„Menschen & Mächte“-Doku über „Die Not am Mann – Männerbilder im Wandel“

Am 25. Mai um 22.30 Uhr in ORF 2

Wien (OTS) - „Die Hierarchie oder heilige Ordnung der Männer gilt, seitdem die Menschheit sesshaft geworden ist“, meint der Philosoph Gerhard Schwarz. In den Führungsetagen heimischer Konzerne und Betriebe gibt es keine „Not am Mann“, eher einen Überschuss an Männern. Auf der anderen Seite sind Frauen in den vergangenen Jahrzehnten in Berufe vorgedrungen, die als Männerdomänen galten. So steuern sie heute Militär- und Passagierjets, Hubschrauber oder Züge. Doch wie sieht es umgekehrt aus? Wo sind die Männer in jenen Berufen, die als traditionell weiblich gelten? Dieser Frage geht die „Menschen & Mächte“-Dokumentation „Die Not am Mann – Männerbilder im Wandel“ von Edith Stohl und Florian Gebauer am Mittwoch, dem 25. Mai 2016, um 22.30 Uhr in ORF 2 nach.

Frauen haben historisch gewachsene Erfahrung mit Fürsorge und Fürsorglichkeit, aber vor allem mit Kindererziehung. Das belegt trotz Frauenbewegung und Emanzipation der Blick in die Statistik. Kindergärten etwa sind mehrheitlich männerfrei. Es gibt massenweise „Tanten“: 52.000 Kindergartenpädagoginnen stehen in Österreich 1.000 „Onkeln“ gegenüber. Das sind gerade einmal zwei Prozent. Auch in der Volksschule ist das Verhältnis eindeutig: 2.500 Lehrer, 31.000 Lehrerinnen.

Auch in den Pflegeberufen herrscht traditionell „Not am Mann“. Es gibt Krankenschwestern, aber wenige „Krankenbrüder“, die nennt man dann Pfleger. Insgesamt arbeiten ca. 250.000 Österreicher/innen in Pflegeberufen, 90 Prozent davon sind weiblich. Im Durchschnitt arbeiten männliche Pfleger nur sieben Jahre in ihrem Job und wechseln dann oft in andere medizinische Bereiche, werden Pharmareferenten oder wählen Fortbildungen im medizinisch-technischen Bereich. Wieso gibt es nur so wenige männliche Erzieher und Lehrer in unserem Kinderbetreuungssystem? Interviewte Frauen und Männer, die in diesen Berufen arbeiten, versuchen neben Geschlechterforschern Antworten darauf zu geben.

Der Beruf bedeutet viel mehr als Prestige und gutes Gehalt. Wenn eine Frau Anerkennung erhält, wenn sie Ärztin, Ingenieurin, Polizistin oder Lokomotivführerin ist, ein Mann, der Kindergärtner oder Pfleger wird, aber nicht, so schwingt hier die Frage der Rollen und Geschlechterbilder mit. Ein Bub oder Jugendlicher, der mit Puppen spielt, kann schnell schief angesehen werden, wahrscheinlich ein Weichling oder Träumer. Daher fragt die Dokumentation: Wann ist ein Mann ein Mann? Was ist eigentlich ein „typischer Mann“ oder eine „typische Frau“? Mit welchen Idealen wurde Männlichkeit und Weiblichkeit im Laufe der Geschichte verbunden? Die Väter, die im Ersten und Zweiten Weltkrieg kämpften, gaben ihre Ideale von Männlichkeit, von Ordnung, Disziplin und Pflichtbewusstsein an die Söhne und Enkel weiter. Die rebellierten dann ab 1968. Zugleich höhlten Feminismus und Frauenbewegung als stete Tropfen die Steine. Es folgten Quotenregelungen und Gleichbehandlungsgesetze. Eigentlich Belege, dass sich männliche Bekenntnisse nicht immer mit mentalen Erkenntnissen synchronisierten.

Prägungen und Rollenbilder entstehen in der Kindheit: zu Hause, im Kindergarten und in der Volksschule. Womit spielen Burschen, womit Mädchen? An welchen Vorbildern orientieren sich die Buben? Es sind vor allem Codes und historische Genesen, die Männer zum Mann machen, sagt die Genderforschung. Der spürbare Wandel traditioneller Familienbilder, die zunehmende Zahl von Alleinerzieherinnen, das Aufwachsen ohne Väter, schwule oder lesbische Paare, die Kinder großziehen, können das männliche Selbstverständnis ebenso wie Rollenbildprägungen steuern und mitbestimmen. Gleichzeitig jedoch wirken die Einflüsse der Mediengesellschaft und des Internets stärker als je zuvor. Auch ein Blick in die Welt der Computerspiele macht das deutlich.

Die stetig gewachsene multiethnische Durchmischung von Kindergärten, Volksschulen und höheren Schulen konfrontiert Pädagoginnen und Pädagogen mit religiös und kulturell geprägten Rollenbildern, die jenen oft diametral entgegenstehen, die in den Schulen vermittelt werden. Darüber berichten betroffene Lehrerinnen und Lehrer. Ganz besonders aktuell ist derzeit die Frage des Männerbildes bei Flüchtlingen aus den Kriegsgebieten. In Salzburg gibt es das Integrationsprojekt „Heroes“. Junge Männer mit Migrationshintergrund gehen als Botschafter für eine gerechte und gewaltfreie Gesellschaft in Schulen, Jugendzentren und Wohnheime für unbegleitete minderjährige Flüchtlinge. „Ganze Männer machen halbe – halbe“ heißt es. Ganz gleich in welchem gesellschaftlichen Bereich. Um sich dieser Parität auch bei den „typischen Frauenberufen“ anzunähern, muss deren Sozialprestige ebenso angehoben werden wie die recht niedrige Entlohnung, auch das macht die Dokumentation deutlich.

Die Sendung ist nach der TV-Ausstrahlung sieben Tage auf der Video-Plattform ORF-TVthek (http://TVthek.ORF.at) als Video-on-Demand abrufbar und wird auch als Live-Stream angeboten.

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