Mit dem Endbericht des Rechnungshofes ist ein großer Schritt zur Aufarbeitung der Vergangenheit vollzogen

60 der 67 Empfehlungen an die Burgtheater GmbH wurden bereits umgesetzt

Wien (OTS) -

Die Burgtheater GmbH sieht im heute veröffentlichten Endbericht der Rechnungshofs (RH) einen wesentlichen weiteren Schritt zur Aufarbeitung der Vergangenheit. Der umfangreiche Bericht enthält nach eineinhalbjährlicher Prüfung wesentliche Beurteilungen, Erkenntnisse und Empfehlungen, wobei 60 der 67 Empfehlungen an die Burgtheater GmbH bereits umgesetzt wurden bzw. sich in Umsetzung befinden.

Der außergewöhnliche Umfang des Berichts des RH von 210 Seiten zeigt, dass sich der RH in seiner Prüfung auf Basis der Fragen von Bundesminister Ostermayer sowie auf Basis der von der Burgtheater GmbH veranlassten forensischen Untersuchung sehr detailliert mit der Gebarung des Burgtheaters der Jahre 2008/2009 bis 2012/2013 (teils bis 2014 und 2015) auseinandergesetzt hat.

Von den 67 Empfehlungen des RH an die Burgtheater GmbH sind 60 Empfehlungen bereits umgesetzt oder in Umsetzung. Damit sind etwa 90% der Rechnungshof-Empfehlungen bereits umgesetzt oder in Umsetzung.

Karin Bergmann, Direktorin des Burgtheaters: „Wir sind dankbar für diesen Rechnungshofbericht, weil er uns geholfen hat, die Vorgänge aus der Vergangenheit aufzuarbeiten. Natürlich wird die rechtliche Aufarbeitung noch einige Zeit in Anspruch nehmen, aber diese ist in erster Linie die Sache der Staatsanwaltschaft und der Gerichte.“ Thomas Königstorfer, Kaufmännischer Geschäftsführer des Burgtheaters:
„Wir haben gemeinsam mit den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern im Haus in den vergangenen beiden Jahren enorme Anstrengungen unternommen, um uns organisatorisch besser aufzustellen und uns damit wieder mehr auf die künstlerische Arbeit konzentrieren zu können. Der Endbericht des Rechnungshofs ist ein wichtiger Meilenstein auf diesem Weg.“

Die neue Geschäftsführung der Burgtheater GmbH hat konkret bereits folgende Maßnahmen gesetzt, auch vom Rechnungshof die in seinem Bericht empfohlen werden:

  • Die Theaterleitung erfolgt unter Bedachtnahme auf die verfügbaren Mittel: der RH bestätigt in seinem Bericht, dass die Aufwendungen bereits des Geschäftsjahres 2013/2014 wieder auf dem Niveau des Jahres 2008/2009 lagen.
  • Die Anzahl an Neuproduktionen erfolgt unter Bedachtnahme auf die verfügbaren Mittel: die genehmigten Produktionsbudgets der beiden Jahre 2013/2014 und 2014/2015 wurden eingehalten.
  • Im Herbst 2015 wurden erstmalig ausgeglichene Dreijahres-Budgets für 2015/2016, 2016/2017 und 2017/2018 beschlossen.
  • Die zur Verfügung gestellten Mittel aus der Basisabgeltung werden im Sinne des kulturpolitischen Auftrags verwendet: das Burgtheater wurde 2015 als „Theater des Jahres“ ausgezeichnet.
  • Es wurde das Interne Kontrollsystem verbessert: der RH bestätigt bereits in seinem Bericht, dass 2014 ein verbessertes IKS in Kraft gesetzt wurde, und dass etwa die Kassenordnung seit September 2014 die Abläufe zwischen der Hauptkasse und anderen Organisationseinheiten schriftlich festhält.
  • Seitens der Bundestheater Holding wurde ein neues Berichtswesen mit verbesserter Aussagekraft der Quartalsberichte und eigenem Liquiditätsmonitoring eingeführt.
  • Barauszahlungen an MitarbeiterInnen der Burgtheater GmbH wurden um 90% gesenkt.
  • Der durchschnittliche Bestand an Bargeld in der Hauptkasse wurde im Jahr 2014/2015 gegenüber 2010 bis 2013 um mehr als 90% gesenkt.
  • Ein- und Auszahlungen werden in den Büchern täglich festgehalten: der RH stellt bereits in seinem Bericht fest, dass dies jetzt erfolgt.
  • Handverlage wurden geregelt und werden gekennzeichnet: Die Überprüfungen durch den RH in 2014/2015 ergaben, dass die Hauptkasse diese Regelungen in den geprüften Fällen einhält.
  • Kassenkontrollen in der Hauptkasse der Burgtheater GmbH werden monatlich durchgeführt.
  • Bei allen Geschäftsabläufen wird zwischen ausführenden und kontrollierenden Funktionen getrennt.
  • Die Weisung der Bundestheater-Holding, Beschäftigten oder Werkvertragsnehmern nur bei Vorliegen einer rechtlichen Verpflichtung „Akonti“ auszuzahlen, wird eingehalten (was der RH auch bestätigt).
  • Bezüge, Honorare, Bezugsvorschüsse, Honorarvorschüsse oder andere Entgelte an Beschäftigte der Werkvertragsnehmer der Burgtheater GmbH werden nicht mehr in bar ausgezahlt
(was der RH auch bestätigt).
  • Die Burgtheater GmbH hat seit 2013/2014 keine Steuer- und Abgabenverbindlichkeiten von Dienst- oder Werkvertragsnehmern und keine privaten Steuervorschreibungen von Finanzverwaltungen beglichen
  • Es werden seit November 2013 keine privaten Überweisungen mehr durchgeführt, was vom RH in seiner Prüfung auch bestätigt wird.
  • Es gilt ein Vier-Augen-Prinzip, das in einer neuen Pouvoir-Richtlinie geregelt ist.
  • Unterlagen werden geordnet archiviert.
  • Vor Auszahlungen wird auf die Ordnungsmäßigkeit der Belege geachtet.
  • Anzahlungen auf Werkvertragshonorare werden nur noch gewährt, wenn dies vertraglich vereinbart ist
  • Gegenleistungen für empfangene Leistungen werden im Betriebsergebnis als Aufwand erfasst, sodass die wirtschaftliche Lage der Burgtheater GmbH richtig dargestellt wird: der RH bestätigt in seinem Bericht, dass seit 2014 Verbuchungen zeitnah erfolgen und keine Akonti mehr ausbezahlt werden.
  • Das Burgtheater legt seit September 2015 der Auslastungsberechnung der Spielstätte Burgtheater für jede Vorstellung den gleichen Saalplan zugrunde.
  • Die Geschäftsführung setzt, wie vom RH empfohlen, einen Schwerpunkt auf die Steigerung der tatsächlichen Erlöse, und kann 2014/2015 ein Plus von 15% oder 1,1 Mio. EUR bei den Kartenerlösen vorweisen.
  • Die Datenlage im Bereich Personal wurde auf verschiedenen Ebenen berichtigt (Anzahl Vollzeitäquivalente, Zeitausgleich, etc.).
  • Es wurde eine Vertragsinventur durchgeführt.
  • Sowohl für DienstnehmerInnen als auch für WerkvertragsnehmerInnen erfolgen sämtliche Abrechnungen zentral über die Lohnverrechnung.
  • Selbstständige Honorare werden nur bei Vorliegen einer rechtskonformen Honorarnote ausbezahlt.
  • Dienstreisen werden nach einer Dienstreise-Richtlinie genehmigt und abgerechnet.
  • Die Verwaltung der Freizeitansprüche des Personals im Bereich Kunst wurde neu geregelt.
  • Die Aufwendungen für die Leitungsteams wurden verringert, was der RH in seinem Bericht für das Geschäftsjahr 2013/2014 auch bestätigt.
  • Die Führungsspannen der Geschäftsführung wurden optimiert.
  • Kostenstellenverantwortungen wurden auch im Bereich Kunst geschaffen und eingeführt.
  • Eine neue Pouvoir-Richtlinie regelt Unterschrifts- und Genehmigungs-Berechtigungen am Burgtheater.
  • Die aktuellen Mitglieder der Geschäftsführung erhalten keine Prämien, keine Mehrdienstleistungen und keine sonstigen finanziellen Leistungen, die über die vertraglichen Vereinbarungen hinausgehen.
  • Die Beiträge an Pensionskassen werden seit 2014/2015 restriktiv gehandhabt und wurden deutlich reduziert; sie stehen nur mehr den beiden Mitgliedern der Geschäftsführung zu, die beide über keinen Anspruch nach dem Bundestheaterpensionsgesetz verfügen.
  • Von der Burgtheater GmbH werden keine privaten Geldmittel verwahrt.
  • Änderungen der Bilanzierungs- und Bewertungsmethoden werden an den Aufsichtsrat deutlich kommuniziert.
  • Berichte der internen Revision werden dem Aufsichtsrat in vollem Umfang zur Verfügung gestellt.

Zu weiteren Empfehlungen werden Verbesserungsmöglichkeiten evaluiert, wobei einzelne davon auch die anderen Gesellschaften im Bundestheater-Konzern betreffen und diese daher einzubinden sind.

  • Die Abarbeitung der Akonti auf Verrechnungskosten wird fortgesetzt.
  • Die Beschaffung von Bühnenbildern, Kostümen und sonstigen Theaterrequisiten von Dritten wird im Konzern unter Federführung der Bundestheater Holding evaluiert.
  • Im Rahmen eines strategischen Personalcontrollings empfiehlt der RH auch Kennzahlen heranzuziehen, die über den Personalstand und Personalaufwand hinausgehen. Zudem sollen Arbeitsplatzbeschreibungen erstellt, Mitarbeitergespräche eingeführt und ein Gleichbehandlungsplan ausgearbeitet werden.
  • Die Ausgabe von Dienstkarten an die MitarbeiterInnen über den Betriebsrat wird überprüft und soll neu geregelt werden, ebenso die Ausgabe von Premierenkarten.
  • Gemeinsam mit den anderen Konzerngesellschaften soll unter Federführung der Bundestheater Holding geprüft werden, ob bzw. wie anstelle der vorhandenen Dokumente aus dem Jahr 1960 zum Zeitausgleich für Künstlerisches Personal eine Betriebsvereinbarung abgeschlossen werden kann.
  • Gemeinsam mit den anderen Konzerngesellschaften soll unter Federführung der Bundestheater Holding geprüft werden, ob bzw. wie das Thema Compliance-Kultur vertiefend verfeinert werden kann.

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