LK Steiermark: Situation für Milchbauern ist dramatisch

Titschenbacher an Lebensmittelhandel: Mit dem Preisdumping endlich aufhören

Graz (OTS) - "Von Monat zu Monat sinken in Österreich die Erzeugermilchpreise, die Bauern brauchen dringendst eine Trendumkehr. Mit Tiefstpreisen von durchschnittlich 27,3 Cent oder einem Minus von 33% gegenüber dem Frühjahr 2014 liegen sie in der Steiermark weit unter den Herstellungskosten. Das halten unsere Bauern nicht länger aus. Es ist leider eine traurige Tatsache, dass bereits Betriebe aufhören, die sich für die Zukunft gerüstet haben", skizzierte heute der steirische Landwirtschaftskammer-Präsident Franz Titschenbacher die Misere.

Lebensmittelhandel verschleudert hochwertige Milchprodukte

"Die heimischen Milchbauern haben ihre Hausaufgaben gemacht und die Wünsche des Lebensmittelhandels sowie der Konsumenten erfüllt, trotzdem wird ihre hochwertige Milch entwertet und verschleudert", kritisierte Titschenbacher. Die Landwirte hätten in tierfreundliche Ställe investiert, ihre Kompetenzen durch Weiterbildung gesteigert und die Zuchtarbeit auf Gesundheit und Leistung vorangetrieben. Als einziges Land weltweit könne Österreich überdies auf die garantiert gentechnikfreie Fütterung der Milchkühe verweisen. "Rund 80% der steirischen Milch kommen von Bergbauern, die unsere steilen Hänge unter schwierigsten Gegebenheiten bewirtschaften und so die für den Tourismus so wichtige Landschaft pflegen", gab Titschenbacher zu bedenken. Für die Milchbauern könne es so nicht weitergehen. Der Lebensmittelhandel sei aufgefordert, dem Preisdumping ein Ende zu setzen.

Höchste Tierschutz- und Qualitätsstandards bedeuten auch höhere Kosten

"Die von der Gesellschaft und dem Handel geforderten hohen Tierschutz- und Tierwohlstandards in Österreich sowie die gentechnikfreie Fütterung und die Bewirtschaftung der steilen Hänge im Berggebiet sind für die heimischen Bauern erheblich teurer -verglichen mit den europäischen Berufskollegen. Gleichzeitig geht vom Milchpreis im Lebensmittelgeschäft immer weniger an den Bauern. Im Jahr 2013 kam am Bauernhof noch ein Drittel des Konsumentenpreises an, im April 2016 ist der Anteil auf nur mehr ein Viertel zurückgefallen", kritisierte der LK-Präsident den Handel scharf. "Die Lebensmittelketten sollten ihre Marktmacht nicht zum Nachteil der Bauern ausnützen. Es ist inakzeptabel, durch künstlich herbeigeredete Weltmarktpreise unfaire Senkungen bei den Erzeugermilchpreisen zu erzwingen", so Titschenbacher.

Trinkmilch weit unter ihrem Wert geschlagen

"Gesunde heimische Trinkmilch wird weit unter ihrem Wert geschlagen. Der Lebensmittelhandel entwertet durch Schleuderpreise und Lockangebote gesunde Molkereiprodukte", stellte Titschenbacher klar. Er nannte dazu auch Beispiele: 1 l Milch kostet zwischen 0,85 und 1,09 Euro, während für Coca Cola 1,45 Euro/l verlangt werden. Und: Der Jahresbedarf Milch für eine vierköpfige Familie kostet nur 330 Euro, während ein Panini-Sammelheft auf bis zu 523 Euro kommen kann.

Rasche Lösungen und Entlastungen notwendig

Für die krisengeschüttelten Milchbäuerinnen und Milchbauern drängt der LK-Präsident auf rasche Lösungen und Entlastungen: "Der Lebensmittelhandel soll mit dem Preisdumping von Milch und Milchprodukten endlich aufhören. Tiefst- und Schleuderpreise werden auf dem Rücken der Bauern ausgetragen. Der Handel ist mitverantwortlich, wenn Milchbauern zusperren müssen", so Titschenbacher. Notwendig sei auch eine marktkonforme Milchproduktion. Diese soll kurzfristig freiwillig und auf einzelbetrieblicher Ebene sichergestellt werden. Mittelfristig sei eine europäische Lösung anzustreben, um Nachfrage und Angebot wieder ins Lot zu bringen. Weiters verlangt der Präsident eine einmalige Rabattierung der Sozialversicherungsbeiträge, diesbezügliche Gespräche sind im Laufen.

Agrardiesel einführen - Milchgipfel veranstalten

"Unsere Bäuerinnen und Bauern haben, verglichen mit ihren europäischen Berufskollegen, die höchste Dieselbesteuerung in Europa. Auch die österreichischen Bauern brauchen daher ein Entlastungsmodell - die Einführung des steuerbefreiten Diesels für die Landwirtschaft ist dringend notwendig", so Titschenbacher. Darüber hinaus müsse die EU die Einlagerungsmengen insbesondere bei Milchpulver aufstocken. Außerdem sollte das Sicherheitsnetz bei Tiefstpreisen verbessert werden (Interventionspreis erhöhen). Erforderlich wäre auch die Lockerung des Russland-Embargos: "Die heimische Molkereiwirtschaft hat erfolgreich einen Fuß in die Tür des Russlandmarktes gesetzt. Diese wichtigen Exporte sind jetzt zusammengebrochen", unterstrich der LK-Präsident. Er hält überdies einen Milchgipfel mit Minister Andrä Rupprechter, Spitzenvertretern des Handels, der Molkereien und der Bauernvertretung für notwendig. Dieser Gipfel ist bereits in Vorbereitung.
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