lange Zeit ein berufliches Tabu, werden Hörprobleme nun auch in der
Musikbranche diskutiert. Zuletzt sorgte der Sänger der Rockband
AC/DC, Brian Johnson, für Aufsehen, als er die Welttournee wegen
drohenden Gehörverlusts abbrechen musste. Johnson ist kein Einzelfall
– unter professionellen Musikern, auch klassischen, ist
Lärmschwerhörigkeit eine typische Berufskrankheit. Laut Angaben der
gemeinnützigen Organisation „Hearing Education and Awareness for
Rockers“, kurz H.E.A.R, sind rund 60 Prozent aller Musiker, die in
der Rock and Roll Hall of Fame aufgenommen werden, von einer Form von
Gehörverlust betroffen.

Lärmarbeitsplatz: Grenzwerte der Industrie gelten auch für
Musik

Zur Beurteilung der Wirkung von Lärm auf den Menschen müssen
Frequenzzusammensetzung, Intensität und Einwirkdauer des Geräusches
am Arbeitsplatz berücksichtigt werden. Die Messgröße ist der
Schalldruckpegel. „Medizinisch gilt ein Dauerschallpegel über 85 dB
als gehörschädigend. Ob der Schall als angenehm oder unangenehm
empfunden wird, spielt keine Rolle. Arbeitnehmerschutz-Grenzwerte
gelten in der Musikbranche genauso wie in der Industrie, wo mit
lauten Maschinen gearbeitet wird“, erläutert Dr. Gilbert Engin-Deniz,
Arbeitsmediziner der AUVA-Landesstelle Wien.

Messergebnisse zeigen: Musiker und Musikprofessionisten wie
Tontechniker, Musiklehrer oder DJs sind regelmäßig einer
Geräuschkulisse ausgesetzt, die Gehörschäden verursachen kann. Rock-
und Orchesterkonzerte können mitunter deutlich lauter als 100 dB
sein. Zum Vergleich: Ein Presslufthammer entwickelt in sieben Metern
Entfernung etwa 90 dB, ca. 100 dB verursacht eine Kreissäge. „Dazu
kommt, dass Berufsmusiker dem Schall nicht nur während Konzerten
ausgesetzt sind, sondern auch bei Proben und der Arbeit im Studio“,
so Engin-Deniz.

AUVA: Experten für Lärmschutz am Arbeitsplatz

Neben der arbeitsmedizinischen Vorsorge durch die Untersuchung
lärmexponierter Arbeitnehmer bietet die AUVA-Landesstelle Wien ihren
Versicherten kostenlose Lärmmessungen und raumakustische Beratungen
an. Dabei helfen Lärmsachverständige, konkrete
Lärmminderungsmaßnahmen zu erarbeiten. Die AUVA-Merkblätter M700 und
M701 geben einen Überblick zu den verschiedensten Gehörschützern und
informieren über deren richtige Verwendung.

Lärmschwerhörigkeit häufigste Berufskrankheit, Musiker
besonders gefährdet

Lärmschwerhörigkeit ist die häufigste Berufskrankheit – „2015 wurden
österreichweit 564 Fälle von Lärmschwerhörigkeit anerkannt, mehr als
die Hälfte aller Neuzugänge bei Berufskrankheiten“, berichtet Rudolf
Silvan, Vorsitzender der AUVA-Landesstelle Wien, der um den hohen
Stellenwert der Prävention weiß. 90 Prozent der Fälle werden durch
Dauerlärm verursacht, nur vier Prozent durch kurzen, heftigen Lärm.

Die durch Lärm bedingte Schwerhörigkeit ist eine
Innenohrschwerhörigkeit. Dabei sterben durch dauerhafte Überbelastung
die hochempfindlichen Haarzellen ab, die essenziell für das
Wahrnehmen verschiedener Tonhöhen sind. Abgestorbene Haarzellen
können vom Körper nicht wieder hergestellt werden. „Durch Lärm
verursachte Schwerhörigkeit ist irreversibel. Selbst mit einem
Hörgerät kann die Hörfähigkeit nur eingeschränkt wieder hergestellt
werden“, erklärt Engin-Deniz.

„Safer Sound“ Tipps der AUVA für Musiker

„Da Musiker und andere Musikprofessionisten existenziell von einer
einwandfreien Gehörfunktion abhängig sind, kommt der Erhaltung der
Hörfähigkeit bis ins höhere Lebensalter eine besondere Bedeutung zu“,
betont Engin-Deniz. Im ArbeitnehmerInnenschutzgesetz (ASchG) sind für
Lärmarbeiter eine Reihe von Bestimmungen festgelegt, wie z. B. die
Durchführung regelmäßiger Untersuchungen des Gehörs. Diese ermöglicht
eine frühzeitige Erkennung von Hörschäden.

Nach dem für den Arbeitnehmerschutz geltenden TOP-Prinzip sind
Schutzmaßnahmen zur Lärmminderung in folgender Reihenfolge
festgelegt: Technische vor organisatorischen vor personenbezogenen
Maßnahmen. „Technische und organisatorische Maßnahmen können
Entlastung bringen, z. B. durch ausreichend große Proberäume, die
Anbringung von Absorbern an Decken und Wänden bzw. durch Aufstellen
von Schallschutzschirmen“, so Engin-Deniz. Schallpegelbegrenzer (sog.
„Limiter“) und Dämpfer helfen dabei, Grenzwerte nicht zu
überschreiten. Auch die Vergrößerung des Abstands zwischen den
einzelnen Musikern und leiseres Spielen bei Proben hilft.

Für Konzertveranstalter gilt die Lärmschutzrichtlinie für
Veranstaltungen des Österreichischen Umweltbundesamtes. Diese sieht
im Publikumsbereich einen Grenzwert von 93 dB vor. Wird dieser
überschritten, so ist der Veranstalter verpflichtet, das Publikum gut
sichtbar über eine mögliche Gesundheitsgefährdung des Gehörs
aufmerksam zu machen sowie gratis Gehörschutzmittel mit einer
Schalldämmung von mind. 15 dB (ÖNORM EN 24869-1 geprüft) abzugeben.

„Wie soll man hören und geschützt sein zugleich?“ –
Wissensdefizite und Vorurteile

Da technische und organisatorische Lärmminderungsmaßnahmen oft schwer
realisierbar sind, ist die persönliche Schutzausrüstung für Musiker
besonders wichtig. „Vorurteile und mangelndes Wissen führen dazu,
dass die Verwendung eines Gehörschutzes von dieser Berufsgruppe oft
abgelehnt wird“, erklärt Engin-Deniz. Manche Musiker würden durch das
Tragen eines Gehörschutzes eine verzerrte Wahrnehmung befürchten, die
sich negativ auf Klangqualität und die Abstimmung mit anderen
Musikern auswirken könnte.

Hörakustiker bieten speziell für Musiker moderne Gehörschutz-Systeme
mit Filter an. Ein spezieller Filter dämpft alle Frequenzen
gleichmäßig und bringt daher unverzerrten, natürlichen Klang bei
gleichzeitig reduzierter Lautstärke. Für einen effizienten Schutz rät
Engin-Deniz weiter: „Aufklärung über die möglichen Folgen einer
übermäßigen Lärmbelastung sowie eine ausführliche Einschulung über
die richtige Handhabung des Gehörschutzes erhöhen die
Trage-Akzeptanz.“

Über die AUVA:

Bei der AUVA sind rund 4,8 Millionen Personen gesetzlich gegen
Arbeitsunfälle und Berufskrankheiten versichert: 2,9 Millionen
unselbständig Erwerbstätige, 0,5 Millionen selbständig Erwerbstätige
sowie 1,4 Millionen in Ausbildung Stehende vom Kindergarten bis zum
Studienabschluss. Die Landesstelle Wien betreut in den Bundesländern
Wien, Niederösterreich und Burgenland 42 Prozent der
AUVA-Versicherten. Pro Jahr erhalten rund 150.000 Verletzte in den
Wiener AUVA-Unfallkrankenhäusern Meidling und Lorenz Böhler sowie
rund 1.900 Patienten in den Rehabilitationszentren Wien-Meidling und
Weißer Hof, Klosterneuburg, die bestmögliche Behandlung. Die AUVA
finanziert ihre Aufgaben als soziale Unfallversicherung fast zur
Gänze aus Pflichtbeiträgen der Dienstgeber. Prävention ist dabei die
vorrangige Kernaufgabe der AUVA, denn die Verhütung von Unfällen und
die Vorbeugung von Berufskrankheiten senken die Kosten für die drei
weiteren Unternehmensbereiche Heilbehandlung, Rehabilitation und
finanzielle Entschädigung von Unfallopfern am wirksamsten.

OTS-ORIGINALTEXT PRESSEAUSSENDUNG UNTER AUSSCHLIESSLICHER INHALTLICHER VERANTWORTUNG DES AUSSENDERS - WWW.OTS.AT | AWI

Bei Facebook teilen.
Bei X teilen.
Bei LinkedIn teilen.
Bei Xing teilen.
Bei Bluesky teilen

Stichworte

Channel