Gesundheitsökonomie-Studie: Ärztliche Hausapotheken reduzieren Gesundheitskosten

Wien (OTS) - Ein Ausbau ärztlicher Hausapotheken würde die Gesundheitsausgaben senken und die Versorgungsdichte erhöhen, zeigt eine Untersuchung. Gert Wiegele, Sektionsobmann der Bundessektion Allgemeinmedizin und Referent für Hausapotheken und Landmedizin der Österreichischen Ärztekammer(ÖÄK): „Hausapotheken haben viele Vorteile, in Zukunft darf keine weitere verloren gehen.“

Um Einsparungen zu erzielen, sollten ärztliche Hausapotheken ausgebaut werden, empfiehlt eine aktuelle gesundheitsökonomische Studie. Eine verstärkte Verlagerung der Leistungen öffentlicher Apotheken in den Bereich ärztlicher Hausapotheken würde nicht nur die Kosten massiv senken, sondern auch die Versorgungsdichte deutlich verbessern, bilanziert die Untersuchung „Entlastung des Gesundheitssystems durch Re-Strukturierung des Apotheken-Marktes in Österreich“ von Kreutzer Fischer & Partner Consulting anhand von Rechenmodellen.

Das in der Studie errechnete Einsparungspotenzial besteht im Wesentlichen aus zwei Positionen: „Zum einen aus einer Sozialisierung der Apotheken-Gewinne, weil der niedergelassene Arzt nicht die volle Gewinnmarge des Apothekers benötigt“, so die Studie. „Zum anderen können Synergieeffekte im Personal- und Sachaufwand gehoben werden.“

Wiegele: Minimalforderung, dass keine weiteren ärztlichen Hausapotheken verloren gehen

„Diese Studie widerlegt sehr eindeutig kürzlich veröffentlichte Behauptungen, wonach eine Ausweitung der Hausapotheken angeblich Anreize zur Überverordnung zu Lasten der öffentlichen Hand setzen und zu einer Ausdünnung der Vollversorgung mit Arzneimitteln auf dem Land führen soll. Jetzt bekommen wir die Bestätigung, dass tatsächlich das Gegenteil der Fall ist“, kommentiert Wiegele die Studienergebnisse. „Diese Studie unterstreicht einmal mehr die vielen Vorteile ärztlicher Hausapotheken.“

Vor diesem Hintergrund sei es besonders problematisch, dass es mit den heute verbliebenen rund 850 ärztlichen Hausapotheken bereits rund 100 weniger gibt als im Jahr 2000. Dass parallel dazu mit plus 200 die Zahl der öffentlichen Apotheken massiv angestiegen ist, habe auch zu einem Sterben ärztlicher Hausapotheken beigetragen, so Wiegele:
„Dass sich die Koalitionsparteien auf einen Initiativantrag zur Regelung der Arzneimittelversorgung in ländlichen Regionen geeinigt haben, ist deshalb ein wichtiger Schritt in die richtige Richtung. Im Sinn einer guten Versorgung ist es allerdings eine Minimalforderung, dass keine weiteren Hausapotheken aus rechtlichen Gründen verloren gehen.“

Gesundheitsökonomische und versorgungstechnische Vorteile

Ein Ausbau der Vertriebsschiene über ärztliche Hausapotheken wäre laut Studie nicht nur aus gesundheitsökonomischer, sondern auch „aus versorgungstechnischer Sicht sinnvoll“. Derzeit sei in Österreich „eigentlich nur in den urbanen Zentren die Versorgung der Patienten mit Medikamenten zufriedenstellend“. Während es in Wien pro Quadratkilometer Siedlungsraum im Durchschnitt 1,28 öffentliche Apotheken gibt, seien es in allen anderen Bundesländern nur rund 0,1 Apotheken. Deshalb brächten speziell „Arzt-Apotheken“ gerade in ländlichen Regionen „für die Patienten enorme Vorteile, müssten diese doch für die Beschaffung der vom Arzt verschriebene Medikamente keine extra Wege auf sich nehmen“.

Es sei davon auszugehen, dass bei einer Liberalisierung des Apotheken-Marktes „in Summe weitaus mehr Arztapotheken entstehen, als öffentliche Apotheken reduziert werden“. (bk)

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