• 03.05.2016, 10:39:11
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Nervengift im Verkaufsregal: Die verharmloste Gefahr

GLOBAL 2000 hat Schädlingsbekämpfungsmittel getestet

Utl.: GLOBAL 2000 hat Schädlingsbekämpfungsmittel getestet =

Wien (OTS) - Ein von GLOBAL 2000 durchgeführter Einkaufstest zeigt:
In den Regalen von Lebensmittelgeschäften, Drogeriemärkten,
Bauhäusern und Gartencentern kann man sich mit einer ganzen Palette
an hoch riskanten Giften eindecken: Über 300 verschiedene
Biozid-Produkte gegen Schädlinge im Haushalt wurden von der
Umweltschutzorganisation dokumentiert.

„Biozide“ sind per Definition Stoffe, die Leben töten, sie gehören
wie Pflanzenschutzmittel zu den Pestiziden. Pflanzenschutzmittel
dürfen allerdings seit 2013 nur noch hinter Glas angeboten und nach
fachlicher Beratung verkauft werden – im Lebensmittelhandel gar nicht
mehr. Schädlingsbekämpfungsmittel wie Insektensprays, Ameisenpulver,
Mottensäckchen oder Mäuseköder sind jedoch völlig frei erhältlich,
obwohl sie oft dieselben Wirkstoffe wie Pflanzenschutzmittel
enthalten – und manchmal sogar solche, die in Pflanzenschutzmitteln
für die Landwirtschaft gar nicht mehr zugelassen sind.

Gifte im Regal: fortpflanzungsschädigend – krebserregend -
erbgutverändernd

Dr. Waltraud Novak, Pestizidexpertin von GLOBAL 2000 zu den
Testergebnissen: „Wir haben in den getesteten Produkten Substanzen
gefunden, die als Nervengifte wirken oder fortpflanzungsschädigend
sind, bei anderen gibt es Hinweise, dass sie krebserregend oder
erbgutverändernd sind. Für diese hochgiftigen Stoffe gibt es keine
unbedenkliche, kleinste Dosis. Daher hat die EU in der neuen
Biozid-Verordnung diese Gesundheitsgefahren als Ausschlusskriterien
für eine Zulassung definiert, das heißt Wirkstoffe, die in diese
Kategorien fallen, dürfen nicht zugelassen werden. Trotzdem haben wir
im Handel fünfzehn Produkte gefunden, die erwiesenermaßen
fortpflanzungsschädigende Wirkstoffe enthalten“.

Maus tot – Katze tot

Mittel gegen Mäuse und Ratten (Rodentizide) wirken durch sogenannte
Antikoagulantien, die die Blutgerinnung hemmen, sodass die Tiere
innerlich verbluten. Diese Wirkstoffe können Kinder im Mutterleib
schädigen und sind von der EU als „lebensgefährlich bei Verschlucken,
Einatmen und Hautkontakt“ klassifiziert. Aufgrund verschiedenster
Übergangsregelungen sind diese Produkte aber immer noch legal
erhältlich. Wegen ihrer hohen Giftigkeit bringen diese Nagetiergifte
auch sogenannte „Nicht-Zielorganismen“ in Lebensgefahr. Katzen,
Hunde, Greifvögel oder Wildtiere, die vergiftete Mäuse fressen,
können ebenfalls sterben, denn diese Stoffe sind so giftig, dass auch
bei einer Sekundäraufnahme noch ein massives Vergiftungsrisiko
besteht.

Obwohl die EU bei der Zulassung dieser Mittel vorgeschlagen hat,
diese nur für berufsmäßige Verwendung zu bewilligen, sind diese
Produkte in Österreich problemlos für private Verbraucher verfügbar.
„Wir haben Mäuse- und Rattengifte bei DM, Müller, Adeg, Merkur,
Interspar, Bauhaus, Obi, Hornbach, Dehner, Starkl-Vösendorf und im
Lagerhaus gefunden“, so Novak.

Die sichere Handhabung dieser sowohl für KonsumentInnen als auch für
die Umwelt hochgefährlichen Produkte durch Laien kann nicht
garantiert werden. Besonders die Verwendung von
Nagerbekämpfungsmittel kann eine erhebliche Gefahr für AnwenderInnen
und Umwelt darstellen.

GLOBAL 2000 fordert Verkaufsstopp

GLOBAL 2000 fordert daher Minister Rupprechter auf, den Verkauf von
Schädlingsbekämpfungsmitteln einzuschränken: Angelehnt an die
Richtlinien zum Verkauf von Pflanzenschutzmitteln sollen auch
Schädlingsbekämpfungsmittel nicht in Form der Selbstbedienung - und
in Lebensmittelgeschäften gar nicht - verkauft werden. Novak weiter:
„Nagetierbekämpfungsmittel mit Antikoagulantien gehören nicht in die
Hände von privaten AnwenderInnen. In Anbetracht der Gefahren, die von
diesen Mitteln ausgehen, sollen diese Substanzen nur von fachlich
ausgebildetem Personal angewendet werden, um eine sichere und
fachlich richtige Anwendung sicherzustellen“. Den Handel hat GLOBAL
2000 aufgerufen, im Sinne der KonsumentInnen-Sicherheit und zum
Schutz der Umwelt, alle Rodentizide auf Basis von Antikoagulantien
aus dem Verkauf zu nehmen.

„Eine erfreuliche Rückmeldung haben wir von Merkur erhalten, die das
Mäusegift bereits freiwillig aus ihren Regalen genommen haben“, so
Novak. „Andere Unternehmen, wie die Drogeriemärkte dm und Müller oder
die Gärtnerei Dehner sehen leider keinen Handlungsbedarf.“

Für alle problematischen Biozid-Produkte gibt es eine Fülle von
ungefährlichen Alternativen. Auf www.global2000.at/biozide-im-haus
gibt es einen Einkaufsführer mit einem anschaulichen Ampelsystem zur
Bewertung aller Schädlingsbekämpfungsmittel.

Ausführlichere Informationen zum Einkaufstest und zu
Schädlingsbekämpfungsmitteln finden Sie in unserem Report
„Schädlingsbekämpfungsmittel“ unter
https://www.global2000.at/sites/global/files/Report%20Biozide.pdf

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