WirtschaftsBlatt-Leitartikel: Etwas ist faul – nicht nur im Staate Dänemark - von Hans-Jörg Bruckberger

Die Stimmung ist schlecht, die Negativspirale in Gang gesetzt.

Wien (OTS) - Die Stimmung in der Wirtschaft ist schlecht, Unternehmer stehen auf der Investitionsbremse. Immer wieder werden die Standortproblematik, der Reformstau und politische Untätig- oder gar Unfähigkeit als Grund dafür ins Treffen geführt. Manchmal werden sogar die Unternehmer selbst kritisiert: Mit ihrer übervorsichtigen Haltung würden sie, so der Vorwurf von Kommentatoren, eine Negativspirale in Gang setzen. All das sind aber, wenn überhaupt, Nebenschauplätze und Randerscheinungen. Der Kern des Problems ist ein ganz anderer, und er ist nicht hausgemacht.

Den Beweis dafür findet man im Norden Europas, in Dänemark. Dort gibt es seit fast vier Jahren, und damit so lang wie nirgendwo sonst, negative Zinsen (bezogen auf den Schlüsselzins für Einlagen). Grundsätzlich gilt: Wenn die Zinsen hoch sind, wird weniger geborgt und viel gespart. Ein tiefes Zinsniveau hingegen begünstigt die Aufnahme von Krediten, Sparen ist weniger attraktiv. In Dänemark dürfte demnach gar nichts mehr gespart werden und die Kreditnachfrage müsste boomen.

Unternehmen müssten also die historisch günstigen Finanzierungskonditionen nützen und in der Folge entsprechend investieren. Tatsächlich aber ist das Gegenteil der Fall: Es wird gespart und nicht investiert. Laut aktuellen Schätzungen der Regierung werden die Investitionen des Privatsektors in Dänemark heuer 16,1 Prozent des BIPs betragen. Von 1990 bis 2012 lag die Quote bei über 18 Prozent. Die Sparquote ist indes von 21,3 auf 26 Prozent gestiegen.

Insofern sind die tiefen Zinsen kontraproduktiv (wiewohl die Notenbank ein anderes Mandat verfolgt und die Bindung der Krone an den Euro im Blickpunkt haben muss). Offenbar werden die tiefen Zinsen als Ausdruck einer Krise gesehen. Und das völlig zu Recht. Das gilt auch für ein Nullzinsniveau, wie es hierzulande vorherrscht. Natürlich ist man in Anbetracht historisch einzigartiger monetärer Rahmenbedingungen vorsichtig. Als österreichischer Unternehmer umso mehr.

Die so wichtigen osteuropäischen Märkte lagen jahrelang darnieder, wurden von internationalen Investoren so stark gemieden wie zuvor gehypt und sind zum Teil noch immer ein Unsicherheitsfaktor. Und dann ist da noch Italien. Österreichs zweitwichtigster Handelspartner nach Deutschland befindet sich in einer hartnäckigen Krise. Überbordender Optimismus wäre fehl am Platz. Und bei verantwortlichen Managern gar fahrlässig.

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