• 09.05.2016, 11:05:36
  • /
  • OTS0056 OTW0056

10. Nephrologie-Symposium im Congress Schladming

http://www.apa-fotoservice.at/galerie/7748 10.
Nephrologie Symposium 29.04.2016

Schladming/Wien (OTS) - Am 29. und 30. April fand das 10.
Nephrologie-Symposium im Congress Schladming unter der Patronanz der
Österreichischen Gesellschaft für Nephrologie (ÖGN) statt. Bei einer
Podiumsdiskussion unter der Moderation von Robert Riedl, PERI Group,
wurde der Bogen von einem internationalen Vergleich der
Nierenversorgung zur Bedeutung und zum aktuellen Status des
Versorgungskonzepts Niere 60/20 in Österreich gespannt.

Seit vielen Jahren arbeitet die Österreichische Gesellschaft für
Nephrologie (ÖGN) nachhaltig daran, die Versorgung von Menschen mit
chronischen Nierenerkrankungen sowie deren Folgeerkrankungen zu
optimieren. Ziel einer hochkarätig besetzten Podiumsdiskussion im
Rahmen des 10. Nephrologie-Symposiums in Schladming war die
Aufarbeitung der bisherigen Aktivitäten sowie die Definition eines
roten Fadens für die Zukunft. Neben dem ÖGN-Präsidenten Prim. Prof.
Dr. Karl Lhotta diskutierten Vertreter seitens Patientenorganisation,
Hauptverband und Allgemeinmedizin.

Ohne Awareness bleiben 75 Prozent der Betroffenen unbehandelt

Einleitend stellte der Vorsitzende der ÖGN, Prim. Prof. Dr. Karl
Lhotta, dar, dass die Epidemiologie von Nierenerkrankungen in
Deutschland nahezu 1:1 auf Österreich umzulegen sei. Dort gäbe es bei
rund 10 Millionen Menschen Hinweise auf chronische
Nierenerkrankungen. Hinzu kommen zwei Millionen Personen mit
glomerulärer Filtrationsrate (GFR) von unter 60 ml pro Minute. Das
dramatische daran: „Nur 28 Prozent der Betroffenen mit einem GFR von
unter 60 ml war überhaupt bewusst, ein Nierenproblem zu haben. Von
diesen haben nur zwei Drittel eine entsprechende Therapie erhalten.
Dem gegenüber haben drei Viertel gar nichts von ihrer
Nierenerkrankung gewusst. Awareness zu schaffen ist die effektivste
Maßnahme. Wir benötigen Screenings im Bereich der Risikogruppen.
Kommen wir dem akuten Handlungsbedarf nicht nach, verlieren wir drei
Viertel der Menschen, ohne die Chance auf Intervention überhaupt
wahrzunehmen“, so Lhotta. Gemäß der Global Burden of Disease Study
der WHO sind non-communicable diseases im Bereich der Niere bereits
führend; Tendenz steigend. Problematisch bei Nierenerkrankungen ist,
dass diese nahezu symptomlos voranschreiten und so tendenziell spät
erkannt werden. „Menschen rechtzeitig der optimalen Therapie
zuzuführen muss oberste Priorität haben. Das wird durch das Projekt
Niere 60/20 forciert“, so Lhotta weiter. Es verfolgt den Ansatz,
Nierenerkrankungen möglichst früh zu erkennen. Spätestens, wenn die
Nierenleistung unter 60 Prozent fällt. So werden eine frühe Diagnose
und Maßnahmen, die einerseits das Fortschreiten der Nierenerkrankung
verzögern und andererseits das extrem hohe Risiko für
Herz-Kreislauf-Erkrankungen reduzieren, überhaupt erst möglich. Sinkt
die Nierenleistung unter 20 Prozent, kann der Patient in einem
nephrologischen Zentrum in angemessener Zeit auf die
Nierenersatztherapie (Hämodialyse, Bauchfelldialyse, Transplantation
inklusive Lebendspende) vorbereitet werden.

Konzept Niere 60/20: Erster Erfolg in der Steiermark

Univ.-Prof. Dr. Alexander Rosenkranz, Nierenspezialist an der
Universitätsklinik Graz und Co-Initiator des Konzepts berichtet von
einem ersten Erfolg: „In der Steiermark trägt das Projekt den Namen
niere.schützen. Mit 1. Jänner 2016 konnten wir das Konzept als erstes
Bundesland implementieren. Mit der GKK haben wir uns darauf geeinigt,
die Altersgruppe der 40-65-jährigen zu fokussieren. Alleine in dieser
Personengruppe leiden 75.000 Menschen unter erhöhtem Blutdruck. Geht
jemand aus dieser Gruppe zum Arzt, so prüft dieser auf
Risikokonstellationen. Ist das Ergebnis positiv, soll in Folge die
Nierenfunktion und die Eiweißausscheidung im Harn bestimmt werden“,
so Rosenkranz, der parallel anmerkt, dass es in der Steiermark nur
drei Labors mit entsprechender Kostenverrechnung gibt. Im Juni 2016
wird die GKK prüfen, ob die Bestimmung an Eiweißausscheidung in der
Steiermark mengenmäßig zugenommen hat. „Ziel muss die landesweite
Aufnahme ins DMP Programm Diabetes sein. Hier wird aktuell nur die
Albuminorie berücksichtigt, nicht das Serumkreatinin“, so Rosenkranz
zum aktuellen Status in der Steiermark.

Schulterschluss zwischen Allgemeinmedizin und Nephrologie

Für den steirische Allgemeinmediziner Dr. Oliver Lammel spielen die
Hausärzte die zentrale Rolle bei der Dedektion von
Nierenerkrankungen. „Wir haben einfach die meisten Patientenkontakte
und kennen oft auch das ganze Umfeld unserer Patienten“. Die
Bestimmung entsprechender Nierenparameter bekommt auch er nicht voll
abgegolten. „Von meinem Labor kommt regelmäßig jemand und bringt die
Proben nach Salzburg. Seitens der Krankenkasse würde man eines der
beiden teilnehmenden Labors in Graz bevorzugen. Doch von dort nimmt
niemand den weiten Weg zu mir in die Ramsau am Dachstein auf sich“,
klagt Lammel, der somit theoretisch nicht am Projekt Niere 60/20
teilnehmen kann, dieses aber dennoch zu 100 Prozent unterstützt:
„Nephrologische Aspekte sind extrem komplex. Etwa durch Fortbildungen
im Rahmen von Niere 60/20 lernen wir die Einzelheiten besser zu
verstehen“, so Lammel weiter. Für die Zukunft erachtet er eine
Zusammenarbeit zwischen Allgemeinmedizin und Nephrologie dringend
notwendig.

Auch der Oberösterreicher Rudolf Brettbacher, Präsident der ARGE
Niere, möchte Niere 60/20 nicht nur in seinem Bundesland forcieren,
sondern tritt für eine rasche landesweite Umsetzung ein und betont
größtmögliche Unterstützung: „Ich denke, wir können seitens der
Patienten künftig einen essentiellen Beitrag, etwa bei Themen, die
sich mit dem Leben Betroffener im Alltag befassen, leisten. Diese
können wir aus den Ambulanzen abziehen und sie dadurch entlasten.“

HVB: Ziel muss eine landesweite Versorgung sein

In der Sozialversicherung ist es auf Grund der föderalistischen
Strukturen nicht einfach, wenn es um die Umsetzung derartiger
Projekte geht. Mag. Martin Schaffenrath vom Hauptverband der
österreichischen Sozialversicherungsträger lebt in Tirol, wo man sich
schon seit 2014 um die Installation von Niere 60/20 bemüht. „Das
Beispiel Niere 60/20 veranschaulicht gut, das man in Österreich
anscheinend zunächst in einem Bundesland erfolgreich sein muss um
aufzuzeigen, dass Erfolg überhaupt möglich ist“, so Schaffenrath, der
auch zu bedenken gibt, dass es mehr als sieben Jahre brauchte, um
50.000 Personen in das DMP Diabetes zu bekommen. Die Schuld für das
zähe Vorankommen ortet er auch bei den über 3.000 Einzelverträgen
innerhalb des Sozialversicherungssystems. Aus diesem Grund wurden
jetzt im Hauptverband mehrere Arbeitsgruppen mit Aufgaben betraut, um
diverse systemrelevante Prozesse und Leistungen zu hinterfragen. In
der bundesweiten Finanzierung aus einer Hand sieht Schaffenrath einen
sinnvollen Lösungsansatz. In Bezug auf die Kooperation mit den
Allgemeinmedizinern, die für die Sozialversicherung erste
Ansprechpartner vor Ort sind, wünscht er sich „eine sehr enge
Zusammenarbeit, dass wir die Patienten rasch identifizieren und
bestmöglich wohnortnah versorgen können.“

Zentrale Forderung: Freie Wahl der Nierenersatztherapie

Chronische Nierenerkrankungen haben Auswirkungen – weit über die
Niere hinaus. Diverse Studien zeigen, dass ein GFR Wert von unter 75
ml mit einer massiv erhöhten kardiovaskulären Mortalität bzw.
Herzinsuffizienz vergesellschaftet ist. Das ist bereits adjustiert
auf sämtliche Risikofaktoren wie Hypertonie, Diabetes, Rauchen, etc.
„Albumin und die Glomeruläre Filtrationsrate sind jedenfalls die am
bestgeeignetsten Parameter, um etwas über die kardiovaskuläre
Prognose eines Menschen in Erfahrung zu bringen“, so Lhotta. Die
Österreichische Gesellschaft für Nephrologie (ÖGN) ist gerade der
European Kidney Health Alliance (EKHA) beigetreten. Diese ist ein
Verbund aus Patientenvereinen, Pflegeverbänden und Ärzten und
verfolgt das Ziel, das Outcome für Betroffene chronischer
Nierenerkrankungen europaweit zu optimieren. 2015 hat die EKHA
Empfehlungen für eine Optimierung in Europa publiziert. ÖGN und EKHA
fordern unisono das Screening von Risikogruppen, Zugang zu
Transplantationen, entsprechende Rückvergütungssysteme zur
Finanzierung und – allem voran – die freie Wahl der
Nierenersatztherapie.

Weitere Bilder unter: http://www.apa-fotoservice.at/galerie/7748

Bild(er) zu dieser Aussendung finden Sie im AOM / Originalbild-Service
sowie im OTS-Bildarchiv unter http://bild.ots.at

OTS-ORIGINALTEXT PRESSEAUSSENDUNG UNTER AUSSCHLIESSLICHER INHALTLICHER VERANTWORTUNG DES AUSSENDERS - WWW.OTS.AT | WDM

Bei Facebook teilen.
Bei X teilen.
Bei LinkedIn teilen.
Bei Xing teilen.
Bei Bluesky teilen

Stichworte

Channel