- 26.04.2016, 10:07:52
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Gesundheitsökonomie-Studie: Ärztliche Hausapotheken reduzieren Gesundheitskosten
Wien (OTS) - Ein Ausbau ärztlicher Hausapotheken würde die
Gesundheitsausgaben senken und die Versorgungsdichte erhöhen, zeigt
eine Untersuchung. Gert Wiegele, Sektionsobmann der Bundessektion
Allgemeinmedizin und Referent für Hausapotheken und Landmedizin der
Österreichischen Ärztekammer(ÖÄK): „Hausapotheken haben viele
Vorteile, in Zukunft darf keine weitere verloren gehen.“
Um Einsparungen zu erzielen, sollten ärztliche Hausapotheken
ausgebaut werden, empfiehlt eine aktuelle gesundheitsökonomische
Studie. Eine verstärkte Verlagerung der Leistungen öffentlicher
Apotheken in den Bereich ärztlicher Hausapotheken würde nicht nur die
Kosten massiv senken, sondern auch die Versorgungsdichte deutlich
verbessern, bilanziert die Untersuchung „Entlastung des
Gesundheitssystems durch Re-Strukturierung des Apotheken-Marktes in
Österreich“ von Kreutzer Fischer & Partner Consulting anhand von
Rechenmodellen.
Das in der Studie errechnete Einsparungspotenzial besteht im
Wesentlichen aus zwei Positionen: „Zum einen aus einer Sozialisierung
der Apotheken-Gewinne, weil der niedergelassene Arzt nicht die volle
Gewinnmarge des Apothekers benötigt“, so die Studie. „Zum anderen
können Synergieeffekte im Personal- und Sachaufwand gehoben werden.“
Wiegele: Minimalforderung, dass keine weiteren ärztlichen
Hausapotheken verloren gehen
„Diese Studie widerlegt sehr eindeutig kürzlich veröffentlichte
Behauptungen, wonach eine Ausweitung der Hausapotheken angeblich
Anreize zur Überverordnung zu Lasten der öffentlichen Hand setzen und
zu einer Ausdünnung der Vollversorgung mit Arzneimitteln auf dem Land
führen soll. Jetzt bekommen wir die Bestätigung, dass tatsächlich das
Gegenteil der Fall ist“, kommentiert Wiegele die Studienergebnisse.
„Diese Studie unterstreicht einmal mehr die vielen Vorteile
ärztlicher Hausapotheken.“
Vor diesem Hintergrund sei es besonders problematisch, dass es mit
den heute verbliebenen rund 850 ärztlichen Hausapotheken bereits rund
100 weniger gibt als im Jahr 2000. Dass parallel dazu mit plus 200
die Zahl der öffentlichen Apotheken massiv angestiegen ist, habe auch
zu einem Sterben ärztlicher Hausapotheken beigetragen, so Wiegele:
„Dass sich die Koalitionsparteien auf einen Initiativantrag zur
Regelung der Arzneimittelversorgung in ländlichen Regionen geeinigt
haben, ist deshalb ein wichtiger Schritt in die richtige Richtung. Im
Sinn einer guten Versorgung ist es allerdings eine Minimalforderung,
dass keine weiteren Hausapotheken aus rechtlichen Gründen verloren
gehen.“
Gesundheitsökonomische und versorgungstechnische Vorteile
Ein Ausbau der Vertriebsschiene über ärztliche Hausapotheken wäre
laut Studie nicht nur aus gesundheitsökonomischer, sondern auch „aus
versorgungstechnischer Sicht sinnvoll“. Derzeit sei in Österreich
„eigentlich nur in den urbanen Zentren die Versorgung der Patienten
mit Medikamenten zufriedenstellend“. Während es in Wien pro
Quadratkilometer Siedlungsraum im Durchschnitt 1,28 öffentliche
Apotheken gibt, seien es in allen anderen Bundesländern nur rund 0,1
Apotheken. Deshalb brächten speziell „Arzt-Apotheken“ gerade in
ländlichen Regionen „für die Patienten enorme Vorteile, müssten diese
doch für die Beschaffung der vom Arzt verschriebene Medikamente keine
extra Wege auf sich nehmen“.
Es sei davon auszugehen, dass bei einer Liberalisierung des
Apotheken-Marktes „in Summe weitaus mehr Arztapotheken entstehen, als
öffentliche Apotheken reduziert werden“. (bk)
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