Musikerkarriere ohne Gehörschutz: Ein „Highway to Hell“

Wien (OTS) - Der Sommer naht und damit auch die Festivalsaison. Eines der ersten Musikfestivals ist das „Rock in Vienna“, das kommendes Wochenende auf der Wiener Donauinsel stattfindet. Ab wann ist Musik Lärm, und welche Gefahren gehen von zu lauter Musik aus? Untersuchungen belegen, dass Berufsmusiker regelmäßig Schalldruckpegeln ausgesetzt sind, die Gehörschäden bewirken können. Die AUVA-Landestelle Wien klärt über moderne Präventionsmaßnahmen auf und berät Berufsmusiker bei der Wahl und Handhabung des richtigen Gehörschutzes.

Lange Zeit ein berufliches Tabu, werden Hörprobleme nun auch in der Musikbranche diskutiert. Zuletzt sorgte der Sänger der Rockband AC/DC, Brian Johnson, für Aufsehen, als er die Welttournee wegen drohenden Gehörverlusts abbrechen musste. Johnson ist kein Einzelfall – unter professionellen Musikern, auch klassischen, ist Lärmschwerhörigkeit eine typische Berufskrankheit. Laut Angaben der gemeinnützigen Organisation „Hearing Education and Awareness for Rockers“, kurz H.E.A.R, sind rund 60 Prozent aller Musiker, die in der Rock and Roll Hall of Fame aufgenommen werden, von einer Form von Gehörverlust betroffen.

Lärmarbeitsplatz: Grenzwerte der Industrie gelten auch für Musik

Zur Beurteilung der Wirkung von Lärm auf den Menschen müssen Frequenzzusammensetzung, Intensität und Einwirkdauer des Geräusches am Arbeitsplatz berücksichtigt werden. Die Messgröße ist der Schalldruckpegel. „Medizinisch gilt ein Dauerschallpegel über 85 dB als gehörschädigend. Ob der Schall als angenehm oder unangenehm empfunden wird, spielt keine Rolle. Arbeitnehmerschutz-Grenzwerte gelten in der Musikbranche genauso wie in der Industrie, wo mit lauten Maschinen gearbeitet wird“, erläutert Dr. Gilbert Engin-Deniz, Arbeitsmediziner der AUVA-Landesstelle Wien.

Messergebnisse zeigen: Musiker und Musikprofessionisten wie Tontechniker, Musiklehrer oder DJs sind regelmäßig einer Geräuschkulisse ausgesetzt, die Gehörschäden verursachen kann. Rock-und Orchesterkonzerte können mitunter deutlich lauter als 100 dB sein. Zum Vergleich: Ein Presslufthammer entwickelt in sieben Metern Entfernung etwa 90 dB, ca. 100 dB verursacht eine Kreissäge. „Dazu kommt, dass Berufsmusiker dem Schall nicht nur während Konzerten ausgesetzt sind, sondern auch bei Proben und der Arbeit im Studio“, so Engin-Deniz.

AUVA: Experten für Lärmschutz am Arbeitsplatz

Neben der arbeitsmedizinischen Vorsorge durch die Untersuchung lärmexponierter Arbeitnehmer bietet die AUVA-Landesstelle Wien ihren Versicherten kostenlose Lärmmessungen und raumakustische Beratungen an. Dabei helfen Lärmsachverständige, konkrete Lärmminderungsmaßnahmen zu erarbeiten. Die AUVA-Merkblätter M700 und M701 geben einen Überblick zu den verschiedensten Gehörschützern und informieren über deren richtige Verwendung.

Lärmschwerhörigkeit häufigste Berufskrankheit, Musiker besonders gefährdet

Lärmschwerhörigkeit ist die häufigste Berufskrankheit – „2015 wurden österreichweit 564 Fälle von Lärmschwerhörigkeit anerkannt, mehr als die Hälfte aller Neuzugänge bei Berufskrankheiten“, berichtet Rudolf Silvan, Vorsitzender der AUVA-Landesstelle Wien, der um den hohen Stellenwert der Prävention weiß. 90 Prozent der Fälle werden durch Dauerlärm verursacht, nur vier Prozent durch kurzen, heftigen Lärm.

Die durch Lärm bedingte Schwerhörigkeit ist eine Innenohrschwerhörigkeit. Dabei sterben durch dauerhafte Überbelastung die hochempfindlichen Haarzellen ab, die essenziell für das Wahrnehmen verschiedener Tonhöhen sind. Abgestorbene Haarzellen können vom Körper nicht wieder hergestellt werden. „Durch Lärm verursachte Schwerhörigkeit ist irreversibel. Selbst mit einem Hörgerät kann die Hörfähigkeit nur eingeschränkt wieder hergestellt werden“, erklärt Engin-Deniz.

„Safer Sound“ Tipps der AUVA für Musiker

„Da Musiker und andere Musikprofessionisten existenziell von einer einwandfreien Gehörfunktion abhängig sind, kommt der Erhaltung der Hörfähigkeit bis ins höhere Lebensalter eine besondere Bedeutung zu“, betont Engin-Deniz. Im ArbeitnehmerInnenschutzgesetz (ASchG) sind für Lärmarbeiter eine Reihe von Bestimmungen festgelegt, wie z. B. die Durchführung regelmäßiger Untersuchungen des Gehörs. Diese ermöglicht eine frühzeitige Erkennung von Hörschäden.

Nach dem für den Arbeitnehmerschutz geltenden TOP-Prinzip sind Schutzmaßnahmen zur Lärmminderung in folgender Reihenfolge festgelegt: Technische vor organisatorischen vor personenbezogenen Maßnahmen. „Technische und organisatorische Maßnahmen können Entlastung bringen, z. B. durch ausreichend große Proberäume, die Anbringung von Absorbern an Decken und Wänden bzw. durch Aufstellen von Schallschutzschirmen“, so Engin-Deniz. Schallpegelbegrenzer (sog. „Limiter“) und Dämpfer helfen dabei, Grenzwerte nicht zu überschreiten. Auch die Vergrößerung des Abstands zwischen den einzelnen Musikern und leiseres Spielen bei Proben hilft.

Für Konzertveranstalter gilt die Lärmschutzrichtlinie für Veranstaltungen des Österreichischen Umweltbundesamtes. Diese sieht im Publikumsbereich einen Grenzwert von 93 dB vor. Wird dieser überschritten, so ist der Veranstalter verpflichtet, das Publikum gut sichtbar über eine mögliche Gesundheitsgefährdung des Gehörs aufmerksam zu machen sowie gratis Gehörschutzmittel mit einer Schalldämmung von mind. 15 dB (ÖNORM EN 24869-1 geprüft) abzugeben.

„Wie soll man hören und geschützt sein zugleich?“ – Wissensdefizite und Vorurteile

Da technische und organisatorische Lärmminderungsmaßnahmen oft schwer realisierbar sind, ist die persönliche Schutzausrüstung für Musiker besonders wichtig. „Vorurteile und mangelndes Wissen führen dazu, dass die Verwendung eines Gehörschutzes von dieser Berufsgruppe oft abgelehnt wird“, erklärt Engin-Deniz. Manche Musiker würden durch das Tragen eines Gehörschutzes eine verzerrte Wahrnehmung befürchten, die sich negativ auf Klangqualität und die Abstimmung mit anderen Musikern auswirken könnte.

Hörakustiker bieten speziell für Musiker moderne Gehörschutz-Systeme mit Filter an. Ein spezieller Filter dämpft alle Frequenzen gleichmäßig und bringt daher unverzerrten, natürlichen Klang bei gleichzeitig reduzierter Lautstärke. Für einen effizienten Schutz rät Engin-Deniz weiter: „Aufklärung über die möglichen Folgen einer übermäßigen Lärmbelastung sowie eine ausführliche Einschulung über die richtige Handhabung des Gehörschutzes erhöhen die Trage-Akzeptanz.“

Über die AUVA:

Bei der AUVA sind rund 4,8 Millionen Personen gesetzlich gegen Arbeitsunfälle und Berufskrankheiten versichert: 2,9 Millionen unselbständig Erwerbstätige, 0,5 Millionen selbständig Erwerbstätige sowie 1,4 Millionen in Ausbildung Stehende vom Kindergarten bis zum Studienabschluss. Die Landesstelle Wien betreut in den Bundesländern Wien, Niederösterreich und Burgenland 42 Prozent der AUVA-Versicherten. Pro Jahr erhalten rund 150.000 Verletzte in den Wiener AUVA-Unfallkrankenhäusern Meidling und Lorenz Böhler sowie rund 1.900 Patienten in den Rehabilitationszentren Wien-Meidling und Weißer Hof, Klosterneuburg, die bestmögliche Behandlung. Die AUVA finanziert ihre Aufgaben als soziale Unfallversicherung fast zur Gänze aus Pflichtbeiträgen der Dienstgeber. Prävention ist dabei die vorrangige Kernaufgabe der AUVA, denn die Verhütung von Unfällen und die Vorbeugung von Berufskrankheiten senken die Kosten für die drei weiteren Unternehmensbereiche Heilbehandlung, Rehabilitation und finanzielle Entschädigung von Unfallopfern am wirksamsten.

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Mag. Heike Guggi
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