- 13.05.2016, 12:17:32
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Kein Start für Flächenwidmung am Heumarkt
Vassilakou: „Fachliche Beurteilung ermöglicht keine Widmung“
Utl.: Vassilakou: „Fachliche Beurteilung ermöglicht keine Widmung“ =
Wien (OTS) - Die Stadt Wien wird das Flächenwidmungsverfahren zu dem
vom Investor Wertinvest geplanten Umbau des Areals am Wiener Heumarkt
in der vorliegenden Form nicht weiterführen. „Es liegen nun alle
fachlichen Beurteilungen des Magistrats und des Fachbeirates für
Architektur und Stadtgestaltung vor. Darin werden starke Bedenken
gegenüber dem Projekt ins Treffen geführt, was aus Sicht der
Stadtplanung eine Weiterverfolgung der Flächenwidmung und etwaige
Vorlage an den Gemeinderat des vorliegenden Projektes nicht möglich
macht“, so Wiens Vizebürgermeisterin Maria Vassilakou. „Ich empfehle
daher allen Seiten eine Nachdenkpause.“
Die geplante Umgestaltung des Areals Hotel
Intercontinental/Eislaufverein/Konzerthaus hat in den letzten Jahren
weitreichende Vorarbeiten nach sich gezogen. Dazu fand ein
umfangreiches kooperatives Planungsverfahren statt, auf dessen
Grundlage ein internationaler Architekturwettbewerb ausgelobt wurde
und das bestehende Projekt von einer renommierten Jury als
Siegerprojekt gekürt wurde. Trotz dieses guten und soliden Verfahrens
gibt es nach mehreren Jahren Vorarbeit nach wie vor offene Fragen und
Bedenken.
Insbesondere äußerte der Fachbeirat für Architektur und
Stadtgestaltung in seiner letzten Sitzung diese Woche massive
Bedenken, unter anderem in Bezug auf die Proportionalität, die Höhe
der Gebäude, die Breite der Durchwegung sowie das Hereinragen der
Eisfläche in den Straßenraum. Zusätzlich wurden im Rahmen der
Strategischen Umweltprüfung „deutlich negative Auswirkungen“ auf das
Stadtbild festgestellt. Weiters gibt es noch keine finale Zustimmung
des Wiener Eislaufvereins zum Projekt.
In der vorliegenden Form kann daher für dieses Vorhaben kein
Widmungsverfahren eingeleitet werden. Die Stadt Wien steht weiterhin
zum Wiener Eislaufverein und seiner langfristigen Absicherung. Ebenso
dazu, dass das Heumarkt-Areal zur Zeit nicht attraktiv ist und eine
Verbesserung braucht. Die Stadt Wien bekennt sich zum Hotel- und
Konferenz-Standort Wien.
„Beim Areal am Heumarkt handelt es sich allerdings um einen
besonderen Ort in der Stadt. Dieser Platz ist eine Attraktion und
eines der Herzstücke unserer Stadt. Das Eislaufen mitten in der Stadt
hat Tradition, hat Flair und sorgt für Freude. Und mit dem
Konzerthaus steht hier eines der zwei großen Musikhäuser der Stadt“,
sagte Vassilakou.
Daher bedarf es für eine Neugestaltung einer breiten fachlichen
Grundlage, von dem sich im Zuge des Verfahrens und der in der Stadt
Wien vorgesehenen Prüfungen im Rahmen des Flächenwidmungsverfahrens
gezeigt hat, dass sie nicht gegeben ist. „Dass die Verfahren hohen
Standards gehorchen, wurde diesmal erneut unter Beweis gestellt. Dies
ist kein Urteil über die Arbeit des Projektbetreibers, die in einem
hohem Maße engagiert, kooperativ und hochprofessionell war und ist.
Nun gilt es für alle Seiten die Nachdenkpause zu nutzen, um
tragfähigen Lösungen zu suchen“, so Vassilakou.
Hintergrund Areal Hotel Intercont/Eislaufverein/Konzerthaus
Das Gebiet rund um den WEV, das Konzerthaus, die Flächen des WEV und
das Hotel InterContinental Wien zählt seit Jahrzehnten zu einem der
meist diskutierten Bereiche der Wiener Ringstraßen-Bebauung. Der
Bereich liegt im östlichen Teil dieses ehemaligen Glacis, ist
abgegrenzt durch die Straßenzüge Johannesgasse, Am Heumarkt,
Lisztstraße und Lothringerstraße. Damit befindet sich dieser Block im
Randbereich des Kerngebiets des Weltkulturerbes des historischen
Zentrums Wiens.
Auf der einen Seite des Blocks befindet sich der Gebäudekomplex mit
dem Wiener Konzerthaus, dem Akademietheater und der Universität für
Musik und Darstellende Kunst. Dieser Gebäudekomplex wurde in den
Jahren 1910 bis 1913 nach den Entwürfen von Ludwig Baumann, Ferdinand
Fellner und Hermann Helmer aus Mitteln des Stadterweiterungsfonds
erbaut. Am gegenüberliegenden Ende des Baublocks befindet sich das
Hotel InterContinental, das erst Jahrzehnte später in den Jahren 1959
bis 1964 errichtet wurde. Der Entwurf stammt von Hollabird&Root, Carl
Appel und Walter Jaksch. Der dominante Gästezimmertrakt ist eine
Hochhausscheibe mit einer Gebäudehöhe von circa 44 Metern.
Zwischen Hotel und Konzerthaus befindet sich das Herzstück des
Areals, die circa 6.000 Quadratmeter große Eisfläche des "Wiener
Eislaufvereins". Zur Lothringerstraße wird die Eisfläche von
niedrigen Eingangs- und Tribünenbauten aus der zweiten Hälfte des 20.
Jahrhunderts verdeckt. Gegenüber diesen Bauten, entlang des
Straßenzugs "Am Heumarkt", befindet sich eine zweigeschossige
Bebauung, die aus derselben Bauperiode stammt.
Städtebauliche Überlegungen
Dieser hochwertige, innerstädtische Stadtraum birgt großes Potenzial.
Zentral für eine mögliche Entwicklung aus Sicht der Stadt Wien sind
folgende Verbesserungen für die Wienerinnen und Wiener:
• Erhalt, Absicherung und Verbesserung des Wiener Eislaufvereins
• Eine ganzjährige Nutzung der Fläche des Eislaufvereins
• Mehr Platz für FußgängerInnen zum Flanieren
• Neue Durchgangsmöglichkeiten, neue Verbindungen
• Öffnung des Areals
Kooperatives ExpertInnenverfahren
Auf Initiative der Stadt Wien wurde in zwei umfangreichen Hearings
mit den Akteurinnen und Akteuren vor Ort (WEV, Konzerthaus, Hotel
InterContinental), dem Investor, Vertreterinnen und Vertretern des
Magistrats und der Politik (Stadtplanungsressort, Planungssprecher,
Bezirke) sowie Fachexpertinnen und Fachexperten aus Architektur und
Städtebau sowie Denkmalschutz die Möglichkeiten des Areals
ausgelotet.
Aufbauend auf den Erkenntnissen dieser ExpertInnenhearings wurde ein
mehrstufiges kooperatives ExpertInnen- beziehungsweise
Werkstättenverfahren durchgeführt. Die Anregung dazu gab Univ.-Prof.
Rudolf Scheuvens, der auch den Vorsitz des Bewertungsgremiums
einnahm. Ziel dieses Verfahrens war es, zu einer städtebaulichen
Rahmenplanung zu gelangen.
Möglich wurde dies in drei Planungswerkstätten, an denen rund 50
Beteiligte aus Politik und Magistrat, des Wiener Eislaufvereins, des
Konzerthauses, des Internationalen Rates für Denkmalpflege (ICOMOS),
des Investors sowie des Hotelmanagements teilnahmen. Die
Öffentlichkeit wurde in das Verfahren mittels AnrainerInnenbefragung
eingebunden. Ferner wurde auch eine Ausstellung mit begleitenden
Dialogen durchgeführt.
Die Arbeiten mündeten in Empfehlungen für die städtebauliche
Weiterentwicklung, wobei aus der Vielzahl an Vorschlägen die zwei
Szenarien Bewahrung des Bestandes (eine bauliche Weiterentwicklung
unter Belassung der Hotel-Hochhausscheibe) und Neubau als
grundsätzlich tragfähige Bebauungskonzeptionen weiter verfolgt werden
sollen. Weiters wurde empfohlen:
• Die Bewahrung der freien Eisfläche in ihrer Bestandsdimension
• Eine mehrfache öffentliche Durchwegung
• Ein verbesserter Einblick auf die Freifläche sowie die Freistellung
des Konzerthauses
• Eine moderat abgesenkte Eisfläche soll im Sommer für kulturelle
Nutzungen zur Verfügung stehen und eine räumlich-funktionelle
Verknüpfung zum Konzerthaus erfahren.
• Attraktivierung der öffentlichen Straßenräume als großzügiges
Vorfeld
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