- 13.05.2016, 12:09:41
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Medien im Zeitgeist: Im Spannungsfeld zwischen Umfragen und Politik
Start der neuen ÖJC-Diskussionsreihe bringt pointiertes Podiumsgespräch, Reflexion und Selbstkritik zum Thema Meinungsforschung und Medien

Utl.: Start der neuen ÖJC-Diskussionsreihe bringt pointiertes
Podiumsgespräch, Reflexion und Selbstkritik zum Thema
Meinungsforschung und Medien =
Wien (OTS) - Der Österreichische Journalisten Club (ÖJC) hat am 12.
Mai 2016 seine neue Diskussionsreihe „Medien im Zeitgeist“ mit dem
Thema „Medien im Spannungsfeld zwischen Meinungsumfragen und Politik“
gestartet. Unter der Leitung von ÖJC-Präsident Fred Turnheim
diskutierten Julia Ortner, NEWS, Claudia Dannhauser, ORF, Karin
Cvrtila, OGM, Susanne Walpitscheker, Pressesprecherin Andreas Khol
und Fritz Hausjell, Publizistik Wien, am Abend sehr angeregt den
abgelaufenen ersten Bundespräsidentenwahldurchgang, die dazu
veröffentlichten Umfragen und das Verhalten der Journalistinnen und
Journalisten in den Medien dazu.
Uneinigkeit herrschte über das Thema der Beeinflussung der
Wählerinnen und Wähler durch die Umfragen zum ersten Wahlgang. Denn
einerseits konnten die Diskutanten feststellen, dass es viele
Personen gegeben hat, bei denen der sogenannte „Fallbeil-Effekt“ dazu
geführt hat, nicht zur Wahl zu gehen, andererseits aber sei die
Wählerentscheidung zu respektieren – und dazu gehöre auch die
Nichtteilnahme an der Wahl.
Dass die Meinungsforscher beim Ergebnis für den FPÖ-Kandidaten
Norbert Hofer falsch gelegen sind, bestritt die Meinungsforscherin
Karin Cvrtila. Da sich ein großer Teil der Wählerinnen und Wähler
immer später entscheiden, müsse bei der Beurteilung der Qualität von
Umfragen immer auf den Zeitpunkt der Durchführung und der Publikation
geachtet werden. So habe OGM die Reihenfolge des Ergebnisses richtig
vorhergesehen. Dass Hofer mit so großem Abstand vorne lag, sei auf
die nicht geringer werdende Bekennerquote seiner bzw. der
FPÖ-Wählerinnen und Wähler zurückzuführen. Diesen Effekt bei der
FPÖ-Wählerschaft kennen die Meinungsforscher schon von anderen Wahlen
seit Jörg Haider, trotzdem wird dieser Faktor bis jetzt immer wieder
zu gering angesetzt.
Julia Ortner hat erklärt, dass man sich bei NEWS der Problematik
bewusst ist, dass leistbare Umfragen zu geringe Stichproben nach sich
ziehen und 400er oder 500er-Umfragen ihr Geld nicht wert sind.
Deshalb hat die Zeitschrift NEWS im Rahmen des ersten Wahlganges auch
darauf verzichtet, Umfragen in Auftrag zu geben und zu publizieren.
Auch Claudia Dannhauser erläuterte, dass im ORF der Umgang mit
Umfragen sehr rigide ist. So berichte man in der ZEIT IM BILD nur
dann über Umfragen, wenn deren Ergebnisse zu öffentlichen, breiten
Debatten führen. Einig waren die DiskussionsteilnehmerInnen, dass es
im aktuellen Journalismus auch weiterhin möglich sein muss, über
Umfragen zu berichten, weil diese zumindest Tendenzen richtig
anzeigen können und damit schon Orientierung in der öffentlichen
Diskussion schaffen. Verglichen wurde das mit Wetterprognosen. Auch
diese führen zu Diskussionen und Entscheidungen, etwa ob man über das
Wochenende einen Ausflug macht und wenn die Prognosen falsch waren
könne man sich darüber ärgern oder freuen, meinte Fritz Hausjell.
Beachtenswert war die Aussage von Susanne Walpitscheker, dass es
offensichtlich sei, dass seitens der Regierungsparteien nicht „die
besten Kandidaten“ aufgestellt waren, denn schließlich habe der
Souverän, das Volk, entschieden, dass diese beiden Kandidaten nun
nicht mehr zu Wahl stehen. Fritz Hausjell ergänzte, dass es bei dem
Attribut „beste“ meistens nur um medienadiquates Auftreten gehe,
selten um die eigentliche Beurteilung, wer objektiv dem Land an der
Spitze des Staates vorstehen soll.
Auch das gut gefüllte Auditorium im „Zeitgeist“ beteiligte sich an
der regen Diskussion, die nach fast zwei Stunden zu Ende ging.
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