- 17.05.2016, 10:33:50
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Apell an EU: Last-Minute-Glyphosat-Bewertung von JMPR sollte nicht berücksichtigt werden
Offener Brief von GLOBAL 2000 an EU-28 verweist auf Interessenskonflikte und unerledigte Hausaufgaben
Utl.: Offener Brief von GLOBAL 2000 an EU-28 verweist auf
Interessenskonflikte und unerledigte Hausaufgaben =
Wien (OTS) - In einem offenen Brief verweist die
Umweltschutzorganisation GLOBAL 2000 auf gravierende
Interessenskonflikte von leitenden Mitarbeitern der Arbeitsgruppe des
Joint Meeting on Pesticide Residues (JMPR). Dieses Gremium der
FAO/WHO hatte gestern, für Beobachter wenig überraschend, nur zwei
Tage vor der Abstimmung über die Neuzulassung von Glyphosat dem
Pestizid einen Persilschein ausgestellt.
Der offene Brief:
Sehr geehrte Damen und Herren!
Sehr geehrte EntscheidungsträgerInnen!
Punktgenau zwei Tage vor der europäischen Entscheidung über eine
Wiederzulassung von Glyphosat meldete sich gestern das „Joint Meeting
on Pesticide Residues“ (JMPR) der FAO/WHO zu Wort und wiederholte im
Wesentlichen seine schon 2004 und 2011 verkündete Einschätzung: Es
sei „unwahrscheinlich, dass Glyphosat über die Ernährung ein
Krebsrisiko für den Menschen darstelle“.
Aus folgenden Gründen raten wir dringend davon ab, diese
„Last-Minute-Einschätzung“ des JMPR in Ihrer morgigen Entscheidung
über ein mögliches Verbot von Glyphosat in der Europäischen Union zu
berücksichtigen:
Das JMPR geriet 2015 WHO-intern in die Kritik, als die Internationale
Agentur für Krebsforschung (IARC) der WHO die Pestizide Diazinon,
Malathion und Glyphosat als möglicherweise bzw. wahrscheinlich
krebserregend identifiziert und eingestuft hatte. Denn das JMPR der
FAO/WHO hatte diese Pestizide - unter Federführung von
BfR-Mitarbeitern - zuvor bewertet und als unbedenklich eingestuft.
Daher installierte die WHO eine "Task Force", welche die Ursachen für
Diskrepanz zwischen den Bewertungen der beiden WHO-Gremien
untersuchen sollte. Deren Abschlussbericht kann durchaus als eine
umfassende Kritik an der Arbeitsweise des JMPR gelesen werden:
http://www.who.int/foodsafety/areas_work/chemical-risks/main_findings
_and_recommendations.pdf?ua=1
Dennoch hat das JMPR es bislang verabsäumt, die Empfehlungen der
WHO-Task-Force umzusetzen. So hat das JMPR es auch verabsäumt, seine
internen Richtlinien und Kriterien für die Berücksichtigung bzw. die
Nicht-Berücksichtigung wissenschaftlicher Studien neu festzulegen.
Das JMPR war in den vergangenen Jahren auch wiederholt mit dem
Vorwurf mangelnder Transparenz und ungelöster Interessenskonflikte
konfrontiert gewesen. Leider wurde auch die aktuelle Arbeitsgruppe
zur Bewertung von Glyphosat offenbar von zwei Experten geleitet, die
langjährige und enge Beziehungen zu der "Industrie-Lobby" ILSI
(International Life Sciences Institute) unterhalten. ILSI wird von
zahlreichen Industriekonzernen, darunter auch Glyphosat-Herstellern
wie Monsanto und Dow, finanziert.
Im Gegensatz dazu basiert die IARC-Einstufung, dass Glyphosat
“wahrscheinlich für den Menschen krebserregend“ ist, auf der
transparenten und gründlichen Evaluierung der besten verfügbaren
wissenschaftlichen Literatur durch 17 von der IARC einberufene
internationale Experten, die keinen Interessenskonflikten unterlagen.
Daher erlauben wir uns, die Entscheidungsträger in der Europäischen
Union nochmals an die möglichen Konsequenzen einer Wiederzulassung
von Glyphosat durch den Ständigen Ausschuss für Pflanzen, Tiere,
Lebensmittel und Futtermittel zu erinnern:
1. Verletzung der Pestizidverordnung 1107/2009 und des in der
EU-Verfassung verankerten Vorsorgeprinzips durch politische
Entscheidungsträger
2. einen EU-weiten Anstieg maligner Non-Hodgkin-Lymphome, der zu
verhindern gewesen wäre
3. Menschen, die ihrer Krebserkrankung auf die Exposition gegenüber
Glyphosat zurückführen könnten, und politische
EntscheidungsträgerInnen für ihre vorhersehbaren gesundheitlichen
Schäden verantwortlich machen
Daher empfehlen wir dringend, am 18. und 19.Mai gegen eine erneute
Zulassung von Glyphosat zu stimmen!
Weitere Informationen finden Sie in dem Offenen Brief vom 12.05.2016,
der von 39 europäischen Umwelt-, Verbraucherschutz- und
Ärzteorganisationen mitunterzeichnet wurde.
Mit freundlichen Grüßen,
Helmut Burtscher,
Umweltchemiker und Vorstand von GLOBAL 2000
GLOBAL 2000 wird heute um 10:30 Uhr nahezu 50.000 Unterschriften
gegen die Neuzulassung von Glyphosat sowie den von 39 Organisationen
unterfertigten offenen Brief an die 28 EU-Mitgliedsstaaten im Rahmen
einer Aktion vor dem Landwirtschaftsministerium deponieren. Der
Umweltchemiker DI Dr. Helmut Burtscher von GLOBAL 2000 wird ebenfalls
vor Ort sein und für Fragen zur Verfügung stehen.
Fotos der Aktion werden am heute um zirka 12:00 Uhr auf
https://www.flickr.com/photos/global2000 veröffentlicht
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