- 21.04.2016, 09:46:19
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15 von 19 offenen Kassenarztstellen in NÖ weiterhin ohne Bewerber
Präsident Reisner: Bewerbungsfrist endet am 3. Mai – alle offenen Stellen sind auf www.arztnoe.at ausgeschrieben
Utl.: Präsident Reisner: Bewerbungsfrist endet am 3. Mai – alle
offenen Stellen sind auf www.arztnoe.at ausgeschrieben =
Wien (OTS) - Der Trend, auf den die Ärztekammer für
Niederösterreich bereits seit Jahren hinweist, setzt sich nicht nur
weiter fort, der Umstand, dass Kassenarztstellen nicht besetzt werden
können, entwickelt sich zunehmend zu einem ernsthaften Problem. Dr.
Christoph Reisner, MSc, Präsident der NÖ Ärztekammer, zeigt sich
darüber besorgt: „Für die derzeit ausgeschriebenen 19
Kassenplanstellen gibt es nur für vier Stellen Bewerberinnen oder
Bewerber. Doch noch ist es nicht zu spät, die Bewerbungsfrist läuft
noch bis 3. Mai. Dringend auf der Suche nach Ärztinnen und Ärzten
sind Gemeinden in allen Regionen Niederösterreichs, besonders
schwierig allerdings ist die Situation für den Bezirk Krems. Hier
fehlen gleich drei Allgemeinmediziner, gefolgt von den Bezirken
Neunkirchen, Bruck an der Leitha, Gänserndorf und Zwettl mit jeweils
zwei ausgeschriebenen Kassenstellen.“
Nachfolger für 13 allgemeinmedizinische Ordinationen und sechs
Facharztstellen gesucht
Von den derzeit 13 in Niederösterreich ausgeschriebenen
Kassenarztstellen für Allgemeinmedizin befinden sich fünf im
Waldviertel, alleine drei davon im Bezirk Krems. „Krems ist auch der
Bezirk, wo wir schon am längsten eine Hausarztstelle ausschreiben,
leider bisher ohne Erfolg. Die Ordination in Krems-Rehberg befindet
sich bereits zum achten Mal unter den offenen Stellen. Die restlichen
ausgeschriebenen Kassenordinationen für Allgemeinmedizin verteilen
sich gleichmäßig über ganz Niederösterreich“, so Reisner.
Bei den Facharztstellen sieht die Situation ähnlich
besorgniserregend aus. Von den sechs offenen Facharztstellen stechen
die Stellen für Psychiatrie besonders hervor. „In Lilienfeld suchen
wir bereits zum zehnten Mal nach einem Nachfolger oder einer
Nachfolgerin, in Gänserndorf zum achten Mal. Und auch die Kinder- und
Jugendheilkunde bereitet uns Sorgen. Die Kassenstellen in den
Gemeinden Groß-Enzersdorf und Hainburg an der Donau schreiben wir
jeweils zum sechsten Mal aus. Während dieser Zeit hat es keinen
einzigen interessierten Arzt gegeben. Jetzt ist noch eine weitere
Kinderarztstelle in Purkersdorf hinzugekommen, für die wir erstmals
einen Nachfolger suchen“, berichtet MR Dr. Dietmar Baumgartner,
Vizepräsident und Kurienobmann der niedergelassenen Ärzte in der NÖ
Ärztekammer. Auch die offene Augenarztstelle in Zwettl, bei der
zuletzt zwei Bewerber kurzfristig abgesprungen sind, musste wieder
ausgeschrieben werden.
Welcher Arzt einen Kassenvertrag bekommt, entscheidet eine
Hearing-Kommission, die von der Ärztekammer für NÖ und der NÖ
Gebietskrankenkasse paritätisch besetzt ist. Sitzungen dieser
Kommission finden einmal pro Quartal statt. Baumgartner: „Der nächste
Termin ist mit 14. Juni angesetzt, bis dahin heißt es für viele
Gemeinden und ihre Einwohner warten oder auf einen benachbarten Arzt
ausweichen.“
Ärztliche Tätigkeit muss im Vordergrund stehen und angemessen
honoriert werden
Die Gründe für die mangelnde Attraktivität von Kassenstellen ortet
der Ärztekammerpräsident in den Rahmenbedingungen, die das
öffentliche Gesundheitssystem bietet: „Wir haben nicht zu wenig
Ärztinnen und Ärzte, aber immer weniger haben Interesse, im
öffentlichen Gesundheitssystem, also mit einem Kassenvertrag, zu
arbeiten. Das bedeutet für uns, dass die Arbeit als niedergelassener
Kassenarzt wieder attraktiver werden muss“, so Reisner. Dafür fordert
der Ärztekammerpräsident die Abschaffung der „limitierten
Leistungen“, also jener Leistungen, die ein Arzt – unabhängig von der
Notwendigkeit der Behandlung oder Diagnostik – nur in einer
beschränkten Anzahl abrechnen kann. „Dies verleitet den Arzt dazu,
nachrechnen zu müssen, ob seine Leistung noch bezahlt wird oder er
bereits gratis arbeitet. Ein weiterer Schritt zum Bürokratieabbau
wäre die Abschaffung der Chefarztpflicht für Medikamente oder
Therapien. „Darüber hinaus brauchen wir unkomplizierte
Kooperationsformen in der Kassenordination abseits der Gruppenpraxis,
damit Ärzte flexibel auf Spitzenzeiten reagieren können und dennoch
genügend Zeit für ihre Patienten haben. Außerdem muss das ärztliche
Gespräch als wesentlicher Behandlungsbestandteil adäquat honoriert
werden“, so Reisner, „Neuerungen wie Mystery Shopping tragen mit
Sicherheit nicht dazu bei, den Beruf des Kassenarztes attraktiver zu
machen.“
Von den Politikern des Landes fordert Reisner, sich endlich mit
einer vernünftigen Gesundheitsreform für die Hausärztinnen und
Hausärzte als „Best Point of Service“ einzusetzen. In einer letzte
Woche präsentierten Umfrage gaben deutlich mehr als drei Viertel der
Befragten (79 %) an, dass sich der klassische Hausarzt in Österreich
gut bewährt hat und unbedingt erhalten bleiben sollte. „Gelingt es,
eine Reform durchzuführen, die die ärztliche Tätigkeit wieder in den
Mittelpunkt stellt und die Bürokratie eindämmt, wird es auch
gelingen, Ärztinnen und Ärzte für die Ausübung dieses Berufs zu
begeistern“, ist Reisner überzeugt.
Niederlassungsseminar der Ärztekammer für interessierte
Ärztinnen und Ärzte
Am 21. und 22. Mai findet das nächste Niederlassungsseminar der NÖ
Ärztekammer statt. Ärztinnen und Ärzte, die den Weg aus dem
Krankenhaus in eine Ordination überlegen, erhalten dort wertvolle
Tipps und Erfahrungswerte von langjährigen Kassenmedizinern. So wird
der Weg zum Kassenvertrag samt Vertretungsmöglichkeit und
Gruppenpraxis vorgestellt und die Honorarabrechnung mit der Kasse
erläutert. „Nachdem steuerliche Aspekte der Niederlassung sowie das
rechtliche Umfeld für viele Ärztinnen und Ärzte Neuland sind, haben
wir auch diese Aspekte in das Seminar aufgenommen“, so Reisner
abschließend. Bis 13. Mai ist eine Anmeldung zum
Niederlassungsseminar noch möglich.
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