• 16.05.2016, 18:27:36
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Industrie-Beziehungen und Interessenskonflikte werfen schiefes Licht auf Glyphosat-Persilschein durch JMPR der FAO/WHO

Wien (OTS) - Zwei Tage vor der europäischen Entscheidung über eine
Wiederzulassung des von der IARC WHO als wahrscheinlich beim Menschen
krebserregend eingestuften Unkrautvernichtungsmittels Glyphosat,
veröffentlicht der sogenannte „Sachverständigenausschuss für
Pestizidrückstände“ (JMPR) der FAO/WHO seine Einschätzung, dass es
unwahrscheinlich sei, dass das umstrittene Unkrautvernichtungsmittel
Glyphosat über die Ernährung ein Krebsrisiko für den Menschen
darstelle.

Damit hat das JMPR seine alte Einschätzung zu Glyphosat aus den
Jahren 2004 und 2011, die in Widerspruch zu der Einstufung der
Internationalen Agentur für Krebsforschung (IARC) der WHO steht,
bestätigt .

„Die Einschätzung selbst und auch der Zeitpunkt ihrer
Veröffentlichung sind für Beobachter leider keine große Überraschung,
werfen allerdings einmal mehr ein schiefes Licht auf das JMPR“, sagt
Helmut Burtscher, Umweltchemiker von GLOBAL 2000: „Die Arbeit dieses
Gremiums der FAO/WHO steht seit Jahrzehnten in der Kritik aufgrund
ihrer Intransparenz und der immer wieder ans Licht tretender
Interessenkonflikte und Industrie-Beziehungen einzelner Mitarbeiter“

Auch in der aktuellen Arbeitsgruppe finden sich schon auf den ersten
Blick mit Alan Boobis und Angelo Moretto zumindest zwei Experten, die
enge Verbindungen zum International Life Sciences Institute (ILSI)
unterhalten. ILSI Europe erhält eine Mehrheit seiner Betriebs- und
Forschungsförderung von privaten Unternehmen, darunter auch
Glyphosat-Hersteller wie Dow und Monsanto. Boobis ist aktuell
Vizepräsident dieser Industrie-gesponserten Einrichtung. Siehe auch:
http://www.greenpeace.org/eu-unit/en/News/2016/Industry-ties-JMPR-gly
phosate/

Auch die wissenschaftliche Methodik des Gremiums geriet in die Kritik
als die IARC der WHO im März 2015 gleich bei drei Pestiziden
“krebserregende Wirkungen feststellte, die vom JMPR immer als
unbedenklich eingestuft worden waren. Im Sommer 2015 untersuchte eine
WHO-interne Taskforce den Hintergrund dieser konträren Einstufung
durch die IARC und JMPR. Ergebnis dieser Prüfung waren einige
Empfehlungen an das JMPR: Unter anderem, dass das JMPR seine internen
Richtlinien überprüft und die Kriterien für die Einbeziehung und den
Ausschluss von wissenschaftlichen Daten und Studien grundlegend neu
aufsetzt: Quelle:
http://www.who.int/foodsafety/areas_work/chemical-risks/main_findings
_and_recommendations.pdf?ua=1

Einer offiziellen Anfrage des deutschen Bund für Umwelt und Natur
(BUND) zufolge hat das JMPR diese Empfehlungen nicht umgesetzt.
Daher müssen sowohl die in der WHO-internen Überprüfung
festgestellten Mängel als unaufgelöst erachtet werden, wie die
Interessenskonflikte mancher Mitarbeiter.

Im Gegensatz dazu basiert die Krebseinstufung von Glyphosat durch die
IARC auf der transparenten und gründlichen Evaluierung der besten
verfügbaren wissenschaftlichen Literatur durch 17 von der IARC
einberufene internationale Experten, die keinerlei
Interessenskonflikten unterlagen.

GLOBAL 2000 rät aus obigen Gründen davon ab, die Last
Minute-Einschätzung des JMPR in eine Entscheidung die für 500
Millionen EuropäerInnen große Bedeutung haben kann, zu
berücksichtigen.

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