- 03.05.2016, 18:30:01
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WirtschaftsBlatt-Leitartikel: Etwas ist faul – nicht nur im Staate Dänemark - von Hans-Jörg Bruckberger
Die Stimmung ist schlecht, die Negativspirale in Gang gesetzt.
Utl.: Die Stimmung ist schlecht, die Negativspirale in Gang gesetzt. =
Wien (OTS) - Die Stimmung in der Wirtschaft ist schlecht, Unternehmer
stehen auf der Investitionsbremse. Immer wieder werden die
Standortproblematik, der Reformstau und politische Untätig- oder gar
Unfähigkeit als Grund dafür ins Treffen geführt. Manchmal werden
sogar die Unternehmer selbst kritisiert: Mit ihrer übervorsichtigen
Haltung würden sie, so der Vorwurf von Kommentatoren, eine
Negativspirale in Gang setzen. All das sind aber, wenn überhaupt,
Nebenschauplätze und Randerscheinungen. Der Kern des Problems ist ein
ganz anderer, und er ist nicht hausgemacht.
Den Beweis dafür findet man im Norden Europas, in Dänemark. Dort gibt
es seit fast vier Jahren, und damit so lang wie nirgendwo sonst,
negative Zinsen (bezogen auf den Schlüsselzins für Einlagen).
Grundsätzlich gilt: Wenn die Zinsen hoch sind, wird weniger geborgt
und viel gespart. Ein tiefes Zinsniveau hingegen begünstigt die
Aufnahme von Krediten, Sparen ist weniger attraktiv. In Dänemark
dürfte demnach gar nichts mehr gespart werden und die Kreditnachfrage
müsste boomen.
Unternehmen müssten also die historisch günstigen
Finanzierungskonditionen nützen und in der Folge entsprechend
investieren. Tatsächlich aber ist das Gegenteil der Fall: Es wird
gespart und nicht investiert. Laut aktuellen Schätzungen der
Regierung werden die Investitionen des Privatsektors in Dänemark
heuer 16,1 Prozent des BIPs betragen. Von 1990 bis 2012 lag die Quote
bei über 18 Prozent. Die Sparquote ist indes von 21,3 auf 26 Prozent
gestiegen.
Insofern sind die tiefen Zinsen kontraproduktiv (wiewohl die
Notenbank ein anderes Mandat verfolgt und die Bindung der Krone an
den Euro im Blickpunkt haben muss). Offenbar werden die tiefen Zinsen
als Ausdruck einer Krise gesehen. Und das völlig zu Recht. Das gilt
auch für ein Nullzinsniveau, wie es hierzulande vorherrscht.
Natürlich ist man in Anbetracht historisch einzigartiger monetärer
Rahmenbedingungen vorsichtig. Als österreichischer Unternehmer umso
mehr.
Die so wichtigen osteuropäischen Märkte lagen jahrelang darnieder,
wurden von internationalen Investoren so stark gemieden wie zuvor
gehypt und sind zum Teil noch immer ein Unsicherheitsfaktor. Und dann
ist da noch Italien. Österreichs zweitwichtigster Handelspartner nach
Deutschland befindet sich in einer hartnäckigen Krise. Überbordender
Optimismus wäre fehl am Platz. Und bei verantwortlichen Managern gar
fahrlässig.
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