- 13.05.2016, 11:43:10
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Ein „Aktionsplan für Afrika“ über die Rolle von Religionsvertretern bei der Verhütung von Gewaltsanstiftung

Wien (OTS) - „Der afrikanische Kontinent wurde immer wieder
Schauplatz tragischer Konflikte, die ihren Ursprung in der
Manipulation der Religion zur Gewaltanstiftung hatten. Jedoch gibt es
in Afrika zahlreiche, wenn auch kaum bekannte Beispiele, die zeigen,
dass Religionsvertreter sowie religiöser Akteure in
Konfliktsituationen einen positive Einfluss ausüben können“, so die
Teilnehmer der internationalen Konferenz, die kürzlich in Addis Abeba
stattfand.
Über 40 Religionsvertreter sowie Vertreter der Zivilgesellschaft
trafen sich in Addis Abeba, um konkrete Maßnahmen zu besprechen, mit
denen sie ihren Gemeinschaften im Umgang mit Verhetzung helfen
können, vor allem in Bezug auf Hassreden, die zur Gewalt gegen
Menschen aufgrund ihrer Identität – ihres Glaubens, ihrer ethnischen
Zugehörigkeit oder Ähnliches – aufrufen.
Die Konferenz wurde vom Büro der Vereinten Nationen für die Verhütung
von Völkermord und für die Schutzverantwortung (United Nations Office
on Genocide Prevention and the Responsibility to Protect), dem
Internationalen Dialogzentrum (KAICIID), dem Ökumenischen Rat der
Kirchen und dem Netzwerk für religiöse und traditionelle
Friedensstifter organisiert. Es nahmen Religionsvertreter und
religiöse Akteure aus ganz Afrika daran teil, u.a. aus Burundi, der
Zentralafrikanischen Republik, dem Tschad, der Côte d’Ivoire, der
Demokratischen Republik Kongo, Äthiopien, Guinea, Kenia, Liberia,
Malawi, Nigeria, Ruanda, Somalia, Südafrika, dem Südsudan, dem Sudan,
Tansania, Uganda und Simbabwe.
In seiner Begrüßungsrede sagte Adama Dieng, Sonderberater des
UN-Generalsekretärs für die Verhütung von Völkermord, den
Konferenzteilnehmern: „Die Vereinten Nationen sind der festen
Überzeugung, dass ihr als Religionsvertreter und religiöse Akteure
eine wichtige Rolle in der Verhütung von Verhetzung und Anstiftung
zur Gewalt innehabt, weil ihr einen großen Einfluss auf eure
Gemeinschaften habt. Wir haben in der Zentralafrikanischen Republik,
der Côte d’Ivoire, in Nigeria, Ruanda im Sudan und im Südsudan
erlebt, wie Anstiftung zur Gewalt vonseiten staatlicher sowie
nicht-staatlicher Akteure in einigen Fällen zu Gräueltaten
einschließlich des Völkermordes geführt hat. Die Religion wurde als
Rechtfertigung für die Verfolgung ganzer Gemeinschaften benutzt:
Religiöse Vertreter haben Hassbotschaften verbreitet oder angesichts
brutaler Gewalttaten geschwiegen. Allerdings wissen wir auch, dass
Religion Teil der (Konflikt-)Lösung sein kann, und auch schon gewesen
ist: Religionsvertreter und religiöse Akteure sind in vielen Fällen
für die Verhütung von Gewalt entscheidend.“
Alvaro Albacete, der Stellvertretende Generalsekretär des
Internationalen Dialogzentrums, stimmte dem überein und sagte: „Wir
müssen die Rolle, die die Religion und religiöse Vertreter sowohl bei
der Anstiftung von Gewalt wie auch bei der Bekämpfung von
Gewaltanstiftung spielen, näher untersuchen. In vielen Teilen der
Welt ist Religion für viele Menschen ein wichtiger Motivationsfaktor.
Religiöse Institutionen, ihre Vertreter und Hauptakteure können
genauso viel Macht und Einfluss – wenn nicht sogar mehr – als die
entsprechenden säkularen Institutionen ausüben. Wir haben alle die
negativen Folgen der Manipulation der religiösen Identität erlebt.
Daher ist es unerlässlich, dass wir gemeinsam die Manipulation und
der Missbrauchs der Religion zur Verbreitung von Diskrimination,
Stereotypisierung und Hass gegenüber des ‚Andersartigen‘ oder
‚Fremden‘ bekämpfen.
Peter Prove, der Leiter für internationale Angelegenheiten des
Ökumenischen Rates der Kirchen, betonte: „Wir glauben, es ist unsere
Pflicht, uns mit unseren eigenen Traditionen, die der Gewalt zugrunde
liegen, auseinanderzusetzen und zugleich müssen wir nach jenen
Friedensvisionen trachten, die Gemeinschaften einen und stärken
können. Religiöse Vertreter und Akteure müssen Hoffnung verbreiten,
Hoffnung auf Frieden, Hoffnung auf Gerechtigkeit und Hoffnung auf
Gemeinschaft.“
Maßnahmen, um Anstiftung zur Gewalt zu verhindern
Unter der Prämisse, dass wirtschaftliche, soziale und politische
Faktoren in vielen Fällen zur Manipulation religiöser Identität
zugunsten von Gewaltanstiftung beitragen können, umrissen die
Konferenzteilnehmer eine Reihe konkreter Maßnahmen, die
Religionsvertreter zur Bekämpfung von Verhetzung ergreifen können.
Zum Beispiel:
1.Schulungen für religiöse Vertreter und Akteure anbieten, damit
diese die tieferen Ursachen von Gewalt und Gewaltanstiftung, deren
Konsequenzen und Auswirkungen sowie Strategien zur Vorbeugung und
Bekämpfung von Verhetzung identifizieren können.
2.Ein Frühwarnsystem entwickeln, damit im Falle von Verhetzung
schnell darauf reagiert werden kann.
3.Interreligiöse und interethnische Kooperationsplattformen und
-netzwerke gründen, gemeinsame Standpunkte vertreten und gemeinsame
Initiativen durchführen.
4.Verständnis zwischen den Generationen aufbauen und sich mit
Jugendliche stärker einbinden, um Verhetzung zu bekämpfen und
vorzubeugen.
5.Sich mit denjenigen auseinandersetzen, die bereits radikalisiert
worden sind oder der Gefahr der Radikalisierung ausgesetzt sind.
6.Traditionellen und neuen Medien intensiv nutzten, um
entgegengesetzte, alternative Botschaften zu verbreiten, mithilfe des
Mediums Radio sich für den Frieden, Respekt und Vielfalt einsetzen.
7.Sich dezidiert gegen sexuelle Gewalt als Kriegswaffe aussprechen,
sich für einen „Heilprozess der Erinnerungen“ im Umgang mit sexueller
Gewalt einsetzen, Überlebende in die Gemeinschaft aufnehmen, anstatt
sie zu isolieren und sie somit zum zweiten Mal zu Opfern zu machen.
Die von den Teilnehmern entwickelten Empfehlungen und Strategien
werden im „Aktionsplan für Afrika“ über die Rolle religiöser
Vertreter und Akteure zur Vorbeugung von Gewaltanstiftung, die zu
Gräueltaten führen könnte, ausgearbeitet werden.
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