- 25.05.2016, 11:04:05
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„Literaturpreis der Österreichischen Industrie – Anton Wildgans“ an Erich Hackl verliehen
IV-Präsident Kapsch: Wildganspreis verbindet Tradition und Innovation – Bekenntnis zur Literatur und zu ihrem Vermögen, neue und andere Zugänge zu eröffnen
Utl.: IV-Präsident Kapsch: Wildganspreis verbindet Tradition und
Innovation – Bekenntnis zur Literatur und zu ihrem Vermögen,
neue und andere Zugänge zu eröffnen =
Wien (OTS) - „Tradition und Innovation sind Begriffe, welche gerade
für die Industrie keinen Widerspruch, sondern eine untrennbare
Verbindung darstellen. Gerade der Wildgans-Preis steht symbolhaft für
diese Verbindung, für das klare Bekenntnis zur Literatur und zu ihrem
Vermögen, uns immer wieder neue, andere Zugänge zu eröffnen. Gerade
uns als Industrie ist letzteres sehr wichtig, denn wir setzen uns
bekanntlich in vielen Bereichen in Österreich für neue Zugänge ein.
Wenn wir Gutes erhalten und Richtiges ermöglichen wollen, braucht es
neue Wege – und den Mut, sie zu gehen, auch wenn sie unbequem und
steinig sind“, erklärte der Präsident der Industriellenvereinigung
(IV), Mag. Georg Kapsch, Dienstagabend anlässlich der Verleihung des
„Literaturpreises der Österreichischen Industrie – Anton Wildgans“
2015 an Erich Hackl im Wiener Haus der Industrie. „Erich Hackl gilt
zu Recht als großer literarischer Chronist, als jemand der
Verachtete, Verstoßene und Verfolgte in den Mittelpunkt stellt – er
macht sie sichtbar und bewahrt sie vor Vergessen. Er macht
vermeintlich Unbequemes sichtbar. Dieser Zugang verliert – leider –
nicht an Aktualität, im Gegenteil. Daher ist er umso wichtiger“, gab
Kapsch zu bedenken.
Laudatorin Gruber: Erich Hackl findet Geschichten oder sie
finden ihn
„Erich Hackls Literatur ist politisch, aus einer politischen Haltung
heraus, ‚sich in die eigenen Angelegenheiten einzumischen‘, um einen
Ausspruch von Max Frisch zu variieren – und die eigenen
Angelegenheiten betreffen durchaus die Geschichte. Aber Erich Hackl
erfindet keine Geschichten, er findet sie oder sie finden ihn. Was er
schafft, ist eine neue Erzählung – wir bräuchten sie mehr denn je,
eine neue Erzählung von uns und über uns“, stellte die Präsidentin
der Österreichischen Gesellschaft für Literatur, Prof. Marianne
Gruber, in ihrer Laudatio fest, bevor Erich Hackl seine Auszeichnung
aus den Händen von Georg Kapsch entgegennahm. „Trotz der ehrenden
Worte, für die ich Marianne Gruber herzlich danke, sei der Ordnung
halber darauf hingewiesen, dass die Auszeichnung diesmal einen
trifft, der ihr nicht wirklich gerecht wird. Der Wildgans-Preis soll
nämlich, wie es in der Beschreibung heißt, an eine Schriftstellerin,
einen Schriftsteller der jüngeren oder mittleren Generation fallen,
deren oder dessen Schaffen die abschließende Krönung noch erwarten
lasse. Und ich gehöre mit meinen fast 62 Jahren schon zu den Alten,
zweifle außerdem daran, das, was ich bisher geschrieben und
veröffentlicht habe, übertreffen zu können, und bringe nicht einmal
den Ehrgeiz auf, es übertreffen zu wollen. Es wäre ein seltsames
Bestreben, das zwischen den Menschen etablierte Konkurrenzgesetz nach
dem Motto ‚Wer leistet mehr: ich oder ich’ an mir selbst zu
exekutieren. Friedrich Wildgans ist mit 52 Jahren gestorben, sein
Vater Anton Wildgans mit 51. Viel zu früh, nicht nur nach heutigen
Begriffen, und wir wissen nicht, ob der Tod die Krönung ihres
Schaffens verhindert hat. Ich habe sie gleichsam überlebt und
streife, dankend, einen Preis ein, für den ich eigentlich nicht
bestimmt bin“, so der Preisträger.
Wildgans-Preis seit 1962 durch unabhängige Jury vergeben
Die mit 15.000 Euro dotierte Auszeichnung wird bereits seit 1962 von
einer unabhängigen Jury vergeben. Die Begründung der Jury – bestehend
aus Prof. Marianne Gruber (Präsidentin der Österreichischen
Gesellschaft für Literatur), Univ.-Prof. Dr. Johann Holzner (vorm.
Leiter des Brenner-Archivs an der Universität Innsbruck) und Barbara
Neuwirth (Schriftstellerin) – für die Auswahl des Schriftstellers:
„Erich Hackl verbindet in unnachahmlicher Weise wohl recherchierte
Fakten mit der Klarheit dichterischer Sprache, als Anwalt der
Erinnerung, mit der Kraft der Empörung gegen Unrecht, um
Menschenschicksalen eine Stimme zu geben, die nicht vergessen werden
dürfen.“ Der Anton-Wildgans-Preis geht jährlich an eine
österreichische Schriftstellerin oder einen österreichischen
Schriftsteller der jüngeren oder mittleren Generation, deren bzw.
dessen „Schaffen die abschließende Krönung noch erwarten lässt“ und
gehört zu den renommiertesten österreichischen Literaturpreisen.
Unter den Preisträgerinnen und Preisträgern befinden sich eine Reihe
von prominenten Autorinnen und Autoren der Zweiten Republik wie
Ingeborg Bachmann, Thomas Bernhard, Michael Köhlmeier, Arno Geiger,
Barbara Neuwirth, Sabine Gruber, Olga Flor und Norbert Gstrein.
Erich Hackl – Zur Person
Erich Hackl, geboren 1954 in Steyr, Oberösterreich, besuchte dort das
Gymnasium und studierte anschließend Germanistik und Hispanistik an
den Universitäten in Salzburg, Salamanca und Málaga. Ab 1977 war er
Lektor für deutsche Sprache und österreichische Literatur an der
Universität Complutense Madrid. Von 1979 bis 1983 unterrichtete er
als Lehrer für Deutsch und Spanisch in Wien, von 1981 bis 1990 am
Institut für Romanistik der Universität Wien. Seit 1983 ist er freier
Schriftsteller. Zahlreiche Reisen haben ihn in verschiedene Länder
Lateinamerikas geführt. Erich Hackl ist zudem Mitglied der Deutschen
Akademie für Sprache und Dichtung in Darmstadt sowie Träger
zahlreicher Auszeichnungen und Ehrungen wie u.a. des Großen
Kulturpreises des Landes Oberösterreich (Adalbert-Stifter-Preis) und
des Literaturpreises der Stadt Wien. Das bisherige Schaffen des
Autors umfasst eine Vielzahl bekannter Werke wie „Abschied von
Sidonie“ (1989) oder „Die Hochzeit von Auschwitz. Eine Begebenheit.“
(2002).
Weitere Informationen: www.iv-net.at/medien
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